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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Das Volksfest

© Teodor Horvat


Manchmal kann man sich in Fantasie in Fremde und ferne Länder versetzen. Dabei auch die Menschen, ihre malerischen Trachten, ihre Volkssitten und Gebräuche vorstellen.
Nach alten Urkunden, unsere kleine Stadt wurde schon als ein Bischofsitz, vor vielen Jahren erwähnt. Das ist auch heute noch, obwohl die Grenzen des Bistums bzw. Verwaltungsbezirks eines katholischen Bischofs, nicht die gleichen sind, wie damals.
Hier flohen damals, verfolgt von grausamen türkischen Stämmen, viele Leute aus weiter Umgebung. Wegen unruhigen und unsicheren Verhältnissen in Bosnien, bosnischen Bischof und bosnische Domkirche, mussten auch ihren Sitz verlassen und kamen zu uns in ein Grenzengebiet zwischen Westen und Osten. Gleich als die bosnischen Bischöfe gekommen sind, wurde das Bischofsschloss und die erste Kathedrale gebaut. Die Gebäuden waren wegen verschiedener ständiger Gefahr, vor allem hinsichtlich des eindringen verschiedenen Barbarenstämmen aus Osten, mit einer Schutzmauer umschlossen. Trotzdem zerstörten die Türken, während ihres langjährigen Aufenthalts in diesen Gegenden, die erste Kathedrale. Nachdem die Türken endlich verjagen wurden, baute man wieder eine neue Kathedrale. Welche man wegen ihrer zu schwachen Baukonstruktion, nicht mehr reparieren konnte und entfernen musste. Auf dieselbe Stelle bauten die Bischöfe wieder eine neue Kathedrale. Die Kathedrale war damals und das ist heute noch, wirklich ein Meisterwerk und bewunderte jeden gutmütigen Besucher.
Sie ist in der Stadt geistlichen Grundmauer und Garant der ursprünglichen Wurzeln sowie kontinuierlichen Geschichten.
In der Kathedrale traten am Feiertagen unter Orgelbegleitung die berühmte Opernsängern oder Sängerchöre auf.
So war auch dieses Jahr am einen wunderschönen, herrlichen Sommertag. Wie immer am Anfang Juli vor unsere Kathedrale, wurden in Abendstunden unter die Leitung den kleinsten Ausführer so genannten kleinen Stickereien oder die Folklorenschau, traditionell und feierlich eröffnet. Dieses Jahr waren dabei einige tausend Mitspieler aus ganzem Kroatien und dem Ausland sowie auch zahlreiche Besucher. Das Fest begann mit dem Eintritt der Nachwuchstanzgruppen.
Zuerst hatten die Nachwuchstanzgruppen auf eine Bühne vor der Kathedrale gesungen und getanzt. Dann ging in Richtung Stadtmitte ein Trachtenumzug mit Nachwuchstanzgruppen und ganz kleinen Kindern. Sie gingen durch die Promenade und unterwegs sangen und tanzten sie. So kam der Umzug bis zu dem großen Zelt, welches in der Stadtmitte aufgestellt war. In dem Zelt auf einer Bühne vor begeisterten Zuschauern setzten die kleinen Nachwuchstanzgruppen ihre stimmungsvolles Programm fort.
Es sah entzückend aus, wie unsere Niedlichsten mit dem Stolz originaler Volkstracht trugen und mühsam, pflegten den Volkstanz und die Volksmusik. Oder wie die Nachwuchstanzgruppen der Volkstracht und echtes Brauchtum weiterzuvermitteln. Sie wussten schon das damals die Volkstracht, traditionelle Kleidung und kulturelle Erbschaft jedes Volkes war. Die traditionellen Volkstrachten werden heute nur noch bei Volksfesten und besonderen Anlässen getragen. Volkstracht hatte ihren Ursprung in ländlichen Gebieten und eine regionaltypische Bekleidungsform darstellt. Ganz egal welchem Gebiet gehörte, Volkstracht machte man zu Hause als Handarbeit und aus natürlichem (roh) Stoff. Seine Verschönerung war abhängig von der Geschicklichkeit, Fantasie und Vermögen der Familie, welche sie anhatte.
Im Mittelpunkt des Volksfestes war feierlichen Umzug mit allen Trachtengruppen.
Die Trachtengruppen, mit über tausend Mitspielenden und noch so vielen feierlich geschmückten Hochzeitspferdewagen, sah man noch von weiten, weil sich jede Volkstanzgruppe durch eine andere Tracht auszeichnete und jede Tracht mit einer anderen Stickerei verschönert wurde. Den Umzug verlief neben Rathaus und Kathedrale und bewog sich in Richtung des Strossmayer Parks.
Die Stickereien oder Trachtenumzug, erzählten durch ihren Lieder und Tänze über ursprüngliche Tradition in Slawonien und Baranja, fleißigen kroatischen Menschen, ihren Folklore, Kultur und Sprache.
Die Trachten zeigten nicht nur die regionale Herkunft des Trägers, sondern waren auch ein Ausdruck seiner sozialen Stellung und seines Familienstandes. Auch wurde zu bestimmten Anlässen (Kirchgang, Abendmahl, Hochzeit, Trauerfall) eine entsprechende Tracht getragen.
Dies wurde bei uns durch unterschiedliche Stickereien und Ornamente betont, wie z.B. eine oder mehrere Halsketten aus Dukatengold.
Die Reichen können sich sehr schöne und üppige Trachten leisten aber die Armen nicht. Trotzdem, auf einer guten Frau sah jede Tracht gut aus.
