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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Nickel Would

© Sabine Margreiter


Frank und Klaus schüttelten sich die Hände am offenen Ende des Lastwagens und lächelten sich dabei flüchtig an. Es war gerade Spätwinter, noch nicht wirklich Frühling. Zwar schien die Sonne fröhlich und der Himmel war kitschig blau, sodass man fast glauben konnte, dass es Hochsommer wäre, mal abgesehen vom weißen Schnee, der noch überall auf den Feldern, Straßen und Häuserdächern lag, aber es war arschkalt. Es hatte gerade mal fünf Grad Minus und als einer der beiden ein "Hi. Ich bin Frank" mit etwas heiserer Stimme sagte, da kamen Atemwolken aus seinen Mund hervor. Sie passierten seine Lippen, trockneten diese sofort und dann kräuselte sich der weiße Dunst zum Himmel empor, bis er zerfiel, wie Pulverschnee in der Hand, und sich mit der Luft vereinte.
Hinter ihnen schob jemand einen Verstärker zuerst großzügig um sie herum, dann die kleine Eisenrampe hoch und stellte ihn zum Schluss ins hinterste freie Eck des LKWs, neben den anderen Boxen und Kartons. Ein weiterer Kerl schrie, warum die Kabel nicht ordnungsgemäß aufgerollt waren, weil so, wie sie es jetzt waren, würden sie sofort, beim bloßen Angaffen auseinanderbrechen, oder in der Luft zerreißen. Dann stolpert der erste Typ wieder die kleine Eisenrampe hinunter, klopfte Frank auf die Schulter und murrte ihm dann ein "Macht mal was" zu.
Frank drückte noch einmal Klaus Hand und schaute ihm nach, wie dieser fast schon schwerfällig seinen Kopf mit den bunten Haaren Richtung Lagerhalle schob und als sich ihre Hände dann von einander lösten, da trug Klaus einen müden Blick auf seinem fahlen Gesicht, welches die dunklen Ringe unter seinen Augen noch mehr hervor hob. Frank legte ihm eine stützende Hand auf den Rücken, als hätte er Angst, dass Klaus auseinander brechen würde und lächelte ihn etwas verunsichert an und Klaus grinste zurück. Müde, aber doch.
Klaus war schon länger als Roadie tätig. Ihm war es egal für welche Band, denn er hatte Connections, kannte Leute, die wiederum Leute kannten und die Szene kannte ihn. Er war ein Punk mit buntgefärbten Haaren, zerschlissenen Klamotten, braunen Augen und mit einem etwas kantigen Gesicht. Und obwohl er sich so hart gab, ließ ihn seine doch so femininen Statur etwas harmloser aussehen, als er wollte. Er selbst spielte etwas Gitarre, nicht viel, nur das Notwendigste, mehr brauchte er nicht um eigene Songs zu schreiben und den wechselnden Gitarristen seiner Bands die Akkorde, die er spielen sollte, zu beschreiben. Klaus konnte auch noch etwas Klavier, spielte aber hauptsächlich Schlagzeug, was ihm jetzt aber nicht viel half. Er war nur der Roadie, genauso wie Frank. Er wurde bezahlt, fürs Herumschieben von Verstärkern, richtige Aufrollen von Kabel und fürs Klappehalten während die große Band spielte, aß, oder sprach. Das Leben eines Roadies war hart, man war die unterste Schicht auf Tour und wurde für die Arbeit nicht mal gut bezahlt. Aber Geld war Geld und das regierte nun einmal die Welt.
Genauso ging es Frank, der die Kohle für ein eigenes, kleines Tonstudio und für eine Wohnung brauchte, um sich später dann mit einem Job über Wasser halten zu können, den er wirklich mochte. Frank hatte ein etwas rundliches Gesicht, breite Schultern und einen breiten Brustkorb. Eben ein richtiger, gestandener Mann, wie man hier zu Lande zu sagen pflegte. Seine Augen waren schwarz, genauso, wie seine Haare. Frank spielte Bass und das schon, fand er, seit einer halben Ewigkeit. Von dem Job als Roadie hatte er in der Zeitung gelesen, sich beworben und ihn glücklicher Weise auch sofort erhalten.
Klaus und Frank waren ungefähr im selben Alter, beide noch keine zwanzig und kamen aus verschiedenen Enden Österreichs, Klaus aus Tirol und Frank aus Oberösterreich. Beide machten selbst Musik und waren jetzt Arbeitskollegen in ihrem neuen Job, als Roadies, von einer Austropopband. Mit den Typen durch ganz Österreich touren, ein paar Bühnen im Ausland, in der Schweiz, Bayern, Italien und Ungarn, aufzubauen, um am Ende dann etwas Geld zu kassieren. Die Tour dauerte drei Monate und die mussten sie zusammen im Bus und als Arbeitskollegen verbringen. Sie waren die Jüngsten unter den Roadies, sie bekamen den wenigsten Respekt, wurden von den Älteren nur belächelt und weil sie sowieso ganz neu und auch nicht für immer, dabei waren, sollten sie am meisten arbeiten.
Das erste Konzert führte sie nach Salzburg. Es wurde auf einer Bühne vor dem Stadtdom abgehalten, die zuvor von den Roadies aufgebaut wurde. Am nächsten Tag würde es weiter nach Tirol gehen, die Konzerte in Italien würden in den darauffolgenden Tagen abgehalten werden. Später würde es in die Schweiz, nach Bayern gehen, um dann in Oberösterreich aus, den Österreichteil der Tour zu beenden, bis es sie dann zum Schluss nach Ungarn verschlagen würde.
Auf der Hinfahrt nach Salzburg, hatte Frank von der oberen Koje heruntergeschaut und Klaus, der das Bett unter ihm gehabt hatte, zuerst betrachtet, wie er sich flüchtig etwas in den Mund geschoben hatte und ihn dann gefragt, woher er kam und was er so machte, wobei Frank auffiel, dass Klaus trotz seiner Herkunft, nicht den typischen tiroler Dialekt hatte. Aber Klaus redete viel. Die Schule hatte für den Punk nie viel Wert gehabt. Zu viel Autorität von den Erwachsenen, dumme Daten von noch dümmeren Menschen auswendig lernen, obwohl doch niemand etwas über ihn selbst lernte. Musik war sein Leben, London, Berlin, Wien und Basel seine Lieblingsstädte und alles außer Punk, Funk und Rock war Scheiße. Später dann würde er am Liebsten eine große Wohnung in Westberlin haben, in Kreuzberg, wo es noch etliche Punks in der Szene gab und man einen Grund hatte, Bullen anzumachen. In Berlin würde Klaus bekannt sein, alle würden sich um den Tiroler reißen, ihn in ihrer Band zu haben und dann würde er das große Geld machen, aber natürlich nicht zu viel, weil Kommerz ja Scheiße war, aber die ganzen Punkbands, die Platten machen waren geil, obwohl die Kommerz machten, aber das war auch ihre Sache. Klaus würde später genauso, wie jetzt, sein eigenes Ding in Sachen Musik machen, nichts abkupfern, nur selber schreiben und das mit einer festen Band, mit ihr selber touren und dann den Roadies in den Arsch treten, genauso, wie die Großen das immer mit ihm machten. Und auf seine Frage, was Frank so machte, antwortete der Bassist, dass er gerade die Schule beendet hatte und etwas Kohle brauchte. Dass er zu Hause in Oberösterreich auch ein, zwei Bands hatte, mit denen aber nicht viel lief und er sich durch die Tour ein wenig erhoffte, neue Kontakte zu knüpfen.
Mehr sagte Frank nicht. Er war nicht der gesprächigste Typ, sagte und fragte, wenn es ihm wichtig war und hielt sonst eher seine Klappe. Klaus war da etwas anders, fast schon euphorisch begann er manchmal über Dinge zu sprechen, bis er dann plötzlich gar nichts mehr sagte und bloß still dasaß, als würde er schlafen, aber von oben konnte Frank es jetzt nicht bezeugen. Und als er keine Antwort mehr bekam, schob er sich zurück in seine Koje, zog den kleinen, violetten Vorhang zu und legte sich aufs Kissen. Die erste Nacht im Roadiebus, der Tourbus der Musiker, Manager und Presseleute, fuhr ihnen hinterher, Richtung Salzburg.
Klaus schleppte sich, mit ein paar Schweißperlen auf der fahlen Stirn, tiefliegenden Augen, kleinen, schwarzen Pupillen, die schimmernd und blind aussahen, und einer halbvollen Bierflasche in der Hand, die Treppe der billigen Absteige hinunter. Alles drehte sich um ihn, die Lampe leuchtete grün, der Holzboden war blau und zu guter Letzt fühlte sich Klaus, als würde er durch Wasser latschen. Schwerfällig und viel zu kraftaufwändig. Eine Kraft, die er nicht besaß. Er hob schwerfällig seinen Fuß, setzte ihn auf die nächste Stufe, hielt sich schwankend mit einer zitternden Hand am Treppengeländer fest, fuhr sich mit den freien Fingern der anderen Hand durch seine hochgestellten Haare und bevor er sich versah, stolperte er und rasselte mit lauten Knall die Stufen hinunter, bis er ächzend mit dem Rücken auf dem Boden aufknallte.
Alles drehte sich um ihn und somit wurde ihm auch sofort speiübel. Dass die Bierflasche, die schon ein paar Meter von ihm entfernt in ihrer Bierlache lag, gar nicht mehr in seiner Hand war, bemerkte er erst gar nicht, genausowenig, wie die Hand auf seiner Schulter, die ihn Minuten später rüttelte und die andere Hand, die leicht gegen seine Wange schlug. Dann hörte er nur Schritte die kamen und gingen, ein gemurrtes "B'suf" von einer harten Stimme und schon drehte sich alles wieder um ihn. Er wurde grob an einer Schulter hochgezogen, lehnte sich sofort schwerfällig zur Seite, bis er einen Körper an seinen gedrückt spürte, und als er dann vorgeschoben wurde, mit der Spitzte seiner Stiefel an etwas anstieß, da sagte ihm jemand etwas, viel zu laut, wie er meinte, in sein Ohr. Er wurde noch etwas hochgezogen, spürte nur flüchtig, den starken Arm, der ihn um seine Mitte packte und wieder an den Körper drückte, wie an seinem eigenen Arm gezogen wurde, bis dieser dann auf etwas weiches, hoch in der Luft gelegt wurde und meisterte dann Stufe für Stufe, bis er dann schwerfällig und schlaff aufs Bett geworfen wurde. Aber das merkte Klaus schon gar nicht mehr. Er starrte blind zur Decke, hatte den Mund halboffen und summte irgendeine Melodie vor sich hin.
Schritte kamen, Schritte gingen. Einmal wurde die Tür zugeworfen, dann, Stunden später, wieder aufgemacht und manchmal sah Klaus eine Gestalt, die sich über ihn beugte. Wie eine Fledermaus hatte sie ausgesehen, mit schwarzen Flügen und dunklen Augen, so dunkel wie die Nacht und noch dunkler, denn die Nacht war ja nie wirklich kohlrabenschwarz, nur arschkalt. Wie im letzten Winter, als Klaus nach Berlin getrampt war und in der selben Nacht noch auf irgendeiner Treppe, in einem toten Winkel, wo ihn kein Bulle so leicht sehen würde, übernachtet hatte. Alleine, mit Schnee an den Schuhen und Wassertropfen auf der Jacke. Die meiste Zeit schlief er aber jetzt nur. Später wurde er grob aufgeweckt und benebelt aus dem Zimmer geschoben. Aufräumen, Abbauen, das Konzert war vorbei, die Band ging essen, die Roadies mussten ackern und Frank sagte nichts. Er schickte Klaus manchmal, während er ein Scheinwerfekabel um seine Ellenbogen locker spannte und aufrollte, musternde Blicke, aber von seinem Fund, den er zuvor am Ende der Stiege in der billigen Absteige gemacht hatte, ließ er nichts über die Lippen kommen. Es war auch besser so. Wenn sich Menschen sinnlos betrinken wollten, dann sollten sie es machen, war ja ihre Sache, nicht die seine.
