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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Die Autopanne

© Annett Günther


An einem warmen Sommerabend beschlossen Ursula und Günther aufs Land zu fahren. Der Abend war zu schön um aufs Land zu fahren. Auf dem Rückweg wollten sie noch schnell ein paar Bekannte besuchen und bogen deshalb von der Hauptstraße ab.
Durch eine Umleitung kamen sie auf einen unbekannten Nebenweg. Es war fast Mitternacht. Plötzlich starb der Motor ab und ließ sich nach mehren Versuchen nicht mehr starten.
Die Gegend, in die sie geraten waren, schien dünn besiedelt zu sein. Auf den letzten Kilometern hatten sie nur wenige Häuser zu Gesicht bekommen "Ursula, ich glaube wir müssen im Auto übernachten."
"Auch das noch. Günther, schau mal ich, ich glaube ich sehe Umrisse von einem Haus"
"Wo?"
"Dort oben auf dem Hügel."
"Vielleicht ist das unsre Rettung. Ich werd mich mal auf dem Weg machen, um alles zu erkunden. Mach bitte die Türen von Innen zu."
"Was soll mir schon passieren? hier in dieser Gegend sagen sich doch die Füchse Gute Nacht"
Ihm war nicht wohl dabei, seine Frau allein zurückzulassen. Endlich hatte er das Haus erreicht. Er sah kein erleuchtetes Fenster.
Er klingelte und hoffte, dass noch jemand munter war. Es dauerte einige Zeit, bis doch jemand öffnete. Ein Mann mittlern Alters stand vor ihm.
"Guten Abend. Bitte entschuldigen sie die späte Störung. Aber ich sitze hier auf der Straße mit meinen Wagen fest und meine Frau wartet dort auf mich. Haben Sie eventuell ein Telefon, von wo ich eine Werkstatt anrufen kann?
"Ja, bitte kommen Sie.. Kann ich Ihnen etwas anbieten? Sie sehen ziemlich erschöpft aus."
"Vielleicht irgendetwas zu trinken."
"Ein Kaffee ist vielleicht das Beste."
Günther musste immerzu das Gesicht anschauen. Es erinnerte ihn an seinen Bruder, der vor einiger Zeit spurlos verschwunden war. Nach einem heftigen Streit mit der Familie ging er fort.
Ursula wurde langsam unruhig. Ihr kam die Zeit schon ziemlich lang vor.
"Ihr Kaffee ist fertig."
"Vielen Dank. Das ist sehr nett."
Ursula sah ihren Mann im Lichtkegel, wie er mit einer Person sprach.
"Haben, Sie schon eine Werkstatt gefunden?"
"Nein, noch nicht"
Neben an schrie ein Kind.
"Diese Kinder halten einen ganz schön auf Trapp. Entschuldigen, Sie mich bitte für einen Moment."
"Natürlich"
Er ging ins Nebenzimmer.
Günther war völlig verstört. Alles an diesem Mann erinnerte ihn immer wieder an seinen Bruder. Ohne einen Gruß, rannte er davon.
"Na, endlich. Ich habe mir schon große Sorgen gemacht."
Er knallte die Tür. Im schwachen licht des Armaturenbretts konnte Ursula sein Gesicht erkennen.
"Du siehst ja ganz blass aus. Und was ist mit deinen Händen, die zittern ja."
Aber er schwieg und saß einfach da mit blutleeren Lippen und schüttelt den Kopf.
"Nun sag schon, hast du eine Werkstatt gefunden?"
Langsam beruhigte er sich wieder, aber das Sprechen fiel ihm schwer.
"Ich glaube, ich habe meinen Bruder wieder gefunden."
"Wie kommst du darauf?"
"Das Gesicht des Mannes mit dem ich sprach, sah ihm so ähnlich, dass ich es kaum glauben konnte. Ich zweifle schon an mir selbst."
"Du hast mir aber noch nicht meine Frage beantwortet."
"Entschuldige bitte, ich bin immer noch durcheinander. Nein, eine Werkstatt habe ich nicht erreicht. Wir können nur hoffen, dass bald ein Wagen vorbei kommt und uns in eine Werkstatt mitnimmt."
Schweigen. Die Vögel fingen an zu zwitschern. Ursula war wütend. Das Wochenende fing ja gut an. So hatte sie sich den Ausflug nicht vorgestellt. Aber sie ließ sich nichts anmerken, denn sie konnte seine Gefühle gut verstehen.
"Hast du mit ihm gesprochen?"
"Ja, aber nur ganz kurz. Meine Kehle war wie zugeschnürt und dann bin ich Hals über Kopf davongerannt."
"Wenn das Auto wieder fahrtüchtig ist, fahren wir noch einmal die Gegend ab. Wir werden das Haus schon wieder finden."
Endlich kam ein Auto vorbei und schleppte sie ab. Es dauerte einige Zeit bis das Auto wieder startklar war. Beide waren erschöpft und hungrig. Trotzdem fuhren sie noch einmal die Gegend ab. Das Namensschild deutete darauf hin, dass es vielleicht kein Zufall war.. Sie wollten aber nicht mit der Tür ins Haus fallen und hofften, dass die Telefonnummer im Buch stand.
"Das Glück scheint auf unserer Seite zu stehen Günther."
Der Anruf ergab, dass Günther sich nicht geirrt hatte. Die Annährung zu einander fiel schwer. Der Riss nach all den Jahren war groß. Aber die Freude, dass sie sich wieder gefunden hatten, war trotzdem nicht zu übersehen



Eingereicht am 15. September 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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