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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Das Binnenmeer oder das menschliche Handeln

© David Tesch


An einem reich verzierten Holztisch standen zwei Männer, die mit regem Interesse auf eine Landkarte blickten.
"Hier", sprach der eine, und deutete mit seinem Finger auf die Landkarte, "wird es entstehen, das wohl profitabelste und ruhmreichste Projekt, welches in unserem Land je in Angriff genommen wurde."
"Nun ja", entgegnete der andere stirnrunzelnd, "das Land würde sich natürlich bestens für den Anbau von Baumwolle eignen. Aber wie wollen wir das Problem lösen, solch riesige Baumwollfelder auch mit der nötigen Menge Wasser zu versorgen?"
"Hier, schau genauer auf die Karte! Siehst du die beiden Flüsse die dort oben in das Binnenmeer münden. Wir werden ihren Lauf so verändern, dass sie mitten durch das Anbaugebiet fließen."
"Ein hervorragender Plan!"
"Ja, nicht wahr!? Damit hätte unser Land die größten Baumwollfelder der Welt, und wir mein Freund wären auf einen Schlag gemachte Leute. Das weiße Gold wird unser Land reich machen und uns die Anerkennung und den Respekt der gesamten Welt einbringen!"
"Eine phantastische Zukunft!"
Wie auf Geheiß setzten sich nun Maschinen in Bewegung und leiteten, während auf den Feldern bereits fleißige Hände die erste Saat aussäten, die beiden Flüsse um.
Großartig war auch die erste Ernte und das Land feierte seine Helden.
Doch kein Wasser floss von da an mehr in den See, worauf er vom Angesicht dieser Welt verschwand, und mit ihm viele Tiere und Pflanzen, die von und in ihm lebten.
Salzwüsten entstanden, in der nichts mehr Lebendiges leben und gedeihen wollte.
Das Salz, getragen vom Wind, machte die nahen Baumwollfelder unfruchtbar und die Menschen, die an den ehemaligen Ufern des Sees wohnten, krank.
Viele verließen darauf ihre Heimat, die ihnen nun nichts mehr bot und zur Qual geworden war.
Geisterstädte entstanden, die, wie ein ewiges Mahnmal, vom menschlichen Verstand zeugen, welcher nie in die Ferne blickt und durch sein Wahn und Egoismus die Welt und sich in den Abgrund führen wird.

Eingereicht am 24. Januar 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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