Die Reise ging weiter Richtung Tirol, das dauerte nicht so lange, höchstens drei, bis vier Stunden, bei schlechtem Verkehr. Die ganze Fahrt über hatte Klaus geschlafen und Frank Wache gehalten. Für was er Wache geschoben hatte, wusste er nicht, aber er hatte ein ungutes Gefühl im Bauch. Sie hielten kurz auf einem Parkplatz. Alle beide Busse, der Roadiesbus mit der Elektronik und der Tourbus mit der Band, Management und ein paar Leuten von der Presse. Klaus war einer der ersten gewesen, die aus dem Bus gestiegen waren, nur war er gelaufen und hatte sich in irgendeinen Busch übergeben. Ein paar Typen lachten, die älteren, die das witzig fanden, dass sich die jungen Leute von Heute schon so zuschütten konnten, aber sonst wurde nichts über Klaus gesprochen. Er war eben wie die ganzen anderen verdorbenen Jugendlichen, die nichts als Party, Saufen und Sex in der Birne hatten. Nur nicht in die Schule gehen, nur keinen Abschluss machen und dann aufs große Geld hoffen und doch nie erreichen. Aber Frank dachte nach und betrachtete Klaus, wie er sich mit dem Ärmel seiner Jacke über den Mund rieb, wie er sich die fingerlangen Strähnen aus dem Gesicht strich und dabei war ihm aufgefallen, wie bleich doch das Pink und das Grün in seinen Haaren nun ausschauten. Die Farben waren nicht mehr so satt und kräftig, wie noch vor zwei Tagen, als sie sich zum ersten Mal gesehen hatten. Klaus ging schlurfend an ihm vorbei, hinein in den Bus und legte sich wieder in seine Koje. Wortlos, ohne Mucks und Aber.
In Tirol war es noch kälter als in Salzburg. Die Berge hatten die Aufmerksamkeit der Crew sofort auf sich zogen. Die hohen Mauern umrahmten das Land, sagte einer der Tontechnicker, aber Klaus konnte darauf nur kurz lachen. Frank schaute an der Kante seiner Koje hinunter und konnte nur Klaus Jackenärmel sehen, dann blickte er wieder aus dem großen Fenster neben seiner Koje hinaus. Die Berge waren von Schnee überzogen, genauso, wie die vielen Wälder, Wiesen und Häuserdächern. Als sie aus dem Bus ausstiegen und in die neue Absteige gingen, um einzuchecken, trotteten Klaus und Frank nebeneinander her. Anfänglich sagte keiner ein Wort, aber dann hustete Klaus kurz und grinste etwas wehmütig vor sich hin. Sein Blick fiel auf die Landschaft.
"Sie umrahmen förmlich die Landschaft..." dann lachte er kurz und schüttelte dabei den Kopf "... die fangen's ein und lass'n's nich mehr los. Von wegen umrahmen..."
"Ich find se schön" fügte Frank dann hinzu, schob den Gurt seiner Tasche auf seine Schulter, steckte seine Fäuste in seine Jackentaschen und folgte Klaus Blick hinauf zu den schroffen, weißen Bergspitzen.
Wieder ein Lachen und ein Kopfschütteln "Ich kenn die Dinger" lachte Klaus "Ich kenn die. Die sperr'n dich ein und wennst' nich früh genug gehst, dann bleibst hier. Für immer. Dann is nix mehr mit'm Leben in Amerika und Die Welt entdecken. Die sind alle hiergeblieben. Keiner is gegangen. Außer mir"
Am Nachmittag ging Klaus und als Frank fragte wohin, sagte er nur, dass er sich ein Ticket für den Bus kaufen gehe und in ein paar Stunden wieder dasein würde. Der Chef wüsste schon bescheid. Mehr nicht. Weg war der Redeschwall. Weg war das Schimmern in seinen Augen, das er so oft hatte, wenn er so viel redete. Und als Frank dann ein paar Stunden, nachdem er sich mit der gesamten Crew in die Kantine der Absteige gesetzt, was getrunken und eine, oder zwei geraucht hatte, nach draußen ging, da sah er Klaus an der Hauswand angelehnt. Er stand nur da mit dem Rücken an der Wand, den Händen in seinen Jackentaschen vergraben und den Kopf gesenkt. Seine Haare waren aufgestellt, wie immer und seine Miene müde und ausgelaugt, wie immer.
Frank gesellte sich neben ihm an die Wand und als er ihn von der Seite anschaute, da erkannte er die rot verheulten Augen und die glitzerende Spur einer Träne auf seiner Wange, sagte aber nichts, sondern blickte geradeaus in den Wald, der gegenüber der Absteige lag. Er war dunkel, der Boden mit Schnee zugedeckt und die Rinde der Bäume war schwarz und weiß. Frank stieß eine Atemwolke aus seinem Mund aus und betrachtete, wie sie sich in der Luft auflöste. Er versuchte Ringe zu hauchen, wie er es mit den Zigaretten machte.
"Hast mich gestern ins Bett geschleppt, oder?" fragte Klaus dann, ohne aufzuschauen und Frank erwiederte nur mit einem Nicken und schaute weiter stumm in den Wald hinein.
"Hab ich mir gedacht. Dass du's warst. Dem Rest wärs ja scheißegal gewesen"
"Du bist von der Stiege gefall'n. Du hättst dir sonst was brechen könn'" gab Frank zurück und schaute Klaus dabei nochmal flüchtig von der Seite an. Er drehte seinen Kopf aber nicht, sonder bewegte nur seine schwarzen Augen.
"Hab ich aber nich. Mach ich nie... Hast ne Zigarette?" fragte Klaus dann und Frank zog ein Päckchen Malboro aus seiner Jackentasche. Er klappte es auf und Klaus zog mit seinen Fingern eine Kippe heraus, steckte sie zwischen seine Lippen und spürte, die Wärme von Franks Feuerzeug an seiner Haut. Klaus sog das Nikotin tief in seine Lungen und stieß den Rauch dann genüsslich durch seine Zähne aus. Neben ihm steckt sich Frank auch eine Zigarette in den Mund.
"Auf welche Schule bist 'gangen?" fragte der Punk dann, ohne aufzuschauen.
"Normale Oberstufe. Was mit Sprachen. Nichts besonderes" antwortete Frank und formte mit seinen Lippen und dem Zigarettenrauch kleine Ringe, die sich sofort in der Luft auflösten.
"Seid ihr da mal weggefahrn? Wo anders hin, mein ich..." und Frank nickte und erzählte, dass sie nach London geflogen waren. Dass es recht schön da gewesen sei.
"Recht schön? Kills me..." lachte Klaus dreckig "Wenns nich gerade regnet, is London echt toll. Und wenn's mal geregnet hat, und in der Früh die Nebelschwaden tief hängen, dann is auch toll. Alles an London is toll. Die Typen, die Musik, die Stadt. Alles"
"Warum bist dann nicht dageblieben?" fragte Frank und verlagerte sein Gewicht auf den anderen Fuß.
"Bist mal in Berlin gewesen? Berlin is auch geil. Die ganzen Punks, die Scheißbullen. Und wenn die Sonn' scheint, und du dann das Kreuz im Fernsehturm siehst. Die Luft. Sogar die beschissene Luft riecht da besser, als bei uns. Und die Häuser sind viel größer. Ich glaub sogar, viel größer, als in London. Und wie groß und grün die Stadt is und die Plätze. Überall kann man rumhängen. Oder Wien. Wien is auch geil. Überall nur Flachland und keine Scheißberge. Die gibt's nur bei uns. Basel geht auch noch. Da sind zwar Berge, aber die Typen sind echt toll drauf und die Kohle. Die ham Kohle, sag ich dir..." dann schüttelte Klaus nur seinen Kopf und nahm dann wieder einen kräftigen Sog von seiner Kippe und Frank stellte wieder die Frage "Warum bist dann nicht geblieben?"
Dann wurde Klaus wieder still, sog nochmal an der Kippe und sagte dann "Konnt nich" ganz beiläufig, als wäre es nichts Wichtiges und Frank nickte nur. Klaus ließ sich an der Wand hinabrutschen und landete dann auf dem kalten Pflasterboden. Er lehnte seinen Hinterkopf an der Hausmauer an, spürte, wie sie ihm ein sicheres Gefühl gab, so festgemauert auf der Erde, beständig, dick und sicher. Das hatte er vermisst und tat es immer noch. Klaus schloss seine Augen, ließ die harte Wintersonne auf sein Gesicht scheinen und genoss die wenigen warmen Sonnenstrahlen, die durch die Klüften, wo zwei Berge sich überschoben, schienen. Klaus war vor drei Sommern mal nach Bologna gefahren, anfänglich getrampt und dann, als es nicht mehr weiterging, dann mit dem Zug. Die Reise war hart gewesen und als er dann endlich angekommen war, hatte er so gut wie kein Geld mehr gehabt. Er hatte sowieso so gut wie nichts bei sich getragen, außer einer alten Wanderklampfe, auf der er ein paar Lieder gespielt und sich somit wenigstens etwas Geld verdient hatte. Das war der Nachteil am Schlagzeugerdasein. Ein Schlagzeug war schwer, kostete viel Geld und wer keinen Bandkeller hatte, musste schauen, wo er blieb.
Klaus hörte ein schlürfendes Geräusch neben sich. Frank setzte sich aufs Pflaster, etwas dicht an Klaus, wie der Punk bemerkte, aber das war ihm egal. Sollte er doch, ihn störte es nicht. Frank schaute ihn nicht an, er schaute immernoch geradeaus, in Richtung Wald und warf dann ein "Wo warst'n jetzt eigentlich?" in den Raum.
Klaus leckte sich über seine Unterlippe und gab die Kippe in die andere Hand, die nicht Franks Knie berührte.
"Bei meim Alten" antwortete der Punk und steckte sich die Kippe wieder in den Mund "...der wohnt paar Städte von hier. Eigentlich nich weit weg"
"Mal wieder auf Besuch, oder was?" fragte Frank dann noch und lachte dabei etwas, obwohl es doch gar nichts zu lachen gab.
Klaus nickte "Ich bin nich oft bei ihm. Hab's Schlagzeug aber dort" dann zuckte er mit den Schultern und schaute Frank von der Seite an. Sofort machte es ihm dieser nach und sie blickten sich für ein paar Sekunden einfach nur an sodass Stille herrschte. Dann wandte sich Klaus wieder ab und nahm noch einen Zug von seiner Kippe, bevor er sie mit Daumen und zwei Fingern auf dem kalten Pflasterboden ausrieb. Er stand auf, wartete nicht auf Frank, sondern ging wieder hinein in die billige Absteige, hörte aber Schritte, die ihm folgten.
