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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Beherrscht!

© Gaby Schumacher


Weshalb nicht zugreifen, sich öffnen, annehmen, was uns entgegen gebracht wird? Zumal in Extremsituationen, sei es beruflicher oder privater Art? Warum zaudern, wenn uns Hilfe angeboten wird?
Viele stehen im Leben an einem Punkt, an dem für sie im wahrsten Sinne des Wortes die Welt zusammenbricht und nirgends ein Hoffnungsschimmer glimmt. Denken Sie mal an all die möglichen verzweifelten Gedanken in solchen Stunden und an die quälenden Albträume des Nachts.
Einige setzen ihrem Leben ein Ende, zu Ende die Hilflosigkeit, die Verzweiflung und auch die Scham vor den Mitmenschen, dass man seine Probleme nicht in den Griff bekommt. Doch das Schicksal könnte sich wenden. Jene Menschen gingen wieder froh und heiter hätte durch den Tag und besiegten ihre Schwierigkeiten. Eher mit Hilfe Anderer, mit Hilfe allerdings von der richtigen(!) Seite.
Menschen, die scheinbar unüberwindbare Probleme haben oder total abschattet isoliert vor sich hin leben, sind "das gefundene" Fressen für bestimmte fest gefügte, gut durch organisierte Gruppen mit bestens psychologisch geschulten Mitgliedern, getrimmt auf Erkennen und Einfangen durch Not irgendwelcher Art labiler Mitmenschen. Ihre Vorgehensweise ist gelinde gesagt skrupellos. Sie heucheln Gottgläubigkeit vor und stehlen sich in wimmernde Seelen.
Ich spreche von den vielen Sekten, die heutzutage ihr Unwesen treiben. Ahnungslose Ratsuchende klammern sich an freundliche Menschenfänger, lassen sich nur zu gerne beeindrucken und dann auch dirigieren, denn endlich stehen sie mit allem nicht allein da, werden aufgefangen, sind geborgen in einer scheinbar "heiligen" Gemeinschaft. Riten und Phrasen tun ihr Übriges. Der Bezug zur Realität verschwimmt oder verschwindet sogar ganz.
Das, was sich hinter der frommen Bühne abspielt, bleibt verborgen oder wird schnellstens verdrängt. Die Realität des Lebens hat den "Neuen" übel mitgespielt. Sie vermeiden alles, was sie daran erinnern könnte. Was sie zwänge, sich selber einzugestehen, dass sie einer Lügengesellschaft erlegen sind, die nur darauf aus ist, Menschen zu manipulieren, zu willenlosen Werkzeugen für ihren Zweck zu kneten, notfalls durch Gehirnwäsche. Körperliche Ausbeutung, seelische Knechtung und finanzieller Ruin stehen ihnen bevor.
Ihr Ego ist zertrampelt, sie nur noch Marionetten in diesem bitterbösen Spiel, keines Zweifels mehr fähig, im Gegenteil von trügerischen Sendungsbewusstsein erfüllt.
All die frommen Gesänge, die feierlichen Rituale in besonderen Gewändern, die diese Menschen als Auszeichnung ansehen, als Zeichen der Auserwähltheit, all dies dient dazu, ein System zu festigen, dass ausschließlich dem Vorteil der jeweiligen Führer dient, die in Saus und Braus auf Kosten der Gruppe leben.
Auf Mitglieder, die trotz strikter Führung noch Zweifel hegen, sich nicht kritiklos beugen, wird enormer Druck ausgeübt. Menschen, die - wiederum mit Hilfe von außen - den Absprung schaffen, wird oft das Leben als dann "Ungläubige" durch Sektenterror zur Hölle gemacht. Andauernde Telefonanrufe, Drohungen vieler Art bis zu Morddrohungen, sollten sie auch nur ein einziges Wort in der Öffentlichkeit darüber fallen lassen, was ihnen in der Sekte widerfuhr. Die Untreuen leben fortan ein Leben in ständiger Sorge und Angst. Noch Jahre wirken diese erdrückenden Erfahrungen als Depressionen in ihnen nach. Viele schaffen es nur mit psychologischer Hilfe, die Erlebnisse dieser Episode ihres Lebens zu verarbeiten, um sich dann wieder in der Realität behaupten zu können.
Nicht selten aber dauert es Jahre, bis die seelischen Wunden verheilt sind. Manchmal noch länger. In Einzelfällen sogar das ganze restliche Leben lang.
Sekten sind die Persönlichkeit des Individuums verachtende, planmäßig zerstörende Organisationen, darauf ausgerichtet, sich willenloses Werkzeug heran zuziehen zu dem aller einzigen Zwecke, dem jeweiligen Führer durch Ausbeutung der Mitglieder zu möglichst großem Reichtum und weit reichendster Macht zu verhelfen.
Der einzige Schutz: Abstand halten!!



Eingereicht am 27. Juli 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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