Kurzgeschichten
Kurzgeschichte Geschichten Literatur Erzählung Novelle Belletristik
eBook-Tipp
Kurzgeschichten - Geschichten - Erzählungen
Karin Reddemann: Rosen für Max
Karin Reddemann
Rosen für Max
eBook Amazon Kindle Edition
bei Amazon downloaden
Karin Reddemann: Toter Besuch
Karin Reddemann
Toter Besuch
Gruselgeschichten
eBook Amazon Kindle Edition
0,99 Euro
bei Amazon downloaden
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigungen jeglicher Art nur mit Zustimmung der Rechteinhaber.

Schreibblockade

© Hermann Stikum


Eigentlich wollte ich heute meine Aufzeichnungen über die letzte Reise vervollständigen. Doch es will keine rechte Lust aufkommen, genauer gesagt will gar keine Lust aufkommen. So viele Erlebnisse, so viele Worte, doch es gelingt nicht, überhaupt was zu Papier zu bringen. Scheiß drauf, ich erstehe im Supermarkt eine Flasche Schnaps und gebe mir, daheim angekommen, erst mal drei schnelle Einstiegsgläser.

Es wird nicht besser, in meinem Kopf tanzen nackte, handybewaffnete Teeny-Votzen, der Kandesbunzler und giftgrüne Zwerge mit Riesenschwänzen. Wie soll denn daraus eine Geschichte werden, soll ich den Bundeskanzler die grünen Zwerge ficken lassen oder umgekehrt? Und wie passen die Teeny-Votzen da rein? Am liebsten würde ich die Zwerge den Kanzler in den Arsch ficken lassen und die Teeny-Votzen singen dabei einen Song von Modern Talking derweil sie sich das Handy in die spärlich behaarten Mösen schieben. Ob die Scheiße jemand lesen will?

Ich lege zur Förderung meiner Schreibbemühung verschiedene flache Platten mit Schall drauf auf (ja, Opa hört noch Schallplatten), aber, verfluchte Nuttenpisse, mal ist' s zu schnulzig und mal zu hart. Die Musik trifft nicht meine Stimmung, ich werfe das Schnapsglas an die Wand, Spling! Hörte sich schon besser an!

Nun muss ich die Schnapsbrühe aus einer Tasse saufen, das Behältnis ist so klein, dass ich dauernd nachschenken muss, is' doch beschissen! Was soll ich machen? Ich glotze mir ein Pornoheft an, Diddel-dili, wupwump..."All along the Watchtower" klingt gerade aus... ich schenke wieder Schnaps nach. Geschrieben habe ich nichts, außer diesem Gewichs... Mir scheißegal, ich sülze einfach weiter, ich will ne' Katze pimpern, wenn nich' doch noch ne' interessante Story draus wird (! ?). oder doch nich'? wohl eher nich'...

Da! Ein Zipfel Reise taucht in meinem Kopf auf, doch Scheiße! Plötzlich entsteht in meinem Kopf ein Pornofilm, drei fette junge Weiber liegen mit offener Möse auf dem Boden, etwas abseits stehen drei Stecher. Wird wohl nix mit Aufzeichnungen! Vor den Mösen ist für die Kerle jeweils ein Startpodest aufgebaut, wie bei Sportveranstaltungen. Ein einarmiger Zwerg steht da, mit einer Schreckschusspistole, er schreit: "Auf die Votzen, fertig, los..."! Dann er gibt er einen Schuss ab. Die Rammler stürzen sich auf die fetten Fickliesen und hobeln wie die Irren. Da sie nur langweilig weiterstöpseln, bringe ich den Gedanken zu Tode. Bei der Pisse der heiligen Jungfrau, mir fällt nichts ein!

Woher nur soll was kommen, Schnaps und noch mehr Schnaps ... Saufen, eine Achterbahn, die jedes Mal Teile des Körpers zerstört, aber nur in einer harten Kurve oder im freien Fall kann etwas Ausdruck abfallen...der imaginäre Wagen wird heraufgezogen, beim Aufzug das Jahr 1995 und beim freien Fall das Jahr 1985...