Tirol hatten sie hinter sich gelassen und schon ging die Reise im Roadiebus weiter nach Italien um dort ein, zwei, drei Konzerte abzuhalten. Als die Band wieder auf der Bühne stand und man das Gegröle der Zuschauer noch kilometerweit hören konnte, verzog sich Klaus wieder in sein Zimmer, das er diesesmal mit Frank teilte. Er setzte sich aufs Bett, kramte in seiner Sporttasche herum, holte ein kleines Metallkästchen unter den Jeans hervor und öffnete es dann auf das Polster. Er machte es so wie immer, band sich den Arm ab, gab das Pulver auf den Löffel, verdünnte es mit Zitronensaft und hielt es dann übers Feuerzeug. Danach wurde alles in die Kanülle gefüllt, dann die Nadel mit Augen zu und durch in die Vene gestochen, abgedrückt und das Band vom Arm entfernt. So wie immer. Alleine, ohne die Angst, dass ihm jemand was von seinem Stoff wegnehmen könnte, und auch alleine, ohne von irgendjemandem dumm angemacht zu werden. Also war es ihm auch scheißegal, dass etwas Blut an seinem Arm herunterlief und noch das ganze Besteck auf dem Bett verteilt lag, als er sich schwach auf den Rücken fallen ließ. Die Augen halboffen starrte er an die Decke. Anfänglich kamen noch bunte Bilder, eigenartige Eindrücke, komische Gerüche, so wie immer, aber schon viel zu früh ließ die Wirkung nach und ließ ein unbefriedigendes Gefühl zurück. Alles war Scheiße. Die Welt war schlecht, genauso, wie die Menschen und der Stoff. Er hatte ihn viel Geld gekostet und dabei war es nicht mal reines Zeugs, sondern billige Mischung in der was weiß Gott alles drinnen war. Aber das interessierte Klaus nicht. Er wollte einen Trip nach dem anderen.
Wütend und frustriert schob er sich hoch, warf die Kanülle auf den Boden, dachte nicht einmal über Reue nach, falls sie gerade kaputtging, und legte sich noch irgendein Plättchen auf die Zunge. Er wollte aufstehen, war aber dafür viel zu müde, und doch versuchte er es. Erstens, weil er nicht er selbst war und zweitens, weil er sowieso das machte, was er wollte. Also hoch vom Bett, auf die zitternden Beine und schon mit der Nase auf dem Boden. So blieb er dann liegen, ignorierte die Übelkeit, die zähend in seinem Rachen hochstieg und schluckte alles brav hinunter.
Scheiß Drogen. Alles hatte keine Wirkung wie früher, als es noch die erste Pille, der erste Trip und dann der erste Schuss gewesen war. Jetzt war der letzte nur noch einer von vielen und je länger Klaus das schon durchmachte, desto unbefriedigender wurden die Trips.
Jemand machte die Tür auf, sah das Chaos auf dem Bett und als dieser dann über dem Polster schaute, da sah er nur die Hälfte eines Armes am Boden liegen. Dieser Jemand ging schnell um das Bett herum, drehte Klaus auf den Rücken und bekam dafür nur ein Gehuste und Gewürge als Dank. Klaus schob sich schnell hoch vom Boden, krallte sich an der Person fest, zog dieses fast wieder mit sich hinunter und ohne es zu wissen, rannte er ins Bad, vor die Kloschüssel und übergab sich. Den Weg kannte er schon, den hatte er am Morgen auch schon genommen.
Frank begann bei diesem Anblick selbst zu würgen, musste sich aber dann doch nicht übergeben. Er ging aus dem Bad hinaus, wieder in den Schlafbereich und öffnete sofort ein Fenster. Er stemmte sich aufs Fensterbrett und hielt das Gesicht in die kalte Winterluft hinein, sofort stiegen breite Schwaden Atemluft aus seinem Mund auf und als ihm dann zu kalt wurde und er schon eine rote Farbe auf seiner Nase erkennen konnte, ließ er sich wieder auf die Fußsohlen sinken. Klaus war immer noch im Badezimmer, hatte sich an der Dusche angelehnt und hielt die Augen geschlossen. Schweißperlen rannen an seinen Schläfen herunter und eine verfing sich in seinen Augenbrauen. Er war erschöpft und müde, so, wie immer. Alles das gleiche. Alles war Scheiße. Die Welt war schlecht.
Frank setzte sich aufs Bett und starrte in Gedanken versunken auf die Kanüle auf dem Boden und die Nadel, das Kästcheen, den Stofffetzten und den Rest neben sich. Drogen. War ja auch klar gewesen. Leute gaben sich nicht mit Alkohol oder Zigaretten zu frieden. Wo einige Befriedigung in Sex suchten, taten es andere in Drogen. Was auf die Dauer teurer war, das konnte sich Frank schon denken, genausogut, wie, dass es einen auf die Dauer hin immer kaputter machte.
"Das is Scheiße, das weißt du schon, oder?" sagte Frank dann und schaute Klaus von der Seite an. Sein Gegenüber zog aber nur an der Kippe und blickte blind über die Landschaft hinweg.
Sie saßen draußen, auf einer Bank, vor dem Haus. Die Nacht über hatten sie gefeiert, das nächste Konzert wäre in der selben Halle wie das letzte, das ausverkauft gewesen war. Diesesmal hatte es nicht Aufräumen und Abbauen gehießen, sondern nur drei Euro die Flasche.
"Ich red mit dir" sagte Frank dann schroff und packte Klaus am Jackenkragen und zog ihn etwas zu sich, nicht viel, aber doch so, dass ihm Klaus seinen Kopf zuwandte und ihn mit kalten und gefühllosen Augen anschaute. Die Kippe hielt er in der Hand, die er schlaff über sein Knie gelegt hielt.
"Die Drogen sind Scheiße. Hast' dich mal in' Spiegel ang'schaut?" Franks Atem war warm und traf auf Klaus kaltes Gesicht. Dann ließ Frank den Punk los, seinen Arm in seinen Schoß fallen und schaute wieder vor sich hin.
Die Sonne schien und trog über die Stimmung hinweg. Die Sonne schien hierzulande oft, viel zu oft, wie Frank nun dachte, weil die Sonne ja immer schien, wenn es gar nichts zum Glücklichsein gab, wenn jemand starb, einen schweren Unfall hatte, oder man selbst ne Mahnung in einem beschissenen Unterrichtsfach hatte und man genau wusste, was einem die Eltern alles sagen würden. "Ich habs dir gesagt"
"Hat dir das keiner gesagt? Dass das Zeugs Scheiße is?" käppelte er dann noch und Klaus gab nur ein "Das is mein Bier" darauf.
Frank schüttelte seinen Kopf "Wenn's nur Bier wäre"
Dann schaute Klaus ihn wütend an und zischte ein "Du, ich mach das schon länger als du glaubst und hab damit noch nie irgendwelche Probleme gehabt!"
"Wenn ich nicht gekommen wär, dann wärst du du an deiner eigenen Kotze gestorben"
"Wenn du mich nich umgedreht hättest, dann wär das ganze gar nich passiert!" Klaus schrie schon fast. Seine Stimme krächzte. Dann schaute er wieder weg und murrte ein "Du hast keine Ahnung. Also lass es" bevor er nochmal an der Kippe zog.
Frank schüttelte nur seinen Kopf und starrte blind auf den Boden vor sich. Dann sagte er in einem ruhigen Ton "Und? Wie lang machst das schon?" und Klaus antwortete, dass er es nicht mehr wüsste. Dass es angefangen hatte und einfach gelaufen war und anfänglich auch ohne jegliche Zeichen von einer Sucht. Er gab es aber zu, süchtig war er, aber na und? Er gab zu, dass er die Drogen nicht ausprobierte, sondern sie wegen ihrer Wirkung einfach nahm. Das machte seiner Meinung nach sowieso jeder, der Drogen nahm, weil das "Ich habs nur mal ausprobieren wollen" gab es nicht. Man wird neugierig, ja, aber dann nimmt man sie, weil man will, oder lässt es sein, aber, na und? Und dann sagte Frank nichts mehr, obwohl ihm Worte wie "Und was is wennst auffliegst?" oder wie "Was is, wenn dich die Bullen haben?" auf der Zunge lagen, aber er behielt sie für sich, denn mit solchen Worten half man niemanden außer dem Staat und der, so sagte Klaus, half niemanden, nur sich selbst. Vom Staat bekam man nichts zurück, das einzige, für das er gut ist, sind die Songs, die man über ihn schreiben konnte. Scheiß Staat. Scheiß System. Scheiß Eltern. Alles war Scheiße und die Welt war schlecht.
Das nächste Konzert war wieder ausverkauft und als die Band wieder auf der Bühne stand und man den Lärm noch kilometerweit hören konnte, da verzog sich Klaus still und heimlich in die Innenstadt.
"Wo gehst hin?"
"Was besorgen" Dann war er gegangen und hatte sich Stoff besorgt, für viel Geld, das im Grunde gar nicht ihm gehörte, aber der Typ von der Technick würde nichts merken. Der merkte nie was, den kannte Klaus schon, der war dumm wie Stroh und bildete sich nur viel ein, genauso, wie der Kerl vom Management. Die waren alle nur auf Geld aus und weil sie so viel hatten, würde ihnen das bisschen Geklautes auch nicht abgehen.
Später saß er dann wieder im Zimmer und drückte die Nadel in seine Vene, so wie immer. Alleine, aber das nur anfänglich, denn als er dann mit verheulten Augen, den Kopf in den Händen, die Füße schlaff über dem Boden hatte und in gebückter Haltung auf dem Bett saß, da spürte er ein Gewicht neben sich, das das Bett nach unten drückte, dann einen Arm um seine Schultern, der ihn zu einem warmen Körper zog. Klaus legte seinen Kopf auf die Schulter des warmen Körpers und fühlte sofort ein Kinn auf seinem Kopf und hörte stille und ruhige Worte. Die Hand auf seinem Arm war locker und doch so fest und sicher und die Wärme, die dieser Körper ausstrahlte, war für Klaus so wohltuend, wie etwas, das er schon lange nicht mehr gespürt hatte.
Am nächsten Morgen wurde weitergefahren, in die nächste Stadt, zum nächsten Konzert. Klaus interessierte sich gar nicht dafür, wohin es ging und wie lang die Fahrt dauern würde. Im Bus schlief er so gut wie immer und das über die ganze Fahrt hinweg, sonst kam er nicht viel dazu. Zu Mittag stand er dann im Zimmer einer neuen kleinen, billigen Absteige, das er sich wieder mit Frank teilte. Sie fragten einander nicht einmal mehr, ob der eine nicht Lust hätte, sich mit dem anderen ein Zimmer zu teilen, es stand auf unsichtbaren Blättern, mit unbegreiflicher Tinte geschrieben. Klaus schaute aus dem offenen Fenster hinaus und blickte auf den mit einer Plane abgedeckten Pool. Ein paar Eisplatten lagen auf der bläulichen Plane und drückten sie etwas durch. Die Platten war zerbrochen, manche zu kleinen Stückchen, aber ein paar größere waren geblieben.
Frank saß auf dem Bett, hatte das Kinn in seine Hände gelegt und betrachtete den Rücken seines Gegenübers. Still, schweigend, einfach nur schauen und fühlen, die Stille fühlen. Nach einiger Zeit fuhr er sich mit der Hand durch die Haare, stand auf und ging aus dem Zimmer, hinaus, um eine zu rauchen.
In der Schweiz gab es viel Schnee, genauso viel wie Geld.
"Woher hast'n die Scheine?"
"Von wo her"dann steckte er wieder das Geld in seine Hosentasche, holte ein Päckchen heraus, öffnete es und hielt es Frank hin.
Sie saßen im Park der Stadt. Überall lag noch das kalte Weiß auf dem Boden und Bäumen. Das letzte Mal, als Klaus hier in der Schweiz gewesen war, da hatte es geregnet und er hatte die Nächte in den Häuschen auf Haltestellen für Busse verbracht. Es war kalt und feucht gewesen, sodass er sich dann eine Erkältung zugezogen hatte, aber das hatte ihm damals nicht viel ausgemacht, nur geärgert hatte es ihn. Er wurde normalerweise nicht krank, nur ganz selten. Jetzt war es schon dunkel, wahrscheinlich würde bald schon die Sonne aufgehen und es Morgen werden.
"Willst eine?" fragte Klaus und hielt immernoch das Päckchen unter Franks Nase, aber dieser schüttelte nur seinen Kopf und zog nocheinmal an seiner Kippe und Klaus begann dreckig zu lachen.