Auf den Trachtenumzug sah man unterschiedliche Trachten. In den meisten Regionen wird zwischen Sonntags- und Werktagstracht unterschieden, wobei die verschönerte Sonntagstrachten der Frauen, ergänzte Kunstwerke darstellen.
Ursprünglich waren die Werktagstrachten als Alltagskleidung getragen beim Feldarbeiten sowie gute oder schlechte Ernte. Beim Volkstrachtumzug sah man auch manche Teilnehmer, welchen wie die Feldarbeiter angezogen waren und trugen Sensen, Sicheln und Rechen mit. Weil man damals auf dem Lande schwer und ohne Landmaschinen arbeiten musste.
Bei uns auf dem Lande trug man damals die Festlandtracht.
In den Gebieten mit Kontinentalklima (wie bei uns) wegen kaltes Winters und hartem Klima, neben ungebleichte, einheimische Leinwand und Wolle trug man auch Pelz. Sehr wichtiges Zusatzteil machte eine dicke Weste, Überrock und Regenmantel. Auf den Füßen, die mit Leinwand umgewickelt waren, welcher die Funktion des Strumpfes hatte, waren Opanke (Riemenschuh) angezogen aber in nördlichen Gegenden trug man die Stiefel.
Feiertagsstimmung und die Volksmusik hörte man aus jedem Haus.
Zahlreichen Besucher, standen schon am frühen Morgen entlang der Straßen, um besser den Trachtenumzug sehen zu konnten. Sie hatten ein langes Spalier aus Menschenmenge gebildet.
Internationalen Volkstanzgruppen, aus ganzer Umgebung und weiten Amerika, sogar Australien, waren schon gekommen und hatten sich in kleinen Park unter den blühenden Lindenbäumen versammelt. Damit waren wir sehr erfreut, weil bei uns schon immer jeder gutherzige Mensch willkommen war.
Von da an begann der Trachtenumzug mit ganz vielen internationalen Trachtengruppen und noch so vielen feierlich geschmückten Hochzeitspferdewagen. In dem Hochzeitspferdewagen auf mit Blumen bestickten Kissen sassen lustige Burschen, Mädchen und Frauen, wie damals bei der Hochzeit. Reichlich verschönerten Leiterwagen mit 2 oder 4 zusammengespannten Pferden, fuhren auch vorbei. Feierlich angezogenen und geschmückten Pferdereiter sah man hier auch im Galopp reiten.
Diese Prachtvolle Trachtenumzug bewog sich durch die Straßen und dabei sangen und tanzen. Begeisterte Zuschauer, die beiderseits der Straßen standen und ein Spalier aus Menschen gebildet hatten, waren sehr erfreut und beobachtete sie mit Begeisterung. Dabei jubelten, klatschten und mitsangen. Man musste einfach dabei sein, um diese unvergessliche und wunderschöne Augenblicke erleben zu können.
Auf die Sommerbühne im Strossmayer Park, wechseln sich nacheinander Volkstanzgruppen, Lieder, Tänzen und Sitten. Das Programm dauert vor begeisterten Zuschauern bis in die Abendstunden hinein. Dann wurde auch, nachdem man die schönste Tracht des Mädchens, Frauen und Männer ausgewählt hatte, die Stickereikunst oder das Volksfest geschlossen. Dabei war sich bestimmt sehr schwer zu entscheiden, ob die Volkstrachten oder Mädchen und Frauen, besser aussahen.
Aber die Stickereien waren nicht nur eine Trachtenschau.
Für die richtigen Weinkenner und Liebhaber des guten Tropfens begann das Volksfest in einem Weinkeller auf fruchtbaren Weingebirgen. Bei guter Laune und Degustation des Weines konnten sie sich nach Geruchs- und Geschmacksstoffen in dem Wein entscheiden und den besten Wein auswählen.
Diesjährige Stickereien hatten ein Überfluss an zahlreichen Veranstaltungen.
In zusammenhang mit Folklorabenden hatten auch vielen Vereinen für Kunst und Kultur eingetreten. Zahlreiche Besucher konnten die kulinarischen Veranstaltungen genießen, wie zum Beispiel selbst gemachten Fleischwaren, Fischsuppe und gekochten Gulasch.
Die Liebhaber der Pferdesport waren auch zufrieden. Das sportliche Programm verlief wie immer auf dem Hippodrom (wo damals englische Königin in besuch war). Dabei sah man die verschiedenen Pferdesportarten, bei denen Pferde verwendet wurden; dazu gehörten Reit- und Fahrsport (Dressur, Jagdspringen). Die Pferde hatten über Hindernisse gesprungen. Zwei- und Vierspannerfahrten, boten eine gute Gelegenheit dazu an, die Pferde in ihrer vollen Pracht ansehen zu können. Über die Liebe zum Pferd, dem treuen Begleiter des Menschen, zeugte über mehrere Jahrhunderte alte Tradition der Zucht edler Pferde auf dem weltbekannten Lipizzaner-Gestüt.
Während des Volksfestes konnte man auch die über mehrere Jahrhunderte alte Tradition der Zucht edler Pferde und das weltbekannte Lipizzaner-Gestüt ansehen. Dabei konnte man erfahren, dass Lipizzaner zu Familie schlanker, langbeiniger Unpaarhufer gehören und beim Gehen nur die mit einem Huf umgebene Mittelzehe benutzen. Die sind leichter in Körperbau, temperamentvoller und auch gelehriger, deshalb als Reit-und Wagenpferd benutzt werden können.
Die Stickereien dauerten bis tief in der Nacht und jede unvergessliche Minute, während des Volksfestes war ich sehr glücklich, weil solche Feste das Leben verschönern.



Eingereicht am 02. August 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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