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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Wächter der Weltenseele

© Jürgen Acker


Auf einer kleinen Insel, auf einem großen Berg. Hier, hinter dem 180. Längengrad und vor dem 10. Breitengrad. Neben dem 5. Kontinent in einem Ozean, der keinen Namen hat, sitze ich und wache über die Weltenseele. Hier, wo nur der Wind und die Sonnenstrahlen den Weg her finden, ist es einsam und zugleich voller Leben. Hier, wo die Weltenseele mit jeder einzelnen Menschenseele verbunden ist, um die Erde im Gleichgewicht zu halten, freue ich mich mit jedem guten Wort, das gesprochen wird, liebe ich mit jeder wahren Liebe, macht mich jedes einzelne Lächeln auf der Welt glücklich.
Hier, wo der Wind, der über jeden Berg und jedes Tal zieht, jeden Ozean und jede Wüste überquert, der jedem von euch schon übers Haar gestrichen ist und jedes Wort gehört hat, weine ich mit jeder Träne, bricht mein Herz mit jedem gebrochenem Herzen und tut mir jedes Leid weh.
Hier, wo der Wind mir von Kriegen erzählt, die ohne Grund geführt werden.
Von Krankheiten, die keiner heilen kann. Von Menschen die ihren Glauben verloren haben, ihren Glauben ans Leben. Von jenen, die den Frühling erst bemerken, wenn alles verblüht ist, die sich über den Sinn keine Gedanken mehr machen. Von Menschen die kein Mitgefühl mehr kennen und nur nach Macht streben, ist mir oft kalt.
Hier, wo die Sonnenstahlen, die der Erde die Wärme geben, die mit ihrer Kraft alles zum Wachsen bringen, die jedem von euch schon ins Gesicht geschaut haben. Mir von Menschen erzählen, die gegen das Unrecht kämpfen.
Von jenen, deren Lebenssinn es ist, Kranke zu heilen und zu pflegen. Von Menschen, die andere begeistern und den Sinn begreifen. Von jenen, die Respekt vor jedem Tier und jedem Baum haben. Von Menschen, die lieben können und lieben wollen, ist mir warm und fühle ich mich wohl.
Hier stehe ich oft auf dem großen Berg. Die Sonnenstrahlen als meine Augen und den Wind als meine Ohren.
Hier wünsche ich mir oft eine bessere Welt.
Menschen mit mehr Mut zum Guten. Menschen mit mehr Mut zur Liebe. Menschen mit mehr Mitgefühl. Menschen mit mehr Sinn.
Nicht wegen dem Leben, sondern des Lebens wegen.
Nicht wegen mir, sondern wegen der Weltenseele.



Eingereicht am 21. Juni 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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