"Hab ich mir schon gedacht" Dann steckte er Zeigefinger und Daumen ins Päckchen, holte zwei grüne Tablette heraus und legte sie auf seine Unterlippe. Dann lehnte er sich an die Lehne der Parkbank zurück, steckte das Päckchen wieder in seine Hosentasche und schob dann mit seiner Zunge und der Unterlippe die Pillen in seinen Mund. Dann schloss er seine Augen und lutschte auf den Tabletten herum. Manchmal konnte man seine Zunge zwischen den Lippen hervorlugen sehen, oder, wie sich seine Augen unter den geschlossenen Liedern bewegten.
Die Wirkung war nicht groß, dachte sich Klaus. Er kannte die Pillen nicht, aber die waren eh alle gleich. Tabletten gaben nicht mehr viel her, dachte Klaus, und Heroin war sowieso zu teuer, besonders hier in der Schweiz, wo alles teuer war und jeder Geld hatte. Klaus klaute, wenn es sein musste, aber nicht zu viel und schon gar nicht zu wenig. Die hatten sowieso alle mehr Geld als er. Die alle, mit ihren schicken Autos, den riesigen Häusern, Frau, Kind und Hund. Die wussten nicht, was es hieß auf Parkbänken zu übernachten, zu reisen, frei zu sein. Die waren alle an ihren Wohlstand gebunden, an's System, daran, das Geld nach Hause zu tragen, Frau, Kind und Hund schick anzuziehn und das nach Außen zu zeigen. Mit allem, was man hatte, aber drinnen, im Keller, schlugen sie Frau, Kind und Hund, weil sie alle unzufrieden waren und nicht mehr rauskamen, aus dem Scheißkreislauf, der sich immer und immer weiter drehte, aber ohne ihn. Ohne Klaus, weil Klaus noch bevor es bei ihm hatte anfangen können ausgestiegen war, weggezogen war, reiste und frei war.
"Bist mal in Köln gewesen?" fragte Klaus dann und Frank schüttelte nur seinen Kopf und rieb die Kippe an der Seite der Parkbank aus und ließ sie dann auf den Boden fallen.
"Köln bei Karneval is herrlich. Sag ich dir. Da geht's zu. Alle besaufen sich, Drogen kriegt man überall, aber den Stoff kriegst sonst auch überall. Besonders in Köln. Besonders da, wo sich die ganzen Schwulen treffen, an den öffentlichen Klos. Die stehn rum und quatschen dich an. Hast Lust? und Bei mir kriegst's besser besorgt, als bei dem da drüben. Die sind alle selber abhängig und geh'n aufn Strich, um sich das Scheißzeug zu kaufen und wenn sie dann ohne Kohle zu ihren Zuhältern gehen, kriegn sie Prügel. Weil sie nicht gevögelt haben. Alles dasselbe. Sagen alle Außen hui und innen pfui. Oder so. Sagen alle Mir macht das Huresein Spaß. Da kriegst Kohle. Schicke Klamotten, Stoff, Alk und Sex so viel du willst! Mit der Kohle sollten sie sich aber Puder besorgen. Die Schläge von ihren Zuhältern überwischen. Und die von ihren Alten, die sie immer im Keller in ihrem Villenhaus verprügelt haben, weil sie sich vor Mama gestellt haben. Oder weil sie in ihren Zimmern zu laute Musik gehört haben. Oder weil die Noten beschissen waren. Oder weil die Schule was gemeldet hatte, dass man Drogen vertickt. Oder so'n Scheiß... Weißt was ich meine?" dann gab er Frank einen groben Stoß an den Arm, ohne ihn anzusehen und Frank murrte nur ein "Ja..."
"Die machen sich alle außen hübsch. Für die Kirche, den Chef, den Lehrer und dann, zu Hause, verprügeln sie alle. Weil in der Arbeit sie die Kleinen sind. Weil die Kirche sie mit ihrer Konservativität an der kurzen Leine hält. Oder weil ihr alter Lehrer sie vergewaltigt hat. Die sind alle gleich und geh'n dann am Ende auf den Strich. Oder schicken ihre Kinder anschaffen, weil sie selber von Sozialhilfe leben. Oder Harz IV, wie's bei den Deutschen heißt. Die sind auch nich besser. Warst du schon mal in München?"
"Ja, mal kurz vorbei gefahren" antwortete Frank und steckte sich noch eine Kippe zwischen die Lippen.
"In München sind sie auch alle gleich, wie in Köln. Vielleicht nicht ganz gleich, weil die reden ja alle anders in dem Land. Aber's is auch so wie Köln. Oder Berlin. Gehen auch alle anschaffen. Scheiß Hurenleben. Bist mal anschaffen gegangen?" fragte Klaus und rutschte dabei etwas an der Parkbank hinunter. Er schaute gerade aus und stellte Fragen, ohne Frank anzuschauen und Frank blinzelte und wunderte sich.
"Nee. Nie. Du schon?"
Aber Klaus nickte nur müde, so langsam, dass man glaubte, dass er seinen Kopf gar nicht bewegte und Frank zog seine Augenbrauen zusammen.
"Einmal. Dann nie wieder. Ich bin ne Drogenhure. Ich geh jetzt klau'n für Drogen. Ich spiel Konzerte für die Scheißdrogen. Ich nimm billige Jobs an für den Stoff. Ich wollt nie da rein. Echt nie. Ich wollt nur weg und habs dann doch gemacht. Wie'n kleines Kind. Weil sie so bunt sind und weil ich frei sein wollte. Den ganzen Scheiß. Am Anfang bist auch frei. Freier als frei. Glaubst du fliegst und landest dann hart auf der Schnauze. Mit Blut und dem ganzen Scheiß. Stichst Typen ab, um an die Kohle ranzubekommen. Ich hab niemanden abgestochen. Echt nich. Aber ich kenn einen, der hat ne Hure abgestochen. Die is grad aus'm Auto ausgestiegen und hat sich ihr Geld eingesteckt. Der is auf sie zugelatscht und hat sie abgestochen und ihre Kohle geklaut. Und keiner hat was gemacht. Weil die Leute lieber zuschau'n, als was machen. Die sind alle gleich. Alle mediengeil. Wollen der Erste der Ersten sein und ganz vorn in der ersten Reihe stehn. Ich war auch mal in der ersten Reihe, aber bei nem Konzert. Aber da erste Reihe sein, is echt geil, aber sonst erste Reihe sein is Scheiße. Weil du dann voll auf Kommerz bist und bei den Scheißnazis die Schnauze hälts. Wenn jemand Juden ins KZ! oder so'n Scheiß schreit, dann schaun sie weg. Alle gleich. Alle Feiglinge und vorn heraus im Anzug, mit Krawatte und schicker Karre. Alle die gleichen und keiner anders. Und wenn du dann in der U-Bahn sitzt und Musik machst für das bisschen Kohle, dann wirst blöd angeschaut. Als würd ihr Job so viel besser sein. Und dann ham die nich mal'n Fünfer für dich, oder weniger. Die machen dann alle auf Knauser. Aber zu Weihnachten spenden, wie die Irren. Oder wenn' Unglück is. Weltkatastrophe. Da sind sie immer ganz erste Reihe. Schweine..."
Dann war Klaus wieder still, steckte seine Fäuste in die Jackentaschen und schaute stur und als wäre er wegen der ganzen Welt beleidigt vor sich hin.
"Alles Arschlöcher. Glauben sie sind alle so super und toll und lassen sonst jeden links liegen. Sind alle gleich. Alle Schweine. Scheißsystem"
Frank wusste nicht, wer sonst jeder war, aber er hatte so das Gefühl, dass er sonst jeden kannte. Flüchtig, nicht wirklich, weil Klaus sagte, dass man nie jemanden wirklich ganz kannte. Weil Menschen oft nicht viel von sich preisgaben und nur so tun, als ob. Aber Frank dachte zu glauben, dass er sonst jeden kannte. Er drückte seine Kippe wieder aus und ließ sie zur anderen auf den Boden fallen. Dann rutschte er zu Klaus und legte seinen Arm auf die Rücklehne der Parkbank und mit dem Ärmel seiner Jacke berührte er leicht Klaus Nacken und mit seinem Knie sein Bein. Nicht viel, aber doch und Klaus bemerkte es, sagte aber nichts. Sollte Frank doch, wenn er wollte.
Die Zimmer in der neuen Absteige waren nicht besonders groß und nicht besonders hübsch. Billig eben, aber für Roadies gerade genug. Wen es störte, konnte ja saufen gehen, um vier Uhr in der Früh und das mit dem Rest der Partie, oder sich bei den Stars, den Musikern beschweren, zu denen in ihr Viersternehotel latschen und denen sagen, dass sie alles ankotzte und, dass der Scheißduschkopf tropfte. Aber das Schlimmste, wie Klaus fand, war, dass an den Fenstern vorbei ein heftige Luftzog bließ, aber das tat es immer, wenn man nicht zu Hause schlief. Egal wo man war, zu Hause war das Bett, das Zimmer, die Küche, alles einfach viel besser und perfekt, wo anders dagegen zog es, wie auf einem Bauernhof. Klaus hatte einmal auf einem Bauernhof übernachtet, nur ganz kurz, für ein, zwei Tage. Er war ja auf der Durchreise gewesen und es war Herbst gewesen und er hatte einmal auf dem Feld ausgeholfen. Aber in seinem Zimmer hatte es in der Nacht gezogen, wie in einem dieser deutschen Züge, bei denen die Polsterung der Sitzte immer vollkommen durchgesessen war, sodass man fast schon einen halben Meter tiefer sitzt, als sonst und nach einer fünfstundenlangen Fahrt nicht mehr aufstehen konnte. Bei solchen Zügen waren die Schaffner am Morgen noch müde, zu Mittag dann gut gelaunt und am Abend und besonders in der Nacht bissig, genervt und ließen ihre Wut am Liebsten an kleinen Punks mit bunten Haaren, zerschlissenen Hosen, die sie in ihre Stiefel stecken und mit alten, zerlumpten Jacken aus. Aber die Qualität solcher Züge war sowieso nie wirklich besonders gut. Von wegen deutsche Facharbeit, deutsche Wertarbeit. Das hatte alles Rang und Namen, aber keine Qualität.
Klaus hatte das Bett am Fenster und Frank das an der Tür, aber das bereute Klaus schon. Es zog, es war kalt und er fror. Seine Zähne klapperten und sein Körper zitterte und Frank störte das gewaltig. Es war schon früh am Morgen und doch, oder gerade weil sie erst gegen Mittag weiterfahren würden, wollte Frank schlafen, also murrte er ein "Halt die Klappe und komm her. Ich meins ernst. Ich will schlafen. Also komm her" und Klaus erwiderte nichts, weil er immer noch halbwegs drauf war, sondern schob sich aus dem Bett, bewältigte die kleine Strecke zwischen ihnen im Dunkeln und als er dann ein Rascheln hörte, da setzte er sich auf den Rand von Franks Bett. Er spürte, wie die Bettdecke hochgezogen wurde, wie der Stoff seinen Rücken streifte und wie er sein Rippenunterhemd etwas mit sich zog. Klaus schob seine Beine aufs Bett und als er sich hinlegte, da spürte er, wie die Decke über seine Schultern und den Rest seines Körpers gelegt wurde, einen Arm, der sich über seine Brust legte und Finger, die sich an seinem Arm sanft festhielten. Frank kuschelte sich an Klaus Rücken und versuchten ihm mit seiner Körperwärme die Kälte zu entziehen und Klaus fühlte einen fremden Herzschlag durch seinen Körper klopfen und dazu noch dieses sichere Gefühl gehalten zu werden. Er fühlte einen warmen Atem an seinem Nacken, der über seine Schultern strich und seine Wange streichelte und als er sich an Franks Brust drückte und sich ihre Füße berührten, da spürte er Franks Lippen an seinem Nacken. Sie schreckten aber sofort zurück und dann, als Klaus seine Augen schloss, da war das Paar Lippen wieder an seinem Nacken, anfänglich nur als Berührungen und immer von dem warmen Atem begleitet, später aber dann Küsse und weil Klaus nicht zurückschreckte, sondern anfing mit seinen Zehen an Franks Bein zu streichen ließen sie dem ganzen seinen freien Lauf.