Da ist Oma, Oma, damals im Krankenhaus, unvergesslich die unfreiwillige Komik meiner Mutter, als ich am Wochenende von Frankfurt zu Besuch kam, fand ich einen Zettel vor: "Oma im Koma"...wir eilten ins Krankenhaus und fanden nur noch einen toten Körper vor...

... ich schenke Schnaps nach, schütte ab, der Wagen wird wieder emporgezogen, die Wirkung tritt ein...Fall!

... da, Onkel Helmut, Alkoholiker, vor dem Ende lief ihm das Blut aus dem Arschloch und er kotzte seine Leber stückeweise aus. Dort, Tante Erika, sie erhängte sich an einem Sonntagmorgen in Hamburg, und hier der kleine Hermann, der sich ungefähr zur selben Zeit ein Freischwimmerabzeichen in Bremerhaven auf die Badehose nähen ließ.

Noch ein Glas, vielleicht reicht es für noch einen Aufzug, nein, besser drei Gläser, denn die Beschleunigung muss noch stärker werden. Und tatsächlich, der Wagen wird heraufgezogen, da ist er, der Hügel der Vergangenheit...und dort kommt die Abfahrt der Erinnerung...jetzt festhalten, diese Abfahrt wird unangenehm werden. Der Magen scheint noch oben, der restliche Körper schon unten, in den Kurven die verleugneten, unangenehmen Wahrheiten der Vergangenheit... rumms...au!... da stößt man sich an...zwischen diesen Sekunden liegt der Augenblick, indem die sogenannte Zeit aufgehoben ist ...... Hochzeit von Onkel Adolf, 1966, ich stehe da, mit einem Miniaturanzug, mit Miniaturkrawatte. Die Erwachsenen streiten sich ständig, warum heiraten sie dann eigentlich?

Es ist todlangweilig auf der Hochzeitsfeier, da ich aufgrund meiner Größe nicht mal auf die Tische sehen kann, ist eine Teilnahme am Geschehen kaum möglich. Außerdem bin ich ständig im Weg, da ich aber so klein bin, kann ich problemlos weggeschubst werden. Die Erwachsenen sind alle verwandt, aber lieb haben sie sich gegenseitig nicht.

Onkel Helmut hat mit Onkel Albert über die Braut gesprochen, angeblich ist sie eine Votze. Ich weiß nicht, was eine Votze ist ... aber ich ahne, dass man der Tante Hilde Unrecht getan haben könnte. Das Wort Votze hört sich so scharf an, es klingt schon unanständig, es schmeckt nach etwas, dass ich nicht deuten kann. Offenbar will man mir nicht sagen, um was es geht. Was aber ist eine Votze? Ich bündele meinen Mut und frage Onkel Albert, was eine Votze sein soll.

"Das ist ein polnisches Getränk", ist seine Antwort. Warum Tante Hilde ein polnisches Getränk sein soll, erklärt er mir aber nicht. "Die Tante Hilde kann doch kein polnisches Getränk sein", sage ich, da wird er unruhig und sagt, ich solle ich erst mal "groß" werden ... Dann geht er weg ...

Die Erwachsenen trinken nun Unmengen, Unmengen von dem, das sie "Alkohol" nennen, das soll ganz schädlich sein, und man darf es nicht trinken, es sei denn, dass man erwachsen ist. Dann schadet es nicht. Dann sagen sie sich böse Dinge, dass darf man auch erst, wenn man erwachsen ist ...

... Rumms! Schade! Ich bin wieder unten, für noch eine Runde reicht es nicht, der Körper macht es nicht mehr mit...

Tja, da wollte ich nach Irland und die beschissene Achterbahn brachte mich ausgerechnet zu Onkel Adolfs Hochzeit. Aber dafür wisst ihr nun, wie es ist, wenn man Achterbahn fährt ...


eBooks - Geschichten von Karin Reddemann
Karin Reddemann: Rosen für Max Karin Reddemann: Toter Besuch


Ein Buch voller Geschichten von Karin Reddemann
Gottes kalte Gabe
Der Handel wird mit Amazon.de getätigt. Es gelten die AGB von Amazon.
Amazon.de ist ebenfalls zuständig für die Lieferung sowie alle Gewährleistungsansprüche. Irrtum und Preisänderungen vorbehalten. Die Preise verstehen sich gegebenenfalls zzgl. Versandkosten.