Klaus rollte sich auf seinen Rücken, hatte Frank über sich und bevor sie sich versahen, waren ihre Oberkörper frei von Kleidern und die Hosen aufgeknöpft. Sie küssten sich, anfänglich noch grob, fast schon schmerzhaft, dann aber zart und als die Gier dann Überhand gewann, zog Frank Klaus auf alle viere, schob seine Hose zu seinen Knien und drang, mit etwas Spucke und Klitsch, in ihn ein, sodass beide nach einiger Zeit heiß und mit gedrückten Schreien kamen. Frank schob sich von dem nach Luft ringenden Körper unter sich und beide schliefen sofort ein.
Als Frank am Morgen aufwachte, hatte er seinen Arm um Klaus Brust gelegt und als er ihn wegnehmen wollte, wurde er daran gehindert. Klaus, dessen Hosen unter den Kniekehlen hingen, hielt Franks Arm an seine Brust gedrückt. Frank murrte ein "Hey" und als Klaus dann langsam aufwachte, befreite er sich aus der halben Umarmung. Dann deckte er ihn mit der Bettdecke zu. Niemand brauchte das sehen.
Sie sprachen nicht über die letzten Nacht. Es war nun einmal passiert, das hieß noch gar nichts, sagte Frank und Klaus war das sowieso alles scheißegal, was andere konservative Kerle von ihm hielten. Die ganze Fahrt über zum nächsten Konzert redeten sie über belanglose Sachen, keiner interessierte sich sowieso für sie, solange sie ihre Arbeit machten, war alles gut und richtig. Und als sie dann alleine waren, im Zimmer der neuen Absteige, machten sie es wieder. Frank drückte Klaus gegen die Wand, küsste ihn hart auf den Mund und krallte sich mit seinen Fingern in die buntgefärbten Haare und so ging das die folgenden Tage, aber reden taten sie darüber nicht viel.
"Mir is es scheißegal, was andere davon halten. Sind sowieso alles nur Schweine" "Das geht nur uns was an, sonst kein'" dann war die Sache gegessen.
Am Abend noch vor dem ersten Konzert in Bayern, stand Klaus am Fenster. Der Rahmen war weiß gestrichen, die Gläser waren gekippt und halbwegs sauber, wenn man einmal von der toten Motte ganz oben, im rechten Eck, absah. Er schaute hinaus, hatte die Hände in seine Hosentaschen vergraben und summte ein Lied vor sich hin. Es drang als ein Brummen in die Freiheit und füllte den stillen Raum, dann vermischte sich die Melodie mit einem Schlurfen und Frank legte seine Arme um Klaus Brust, spürte seinen Herzschlag in seinem eigenen Körper klopfen und hielt den Punk so fest an sich gedrückt. Er legte sein Kinn auf Klaus Schulter und folgte seinem Blick hinaus aus dem Fenster, über die Landschaft. Berge, deren Spitzen mit Schnee bedeckt waren. Wälder deren Baumrinden schwarz oder weiß und deren Böden vom kalten Weiß überzogen waren. Es sah fast so aus wie in Tirol, oder an der Grenze zu Salzburg und doch hatte es Unterschiede. Kleine Zeichen und Gefühle, die Österreich doch nicht nahekamen. Klaus lehnte sich in die Umarmung, spürte Franks Wange an seiner, das Heben und Senken seiner Brust beim Atmen gegen seinen Rücken und dieses sichere Gefühl von Beständigkeit und Schutz. Sie wussten nicht, wie lange sie so geblieben waren, aber als Klaus dann ein paar Roadies sah, wie sie zum Bus gingen, das Equipment prüften und jemanden reinschickten, da wusste er, dass es Zeit war. Ausräumen, aufbauen, warten, aufräumen und abbauen. So wie immer. Alles dasselbe.
Am nächsten Tag hatten sie frei. Day off, wie es auf English hieß. Die gesamte Crew ging was essen, danach was trinken und das schon zu Mittag und sogar mit den Musikern und weil es ein öffentliches Restaurant war, gaben sich die Stars ganz human, menschlich, als würden sie sich wirklich dafür interessieren, wie es den Roadies ging. Klaus hielt seine Klappe, gab sich still und friedlich und versuchte die ruhigen Blicke, die Frank ihn zuwarf einfach zu ignorieren. Am Abend setzten sie sich in einer Kneipe zusammen. Die Crew, die Stars und ein paar Fans. Alle betranken sich und Frank und Klaus waren da keine Ausnahme. Mal nicht auf Drogen sein, einfach besoffen sein. Egal wie, hauptsache frei sein. Frank schob Klaus aus dem Lokal, hinaus, auf dem Hinterhof, krallte seine Finger fest an seinem Shirt mit den Anarchiesymbolen darauf, und zog es mit einem verrückten Lachen aus seiner Hose. Klaus rief nur, viel zu laut, lachte dabei und schob Frank von sich. Mit wenig Erfolg. Sie landeten irgendwo an einer Hauswand, halb lachend, halb küssend. Hart, schmerzhaft, gierig und betrunken.
Als sie wieder zurück zur Absteige gingen, Frank sich davor noch übergeben hatte müssen und etwas schwankend durch die Tür stolperten, wurde Klaus sofort von einem aus der Crew angeschrien, zur Sau gemacht. Er hätte ihm die Kohle geklaut, seine ganze Kohle, die zwei Hunderter waren weg und der dreckige Punk war's gewesen, kein Zweifel, es konnte nur er sein.
"Ich bin's nich gewesen!" schrie Klaus und statt abzuhauen stolperte er nach vorne und pöbelte den größeren Kerl an. Die seien alles Arschlöcher, immer auf die Kleine, immer auf die Armen. Frank zog Klaus dann von ihm weg, genauso, wie ein anderer der Crew, der dasselbe mit dem größeren Kerl machte. Einfach auseinandern, aber Klaus schrie weiter und giftete ihn an. Er hätte die Kohle versoffen, bei der Lokalrunde und bei der nächsten Lokalrunde und bei der darauf auch. Klaus sei aber nur ein dummer Junkie, Süchtler, dem man sowieso nichts glaubte.
"Beruhig dich Michi..."
"Ich soll mich beruhigen? Der Kleine hat meine Kohle! Die will ich wieder haben!"
"Die hast versoffen. Jetzt komm..."
"Arsch! Schleich dich! Feigling!" dann schob sich Klaus aus Franks Griff und fluchte vor sich hin.
Die Beiden setzten sich in eine dunkle Ecke, wo sie keiner stören würde, aber es interessierte sich sowieso keiner für sie, solange sie ihre Arbeit machten, war alles gut und richtig. Klaus nahm einen Schluck vom Bier und Frank schob sich eine Kippe zwischen die Lippen, zündete sie an und zog den dreckigen Aschenbecher zu sich heran. Dann murrte Klaus weiter vor sich hin und Frank fragte ihn dann, ob er das Geld nicht doch geklaut hatte.
"Die haben eh alle Geld. Und nachweisen können sie mir auch nichts" antwortete er trotzig und schaute blind in sein Bierglas.
"Die könntn dich anzeigen. 's is ja nich so, als würde man's dir nicht anseh'n" Frank lehnte sich weit über den Tisch und Klaus begann nervös mit seinem Fuß auf und ab zu wippen. War er einmal nicht auf Drogen und redete über persönliche Dinge, dann wurde er nervös und schaute nicht auf, sondern weg, Hauptsache nicht in die Augen blicken, da gab man nur zu viel von sich preis.
"Das is nich so arg. Man sieht nich so viel"
"Hast dich mal in' Spiegel angeschaut? Deine Augen. Die roten Ringe drunter. Hast das mal gesehen. Der Kerl könnt dich anzeigen und würd nich mal irgendwelche Pillen bei dir finden müssen. Mich wundert's eh, warum dich nicht schon längst jemand gemeldet hat" Jetzt wollte Frank reden, jetzt hatte es Sinn, jetzt war es wichtig.
"So lang's die nich betrifft, halten die ihre Klappen"
"Und das ganze Zeug das du erzählst, wenn du auf'n Trip bist. Stimmt das ganze überhaupt?"
"Weiß ich nich. Ich weiß nich, was ich mach, wenn ich drauf bin"
"Du könntest nen Entzug machen" aber Klaus lachte nur und schüttelte seinen Kopf "Der hat eh genug Kohle. Was will'n der noch?" er kaute auf der Kante seines Daumens herum, schmatze ein paar mal dabei und wippte mit seinem Fuß immer noch, vielleicht sogar etwas mehr.
"Du könntest echt nen Entzug machen"
"Ich hab nich Lust draufzugeh'n"
"Tust auch nicht. Wennst das machst, was dir die Ärzte sagen, dann stirbst auch nicht"
"Ich hab nich Lust eingesperrt zu werden"
"Wirst auch nicht. Wenn du freiwillig kommst, kannst freiwillig gehen. Da hindert dich keiner daran. Niemand. Kannst kommen und gehen, wann du willst. Ich würd aber bleiben. 's durchzieh'n"
"Was interessiert dich das eigentlich?" dann schaute Klaus auf, nur kurz und flüchtig, dann wieder ins Bierglas und Frank antwortete nur mit einem unvollständigen Satz und bekam ein dreckiges Lachen zurück.
"Ich hab mal 'nen Freund gehabt" begann Klaus "In Berlin. Is bei ner Razzia von den Scheißbullen draufgegangen. Scheißkerle. Sind gekommen und wollten uns alle. Ich war nich lang bei der Gruppe, wollt auch nich bleiben. Die sind aber gekommen und wir sind abgehaun und ihn hats dann von 'ner Mauer runtergehaun. Keine Ahnung ob er tot is, oder nich. Wahrscheinlich schon. Ich bin dann nach weiter. Weiß nich mehr wohin" dann nahm er wieder einen Schluck von seinem Bier, stand auf und ließ Frank und das halbvolle Glas zurück.
"Wo gehst hin?"
"Rauf"
"Bist mal in Amerika gewesen?" Klaus lag auf dem Bett, ein Tropfen Blut rann an seinem Unterarm entlang, seine Pupillen waren klein und eng und sein Mund trocken.
"Bist mal in Amerika gewesen?" fragte er nochmal. Seine Stimme war wieder ruhig und Frank antwortete mit einem "Nein" er stand am Fenster, die Fäuste in seine Hosentaschen gesteckt und schaute hinaus. Dann folgte Stille und als Frank schon etwas Angst hatte, dass mit Klaus etwas nicht stimmte, da drehte er sich um und schaute ihn kurz an. Stille. "Du schon?" und als hätte Klaus darauf gewartet begann er zu erzählen.
"Ja. Einmal. Ganz kurz. Für'n paar Tage. War geil gewesen. Noch geiler als Berlin und Köln zusammen. Die Typen da drüben sind gar nich mal so anders, als unsre hier. Auch alle mediengeil, alle erste Reihe, außen hui und innen pfui. Huren sich alle druchs Leben und schlagen Frau, Kind und Hund zu Hause..." "Woher hast's 's Geld dafür gehabt?" fragte Frank und Klaus hob nur schlaff einen Arm, ließ ihn wieder fallen und sagte "Von woher"
"Bei denen schlagen sogar die Priester, wenn'st vor der Kirche sitzt und eine rauchst. Bei denen schlagen alle, dass is der einzige Unerschied. Und, dass du Geld für alles kriegst. Verklagst einen auf Sechsmillionen und kriegst davon dann mehr als die Hälfte. Da kannst du jeden verklagen, egal wegen was. Weil er dir nachgelaufen is. Weil er sich vor seiner Schwester einen runtergeholt hat. Weil er die gleichen Ideen wie jemand anders schon davor hatte, oder weil er die gleichen Klamotten hat, wie jemand anders. Alles. Wegen allem und jeden. Die haben echt Kohle. Scheißkerl. Der würd sich da nich aufregen, weil ihm jemand 'n paar Hunderter geklaut hat. Hunderter sind bei denen nichts. Gar nichts. Da bist nicht mal Mittelschicht mit 'n paar Hundertern. Aber da drüben, ham alle Kohle. Zumindest die Reichen. Die Armen nich. Die leben unter Dächern, oder unter gar nichts und kratzen dann alle ab. Oder werden abgestochen, weil sie an'n bisschen Kohle rangekommen sind. Sind alle gleich wie hier. Und jeder nimmt Drogen. Jeder. Und jeder vögelt mit jedem. Jeder. Alles gleich. Gleich wie hier. Weißt du was ich mein?"
Und Frank antwortete, weil er die Stille schon gar nicht mehr aushalten konnte. Weil sie ihm Angst machte, dass etwas nicht stimmte. Als würde sonst alles stimmen.
"Amerika. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und gerade da sind alle so begrenzt. Denken nich klar sondern lassen sich vom Scheißgeld begrenzen. Besonders die Scheißbullen. Die sind da gleich wie die früher in Berlin. Bist da Punk, bist Untereschicht. Bist anders, als der Otto-Normal-Verbraucher, dann bist untere Schicht. Da bist du Schuld, wenn was is. Wenn du zusammengeschlagen wirst, dann glaubt dir keiner, weil du sowieso Schuld hast. Genau wie hier. Da bist du auch immer schuld wegen alles und jedem. Weil bei dem mal'n bisschen Kohle fehlt, bist du Schuld. Und weil deine Schwester heult bist du Schuld. Und weil du Drogen vertickst bist du Schuld. Die interessierts gar nicht, warum du das machst. Du bist einfach Schuld. Egal warum.
Warst mal zu Hause?"
Frank schaute Klaus wieder an "Wie? Zu Hause?"
"Na, eben zu Hause. Bei Mama und Papa. Bei Schwester und Hund. Bei Haus und Hof. Zu Hause eben. Warst da mal? Wennst da hinkommst, dann lauf. Egal was. Lauf. Renn. Egal wie. Hauptsache weg. Weil die da alle noch konservativer, noch begrenzter und noch mehr erste Reihe sind als wo anders. Weil die außen echt alle nur schön und gut machen und drinnen dich dann verprügeln. Nich die Schwester, weil die sowieso immer alles richtig macht. Und auch nich Mama, weil die eh schon gestorbn is. Aber dich. Weil du übrig bleibst. Weil du an allem Schuld bist. Weil sie heult, aber selber heulen is nich. Das gewöhnst dir schnell ab. Selber heulen is out. Von selber heulen kriegst nichts. Du kriegst sonst auch nichts. Nichts kriegst geschenkt. Da brauchst gute Noten. Ne eins, mindestens ne zwei, darunter gibt's nichts. Damit'st Jurist wirst. Oder Bullenschwein. Ode sonst was mit viel Kohle. Außer zu Weihnachten und zu Geburtstag. Da machen sie dann wieder einen auf Generös und auf nicht Knauser. Da kriegst Dinge geschenkt und sonst nie. Sonst nie was. Und wennst abhaust und dann wieder kommst, dann sind se alle nett und lieb. Und wenn du dann bleibst, dann is alles wieder gleich. Alle wieder erste Reihe. Schauen lieber, als was machen"
Frank ging zum Bett und setzte sich neben Klaus hin. "So schlimm wird's schon nich sein" Er hatte es gut gemeint.
"So schlimm wird's schon nich sein. So schlimm als woanders is ja nie, aber doch schlimm. Schlimm genug. Schlimm genug, dass du Drogen nimmst und se nicht nur vertickst. Dass du klaust, weil der erste Trip immer gratis is, der zweite auch noch, wennst zu nem anderen gehst. Aber der nächste is dann nich mehr gratis und 's Heroin schon gar nich. Wennst mal Heroin hast und du dann noch was willst, dann kriegst nichts gratis, weil du 's siehst, ob jemand schon mal Heroin hatte. Oder das Mischzeugs. So schlimm is'. Viel zu schlimm" Klaus schob sich hoch und fiel vorn über. Die verschwitzte Stirn in seinen feuchten Händen, schluchzend und spuckend über Gott und die Welt. Alles war Scheiße. Die Welt war schlecht und Frank hatte ihn einen Kuss an die Schläfe gedrückt und ihn gehalten.
Und dann war die Tour vorbei. Aufräumen, einräumen, wieder zurückfahren. "Was machst jetzt?" hatte Frank gefragt und Klaus hatte nur mit den Schultern gezuckt. Wohinfahen. Jetzt hatte er wieder Geld. Nen Abstecher nach Berlin, oder nach Köln machen. Wohin, egal wohin, Hauptsache frei sein, weg von dem Scheiß. Und als Klaus fragte, was er machen würde, da sagte Frank, dass er Arbeit bräuchte, für die Kohle, für ein Tonstudio. Oder so. Sie nickten und Frank machte einen Vorschlag. Wenn Klaus in seiner Nähe wäre, dann sollte er kommen. Dann könnten sie zusammen Musik machen und wenn Frank dann ein kleines Tonstudio hatte, dann könnten sie ne Platte aufnehmen. Und Klaus hatte zugesagt, hatte genickt und gesagt, dass es klar ging, dass, wenn er mal in der Nähe wäre, sich melden würde, ihm davor nen Brief schreiben, oder ihn anrufen. Dann trennten sie sich, ohne Adresse oder Telefonnummer auszutauschen.
Fünf Jahre waren vergangen. Frank hatte sich mit jemanden zusammen getan und war jetzt Teilinhaber eines kleinen Tonstudios in Vorarlberg, wo er eine kleine Wohnung in Bregenz hatte. Ein Bandkollege hatte ihm gesagt, dass er einen Punk getroffen hatte, der nach ihm gefragt hatte. Er hatte ihm Franks Adresse gegeben und würde irgendwann nächste Woche bei ihm vorbeischauen. Der Punk sei ein schräger Vogel gewesen. Bunte Haare, zerschlissene Klamotten, wie aus dem Bilderbuch und jetzt war Frank nervös, nahm sich die ganze Woche frei, arbeitete trotzdem etwas zu Hause und wartete und als er dann ein Läuten an der Tür hörte, da öffnete er sie und starrte in die klaren braunen Augen, die ohne jegliche schwarzen und roten Ringe herum strahlten, die Augen, die er glaubte zu kennen. Sie fielen sich sofort in die Arme, hielten sich fest und als sie sich dann unsicher wieder anschauten, da zog Frank Klaus grob in seine Wohnung, warf die Tür hinter sich zu und küsste ihn hart auf dem Mund. Und Klaus machte mit, wehrte sich nicht sondern genoss dieses Gefühl. Wie früher. Wie damals. Nur sie zwei. Dann ließen sie wieder von einander ab, zum Atmen und schauten sich wieder an, dann schluckte Frank trocken und bat Klaus in die Küche.
Frank rauchte eine und bot Klaus eine an, dieser lehnte aber ab. Er hatte einen Entzug gemacht, man hatte ihm unzählige Male gezeigt, wie eine Raucherlunge ausschaute und das hielt ihn davon ab. Klaus hatte sich verändert, nicht wie Frank, der nur kürzere Haare hatte. Er sah nicht mehr so hundeelend aus, hatte eine gesunde Gesichtsfarbe, aber die Haare färbte er sich immer noch und die Klamotten waren die Selben geblieben. Dann erzählten sie, von dem, was sie gemacht haben und machten. Dass Klaus eigentlich nur auf der Durchreise war, dass er eine Wohnung in Berlin hatte, etwas sesshaft geworden war, in verschiedenen Bands spielte und schon ein paar Platten rausgebracht hatte und dass er damit gar nicht so schlecht lebte. Er war auf dem Weg nach Tirol, sein Vater war gestorben, in ein paar Tagen war das Begräbnis. Frank tat es leid, Klaus aber nicht, das sagte er ihm sofort. Klaus hatte einen eigenen Dialekt, ein Gemisch aus Österreichisch mit Berliner Akkzent, was als Kombination sich recht lustig anhörte, dachte Frank.
Auf einem Regal stand ein Foto, mit Frank und einer Frau darauf. "Deine Schwester?" hatte Klaus gefragt und Frank hatte gestockt. "Meine Freundin" Sie war brünett, sie schaute glücklich aus und küsste Frank auf die Wange.
"Wie lange seit ihr schon zusammen?" - "Drei Jahre" Stille. "Und dann machst du sowas" Klaus Stimme war fest und etwas verärgert.
"Fünf Jahre sind ne lange Zeit. Du kanns nicht von mir erwarten, dass ich..."
"Und dann machst du sowas"
"Fünf Jahre! Klaus. Ich hab nicht geglaubt, dass ich noch irgendwas von dir höre. Hattest du keine Beziehung. Danach?" aber Klaus schaute ihn nur verbittert an und sagte, dass er wichtigeres zu tun gehabt hätte, als sich mit Weibern zu vergnügen, dass er einen Entzug hinter sich hätte und während der Zeit als Letztes an Sex gedacht hatte. Dann stand er auf, verabschiedete sich und machte sich auf.
"Klaus, warte!" aber als Klaus nichts sagte, da rief Frank, dass er mit seiner Freundin Schlussgemacht hätte und dann hatte Klaus nur zurückgerufen, dass er ihm das nicht glaubte. Frank packte ihn an der Schulter, drehte ihn herum und küsste fest auf den Mund, aber diesesmal schreckte Klaus angeekelt zurück.
"Lass den Scheiß" - "Ich hab mit ihr Schlussgemacht. Das musst du mir glauben!" Aber Klaus fragte nur, warum dann noch das Bild da war und Frank log, dass er noch an ihr hing, dass aber alles aus und vorbei sei. Dass sie ihn nicht mehr liebte, weil sie jetzt einen anderen hatte. Sie schauten sich fest an und Klaus glaubte ihm. Sie küssten sich und arbeiteten sich Richtung Schlafzimmer.
Klaus ging ein paar Stunden später. Sie verabredeten sich für die kommende Woche, in Berlin. Frank würde ihn besuchen kommen, bei ihm übernachten, einen draufmachen, was auch immer. Aber nur sie zwei. So wie früher. Davor hatte Frank nicht mit seiner Freundin Schluss gemacht. Er konnte es nicht, er wollte sie nicht verletzten. Er sagte ihr immer, dass er Aufträge in Deuschland hatte und wenn Klaus einmal bei ihm war, dann musste er arbeiten, dann kam ein Musiker von woher und blieb dann meistens für eine halbe Woche. Aber nur Arbeiten, Musik machen, Aufnehmen, bei ihm zu Hause natürlich. Er wollte sie nicht verletzten, genausowenig, wie Klaus und ohne ihn, konnte er nicht leben. Frank fühlte sich elendig und dreckig.
Nach einer Woche fuhr Frank mit dem Zug nach Berlin, dann mit der U-Bahn nach Kreuzberg, dort wurde er von Klaus abgeholt. Sie küssten sich nicht, schauten sich nur nervös an. Wie kleine Kinder, die sich nicht auskannten, als wäre das ganze zwischen ihnen nie so weit gegangen, sondern beim Zuzwinkern geblieben. Sie gingen zu Klaus nach Hause und auf dem Weg dorthin, traf der Punk ein paar seiner Freunde, rief auf ihr Geschreie und Gegröle nur zurück. Es war Nacht, Punks saßen auf den Straßen, tranken Bier und bettelten und Leute latschten durch die Straßen. Klaus Wohnung war klein, eigentlich nichts Besonderes. "'s is nich leicht'n bisschen Jeld für ne anständige Wohnung zu kriegen" hatte Klaus gelacht.
Das Schlafzimmer roch nach Schweiß, nach Sperma und nach Zigarettengeruch. Frank durfte eine rauchen, Klaus wollte keine. Er rauchte nicht mehr, soff nur manchmal und von Drogen wollte er auch nichts mehr wissen. Manchmal hatte er Probleme damit. Dealer wussten wer er war, wo er war und was er machte. Er traf mindestens einen von denen täglich. In Berlin gab es viele Dealer, genauso viele, wie es Abhängige gab und die konnte man schon lange nicht mehr zählen, genausowenig, wie die Huren, die er jede Nacht auf den Gehsteigen sah, wie sie auf und ablatschten und dann abgestochen wurden, weil sie ein bisschen Kohle hatten.
Die beiden lagen nackt auf dem Bett und Klaus Finger wanderten geistesabwesend über Franks Bauch. "Du könntest zu mir ziehen" sagte Klaus und schaute dabei Frank von der Seite an, dieser bließ nur Rauchschwaden in die Luft "dann könnte es so wie früher sein. Immer. Nur wir zwei. Alleine. So wie damals auf der Tour"
Aber Frank schüttelte nur seinen Kopf und schaute ihn bedrückt an, nicht, weil er nicht wollte, aber weil er sich schlecht fühlte, lügen zu müssen "Das geht nicht. Das würd nicht funktionieren. Ich hab die Arbeit. Wenn Edgar's lässt, dann werd ich's Studio übernehmen" Er zog nocheinmal an seiner Kippe.
"Was is das dann? Das mit uns?" fragte Klaus leicht verbittert. Er hatte sich mehr vorgestellt und Frank seufzte nur, drückte seine Kippe am Karton seines Malboropäckchens aus und sagte, dass sie sich treffen könnten, so wie jetzt, dass sie es so belassen sollten, weil das doch auch ginge. Er log, dass er mit seiner Freundin schlussgemacht hatte, dass er versuchte sie zu vergessen und Klaus mochte er auch noch gerne, hatte das, was zwischen ihnen damals, vor fünf Jahren, auf der Tour passiert ist, festgehalten und wollte es nicht mehr los lassen. Hatte jahrelang darauf gebaut, alles während einer neuen Beziehung nicht vergessen können und jetzt, da er Klaus wieder hatte stand wieder so viel zwischen ihnen, eine genauso weite Strecke, wie lange sie sich nicht mehr gesehen hatten.
"Das geht aber auch nich"
"Wieso denn nicht? Es is ja jetzt auch gegangen" Dann drehte sich Frank auf seine Seite und strich Klaus mit seiner Hand über die Wange und sagte, dass er ja noch bis Übermorgen bleiben würde, dass alles feststand, mit Arbeit und Wohnung und dass er erst übermorgen wieder abreiste. Die Zeit sollten sie sich nicht mit Fragen um die Ohren schlagen, sondern so wie Früher. Und das machten sie auch.
Zwei Tage später reiste Frank ab, sagte, dass Klaus ihn besuchen kommen sollte, dass sie sich schreiben, oder anrufen müssten, ausmachen müssten, wann sie sich wieder treffen würden. Er wollte Klaus wieder treffen, schüttelte am U-Bahnplatz seine Hand, drückte sie fest, wie damals, als sie sich zum ersten Mal gesehen haben und wie damals, schaute Klaus dann weg, als sich ihre Hände losgelassen hatten und Frank legte ihm eine Hand auf die Schulter und lächelte ihn an und Klaus schaute auf und lächelte zurück. Müde aber doch, wie damals. Dann trennten sich ihre Wege wieder, bis vier Wochen vergingen und Klaus dann plötzlich vor Franks Tür stand. "Was machst du hier?" - "Auf der Durchreise" und als er dann in Franks Wohnung ging, als sie sich drinnen fest küssten, schob Frank ihn, ohne einen vollkommenen Satz über die Lippen zubringen, aufgeregt ins Schlafzimmer. Sie küssten sich, zogen sich aus und schliefen wieder miteinander. Frank oben, Klaus unten und der Schweiß dazwischen.
Klaus ging am Abend wieder, musste weiter mit seiner Band, war ja schließlich nur auf der Durchreise und als er dann aus der Tür hinausspaziert war, da rauchte Frank ein Päckchen Zigaretten, um den Geruch von Sex aus der Wohnung zu bekommen. Für ihn hing dieser Duft überall, an jedem Möbelstück und seine Freundin würde es merken, wenn sie morgen käme.
Sie trafen sich immer wieder, vereinbarten, wann wer wohin kam und anfänglich lief auch alles gut, bis Frank dann erschöpfter wurde und nächtelang nicht mehr schlafen konnte. Er hatte seiner Freundin nichts davon gesagt, sie merkte es nicht, dafür wollte er jetzt so gut wie keine Kippe mehr anrühren und Klaus merkte auch nichts. Klaus war blind vor Liebe, merkte nichts, als wäre er auf Drogen, vollkommen abgehoben, wenn er Frank sah, ihn küsste, oder in lediglich berührte. Aber dann geschah es, dann, als Franks Freundin plötzlich hereinkam, ihn überraschen wollte und das war ihr auch gelungen. Sie stand in der Schlafzimmertür, starrte auf die beiden Männer im Bett, dann hatte Frank sie bemerkt und sie angeschaut.
"Wer ist das?" - "Ich kann's dir erklären! Sophie, bitte! Warte!" Aber sie hatte nicht gewartet, sondern war aus der Tür hinaus gestürmt und ließ ihren Freund und Klaus zurück im Zimmer.
"Du hast nicht Schluss mit ihr gemacht" sagte Klaus und schaute Frank wütend an "Wie lange wolltest du das noch durchziehen? Und ich Arsch, ich merk nichts" Dann zog er sich an und Frank versuchte ihm zu erklären, dass er ihn liebte, dass er seine Freundin nicht verletzten wollte, weil sie dann geweint hätte. Es tat ihm leid, er fühlte sich schon schrecklich genug, aber Klaus schüttelte nur seinen Kopf , schrie zurück und schaute nicht auf und als Frank ihn dann an seinen Schultern packte, ihn dazu zwang, ihn anzuschauen, da schrie Klaus und schlug wild um sich. Dass war ihm alles scheißegal, Frank war ein Arsch, dass er ihm so etwas antat und über die ganze Zeit ihn nichts gesagt hatte. "Und dann machst du so was! Dann küsst du mich und schläfst mit mir! Arschloch! Ich lieb dich und du machst so was!" Dann schlug er ihn, mit Tränen in den Augen, in den Magen und Frank fiel nach hinten auf den Boden.
"Ich lieb dich doch auch! Ich lieb dich wirklich! Aber ich wollt ihr nicht wehtun!"
Aber da war Klaus schon aus der Wohnung. Frank zog sich nur schnell die Hosen an, machte sie nicht einmal ganz zu, sondern rannte die Stiegen hinunter, aber Klaus war weg. Aus seinem Leben. Vielleicht für immer.
Frank hatte einen Auftrag in Berlin bekommen, sollte eine Band produzieren. Jahre davor hatte seine Freundin mit ihm Schluss gemacht, aber er hätte es sowieso nicht mehr mit ihr aushalten können und war danach keine neue Beziehung eingegangen. Bei einem Morgenkaffee an einem Zeitungsstand, fielen seine Augen auf eine Überschrift einer Zeitung.
Schlagzeuger Klaus S. der deutsch-österreichichen Musikgruppe "Easy Daisy", der letzte Woche bewusstlos aufgefunden worden war, [Ursache ist eine Überdosis an Drogen und Alkohol] wird immer noch stationär behandelt. Die Ärzte sprechen von einer geringen Chance, dass der Musiker wieder aus dem Koma erwachen wird.
Franks Herz blieb stehen, so glaubte er, so fühlte es sich an. Wie ins Wasserspringen, wenn einem die Luft aus den Lungen gezogen wird und einem schwindelig wurde. Genauso fühlte er sich. Frank brach den Morgenkaffee ab, ließ ihn halbvoll stehen und liegen, fuhr ins nächste Krankenhaus und erkundigte sich, ob Klaus dort wäre und ob es überhaupt sein Klaus war, aber die schickten ihn nur weiter zum nächsten und dort wollten sie keine Angaben machen.
"Aber ich muss es wissen. Wir sind alte Freunde. Von Früher" Aber die Frau an der Rezeption schüttelte nur ihren Kopf und Frank war verzweifelt. Er seufzte und schob sich von der Theke, dann spürte er eine Hand auf seinem Arm. Er schaute über seine Schulter und sah eine junge Frau mit besorgtem Blick im Gesicht. Er kannte dieses Gesicht. Es erinnerte ihn an Klaus.
"Sie sind einer seiner alten Freunde?" - "Ja. Ich bin Frank" Die Frau nickte, erzählte, dass sie Klaus Schwester war, dass ihr Bruder viel von ihm erzählt hatte, wenn sie sich einmal getroffen hatten, was so gut, wie nie passiert war. Leider, wie sie sagte, weil sie Klaus gern hatte und die einzige, übrige Verwandte in seinem Leben war, aber Frank war ihm immer mehr Wert gewesen, das hatte sie ihm angesehen. Weil Klaus mit diesem Blick in den Augen über Frank geredet hatte, was dieser Frank machte, woher sie sich kannten, wie er ausschaute und das ganze. Frank wollte aber nur wissen, wie es Klaus ging, so unhöflich es auch war, Klaus war ihm wichtig. Sehr sogar. Aber Klaus Schwester hatte nicht viel Ahnung von dem, was mit ihrem Bruder in den letzten Tagen, Wochen und Monaten, Jahren los gewesen war. Drogen, wieder und Alkohol, wahrscheinlich, was Frank traurig machte, obwohl er es schon in der Zeitung gelesen hatte, aber jetzt, aus dem Mund eines anderen, ließ ihn nur noch elendiger fühlen. Es war seine Schuld. Alles. Das ganze. Er seufzte, wollte Klaus sehen und die Frau nickte, zögernd, aber doch und brachte ihn zu Klaus, sagte einer Stationsschwester, dass sie den Herren, wie einen Familienangehörigen behandeln sollten und ließ ihn dann alleine.
Klaus lag im Bett, angeschlossen an surrende und piepende Geräte, mit bleichem Gesicht, wie tot. Er hatte sich wieder verändert. Seine Haare waren irgendwie kurz geschnitten, einfacher, als früher, wahrscheinlich gegen seinen Willen, ohne, dass er es wusste und die Farben waren ausgebleicht, wahrscheinlich mal grün gewesen und rot, oder rosa, wahrscheinlich so, wie früher, als es nur sie zwei gewesen waren. Nur sie. Sonst keiner. Frank nahm sich einen Stuhl und zog ihn zum Bett, dann setzte er sich darauf und betrachtete Klaus für Minuten, vielleicht auch Stunden, er wusste es nicht. Nach einiger Zeit kam eine Krankenschwester, er musste gehen, konnte morgen wieder kommen und Frank nickte seufzend und ging. Sein letzter Blick galt Klaus, genauso, wie seine letzten Gedanken für den Tag, als er dann zu seinem Auftrag ging und auch später, als er in sein Hotelzimmer ging, da galt sein letzter Gedanke Klaus und seiner, ihrer, Vergangenheit und der Zeit, die sie nie gehabt hatten. Wegen Frank. Wegen ihm und seiner Angst Menschen wehtun zu müssen, sie zu verletzten und sie dann weinen zu sehen und jetzt war Klaus im Krankenhaus, im Koma, sicher wegen ihm. Bestimmt. Hundertprozentig. Anders konnte es auch gar nicht sein. Frank legte sich ins Bett und schlief unruhig.
Am nächsten Morgen kam er wieder, wurde wieder reingelassen, setzte sich ans Bett und betrachtete Klaus. Dieser rührte sich nicht, atmete ruhig, mehr nicht und Franks Herz sank tief in seine Beine hinein. Er legte seine Hand auf Klaus, wollte sie spüren, diese Wärme, dieses aufregende Gefühl von damals, aber es kam nicht. Nichts. Klaus Hand war kalt und gefühllos. Also zog Frank seine wieder zurück und legte sie in seinen Schoß. Gegen Mittag ging er dann wieder, arbeiten, der Auftrag mit der Band und am nächsten Morgen kam er dann wieder, setzte sich an Klaus Bett und schaute ihn wieder an, bis er ihn dann wieder berührte und wieder dasselbe Gefühl verspürte. Frank übernahm auch den nächsten Auftrag in Deutschland, Berlin. Er übernahm alle Aufträge in Deutschland, die normalerweise Edgar, sein Arbeitskollege, übernommen hatte, ließ sich in eine billige Absteige einquartieren, natürlich auf Kosten des Studios, aber das konnten sie sich leisten. Das haben sie sich schon früher leisten können und doch hatte Frank Schuldgefühle, wegen Klaus, wegen der Vergangenheit und der Zukunft, die sie nie hatten. Frank übernahm alle Aufträge, wegen Klaus. Weil er Klaus jeden Morgen, und wenn nicht Morgen, dann Mittag und Nachmittag, oder Abend, besuchte, weil er ihn sehen wollte, ihn spüren wollte. Er bekam aber nur immer wieder dasselbe kalte Gefühl, bis auf einen Tag, als Frank am Morgen wieder ins Krankenhaus fuhr, aber nicht in Klaus Zimmer gelassen wurde. Er war aufgewacht aus seinem Koma, Ärzte mussten sich zuerst um ihn kümmern, dann konnte er ihn sehen. Also wartete Frank nervös draußen, vor der Zimmertür, auf einem gepolstertem Stuhl. Ärzte gingen ein und aus, niemand wollte Frank hereinlassen, niemand wollte ihm etwas sagen, bis es dann Nachmittag wurde und Frank gehen musste. Arbeit. Aufträge. Am Abend kam er dann wieder, sie ließen ihn aber nicht hinein, weil er nicht zur Familie gehörte, weil Klaus Schwester schon auf den Weg war und bald kommen würde. Und als sie dann kam, musste Frank warten. Gesetzte, Verpflichtungen, was auch immer, Frank kümmerte sich nicht um Formalitäten. Er saß, wartete, bis es dann Nacht wurde, da schickten sie ihn nach Hause. Der Patient brauchte Ruhe, der Tag war anstrengend gewesen und Frank nahm es hin, es war seine Schuld, alles, also konnte er warten. Wenn es sein musste, für immer. Klaus Schwester wollte mit ihm einen Kaffee trinken gehen, reden, aber Frank wollte nicht. Er war müde, wollte nur zu Klaus und sonst zu niemandem, also fuhr er nach Hause, legte sich in sein Bett und schlief unsicher ein.
Am nächsten Morgen war Frank wieder im Krankenhaus. Er war einer der ersten, die überhaupt da waren und wurde wieder weggeschickt. Der Patient brauchte noch Ruhe, den ganzen Tag, nur Familienmitglieder durften ihn besuchen. Aber, als Frank am Tag danach wieder kam, wurde er sofort in Klaus Zimmer gelassen. Klaus ging es gut, sagten sie, er konnte sich an alles erinnern und würde wieder gesund werden. Frank freute sich, nahm den Stuhl und betrachtete sein Gegenüber. Er wollte ihn seinen Freund nennen, konnte es aber nicht. Frank wusste nicht, was er für Klaus noch war und je länger er darüber nachdachte, je stiller der Raum zu werden schien, desto unsicherer wurde er. Wahrscheinlich würde Klaus ihn gar nicht mehr sehen wollen, er wollte sich ja selbst nicht mehr sehen, aber Frank blieb sitzen, legte seine eigene Hand auf Klaus und dachte, etwas Wärme zu spüren, etwas Leben. Klaus atmete ruhig, war nicht mehr an die ganzen Geräte angeschlossen, sondern etwas freier. Frei sein war immer wichtig für ihn gewesen. Frank seufzte müde und als er dann eine Bewegung unter seiner Hand spürte und er dann aufschaute und Klaus Augen sich bewegten, sich öffneten und zuerst blind geradeaus schauten und dann auf Frank fielen, da spürte er sich wieder so, wie damals. Wie, als würde sein Herz stehen bleiben. Wie ins Wasserspringen, wenn einem die Luft aus den Lungen gezogen wird und einem schwindelig wurde. Genauso fühlte er sich.
Klaus schaute stumm, und erstaunt, aber gar nicht wütend oder verärgert, wie Frank befürchtet hatte. "Frank...?" flüsterte er heiser.
"Hey" sagte Frank nervös und schob sich auf dem Stuhl etwas herum und Klaus schaute ihn immer noch an. Gleich wie davor, mit demselben Ausdruck auf dem Gesicht, den weiten glänzenden Augen und immer noch stumm.
Frank räusperte sich unsicher und sagte dann "Dir geht's besser...?" Dann schluckte er und schaute in Klaus Augen zurück, unsicher, fragend, ob er gehen, oder bleiben sollte. Aber Klaus antwortete nicht, so fuhr Frank fort. Dass er von ihm in der Zeitung gelesen hatte, weil er einen Auftrag hier in Deutschland, in Berlin, bekommen hatte, dass er sich hier einquartiert hatte, um ihn besuchen zu können. Dass er jeden Tag gekommen war und seine Hand gehalten hatte. Dass sie ihn vorgestern nicht reinlassen wollten, weil die Ärzte sich um ihn kümmerten und, dass dann seine Schwester gekommen war und sie ihn in der Nacht weggeschickt hatten und dass sie ihn gestern auch nicht reingelassen hatten. Dann sagte Frank noch, dass sich seine Freundin, nach ihrem Streit, von ihm getrennt hatte. Sie waren nicht mehr zusammen, diesmal wirklich, aber er hätte auch nichts anderes verdient, fügte er leise hinzu. Danach schaute er auf von seinen Händen und in Klaus Gesicht und Klaus hatte sich aufgesetzt, räusperte sich jetzt, blickte dabei weg, drehte seinen Kopf und schaute dann wieder zurück in Franks Gesicht. Er seufzte unsicher, hob seinen Arm und fuhr sich mit den Fingern durch die kurzen Haare.
"Kannst du dich erinnern. Daran?" fragte Frank und nahm seine Augen nicht von Klaus und dieser nickte müde "Ja".
Seine Stimme war heißer, krächzte etwas. Ungebraucht. Eingerostet. Er räusperte sich wieder, hielt die Faust vor seinen Mund und hustete. Dann nickte er wieder und sagte "An alles". Er schaute Frank an, in die Augen und sagte "An Danach" und Frank seufzte und schluckte, sagte, dass es seine Schuld war, alles. Er nahm die Schuld auf sich, die sowieso schon auf seinen Schultern lastete. Er hatte unfair gespielt und verloren und gab es zu.
"'s tut mir leid. Echt. Ich wollt dich anrufen, dir schreiben. Ich konnt's aber nicht. Ich wollts echt. Ich mein, ich hab dich geliebt. Ich..." dann schüttelte er wieder seinen Kopf. Stille. Dann richtete sich Klaus nochmal auf, räusperte sich wieder und fragte, was Frank jetzt machte und Frank erzählte, von seiner Arbeit, von den Produktionen, den Bands, mit denen er gearbeitet hatte und als es dann Mittag geworden ist, dann schickten sie ihn fort. Der Patient brauchte Ruhe und Klaus bat ihn, wiederzukommen und Frank nickte.
Und Frank kam, tag täglich, mal am Vormittag, dann am Nachmittag und manchmal auch am Abend. So, wie es seine Arbeit zu ließ. Manchmal musste er wieder zurück nach Vorarlberg, Erledigungen machen, sich mit Leuten treffen, das Übliche. Und immer, wenn er wiederkam, um Klaus zu besuchen, entdeckte er Unterschiede. Eine gesündere Farbe im Gesicht, ein Lächeln auf den Lippen, eine lebensfroher Ton in der Stimme. Aber dann gab es Tage, da war Klaus nicht er selbst. Als wäre er wieder auf Drogen, aber mit dem einen Unterschied, dass er nicht reden wollte. Es war nicht, wie früher, als er, wenn er mal drauf gewesen war, redete und redete. Wie ein Wasserfall. In solchen depressiven Zeiten, wie sie jetzt manchmal herrschten, schien er erstummt zu sein. Dann saß Frank einfach neben ihm, betrachtete mit ihm die weißen Wände, oder schaute mit ihm aus dem Fenster.
Klaus machte einen Entzug. Wieder einmal. Sie schickten Frank eines Tages weg. Er sollte nicht wieder kommen, das wäre besser für Klaus, dann würde er es schaffen und Frank willigte ein. Ihm blieb auch nichts anderes übrig und wenn es Klaus helfen würde, dann war es auch in seinem eigenen Sinn. Aber schmerzen tat es ihn doch und wie. Er hatte sich an das Beisammensein wieder gewöhnt, er hatte sich an Klaus Gesicht, an seine Augen, einfach an seine Präsenz gewöhnt und ihn jetzt für eine ungewisse Zeit nicht zu sehen, brach ihm das Herz. Aber als er dann zum letzten Mal aus Klaus Zimmertür ging, da drehte er sich noch einmal, fast schon widerwillig um und betrachtete Klaus. Wie er ihn anschaute, irgendwie hilflos und mit einem Seufzen in der Stimme, aber dann kroch ein kleines, aufmunterndes Lächeln auf Franks Lippen und Klaus erwiderte es.
Klaus hatte freiwillig, von sich heraus, Frank die Schlüssel für seine Wohnung überlassen. Damit er nicht mehr in den Absteigen übernachten musste. Damit er nach seiner Post sehen konnte, die Blumen gießen, das Übliche eben und als dann ein halbes Jahr vergangen war und Klaus wegen schneller Besserung rausgelassen worden war, zog er wieder in seine alte, kleine Wohnung in Berlin, Kreuzberg ein. Und das mit Frank zusammen. Ein Heim für beide. Nur für sie alleine. Es war wie früher, fand Klaus. Als sie sich erst getroffen und dann kennen gelernt hatten. Genauso, nur sie beide und sonst keiner. Und bald schon, verhielten sie sich auch zueinander wieder so, wie früher. Gingen einen Saufen, schauten sich an und küssten sich, bis sie wieder im Bett, oder sonst wo, landeten.
Klaus war wieder in seine alte und in ein paar andere Bands eingestiegen. Er machte wieder Musik, schrieb eigene Songs und nahm Platten auf. Frank produzierte sie manchmal und manchmal spielten die beide zusammen irgendwelche Songs, die sie von früher kannten. Nur für sich, mit Schlagzeug und Gitarre, weil Frank sich mittlerweile auch dieses Instrument selbst beigebracht hatte. Später brachten sie zusammen eine kleine Platte heraus, die sich zwar nicht reichlich verkaufte, aber das machte ihnen nichts aus. Weil sie sie ja eigentlich nur für sich aufgenommen hatten. Als Spaß. So wie früher. Nur sie alleine ohne irgendjemanden sonst.

Eingereicht am 08. Februar 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.


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