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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Blümchen und Schmetterlinge

© Xelanja


"Du schreibst wieder?"
Das Gras auf den Wiesen unter der Burg steht hüfthoch. Ein gutes Versteck für Sonnenhungrige. Du liegst neben mir, die Augen geschlossen und genießt die Wärme.
"Ein wenig."
"Läuft es gut?"
Auf einer feuerroten Mohnblume, die sich über Dein Gesicht neigt, sitzt ein gelber Schmetterling.
"Nein, mein Kopf ist zu voll mit Märchen und Träumen - das reine Chaos."
Du nickst, gedankenverloren. Hörst Du mir überhaupt zu?
Der Schmetterling klettert von der Blüte auf Deine Stirn, marschiert über Deine rechte Braue hin zur Nase. Du wischst träge mit der Hand nach ihm, was ihn nur zu einigen raschen Trippelschritten, Richtung Deiner Nasenspitze, bewegt.
"Hör auf! Das kitzelt."
"Das ist ein Schmetterling."
Du knurrst:
"Natürlich. Mit Hütchen."
Ich schaue genauer hin.
"Richtig. Woher weißt Du das? Ein gelber Schmetterling mit blauem Hütchen."
Du brummst irgendwas zwischen "ja" und "o nein".
Währenddessen ist der kleine Geselle an Deinem Kinn angekommen und turnt hinunter ins schweißbetaute Brustmoos. Gekonnt klettert er von einem Fädchen zum anderen, bis er endlich die untere Grenze erreicht hat.
Auf dem Weg über Deinen Bauch plumpst er in den Nabel, rafft sich wieder auf, ordnet die Flügelchen und marschiert weiter.
Jetzt wird's interessant. Er nähert sich den strategisch wichtigen Teilen.
"Was würdest Du gern schreiben, wenn Du den Kopf frei hättest?"
Ich weiß nicht. Muss nachdenken. Aber der Schmetterling lenkt mich ab. Inzwischen hat er die nächste kleine Mooslandschaft durchquert und sitzt auf einem aussichtsmäßig immer besser werdenden Punkt. Es scheint ihm zu gefallen, denn er putzt sich und bewegt leicht die Flügel.
Das kannst nun selbst Du nicht mehr ignorieren - Du öffnest die Augen, in denen Spottfunken irrlichtern, schaust an Dir hinunter.
"Also ein Schmetterling ... natürlich. Und mit Hütchen ..."
Ich schau hin, er ist weg ... Mistvieh. Wie steh ich nun da?!
Darüber kann ich mir zunächst keine Gedanken machen ... um genauer zu sein, vorläufig kann ich mir gar keine Gedanken machen.
Und danach sehe ich ihn wieder. Er schaukelt auf der roten Blüte, die nun über Deiner rechten Schulter hängt, als wäre nichts gewesen und wispert leise: "Na? Das war doch gutes Teamwork, oder?"
Nach frechen Katzen wirft man Schuhe. Was wirft man nach Schmetterlingen?
Du schaust mich an.
"Hast Du etwas gesagt?"
"Ich glaube, ich weiß, was ich gern schreiben würde."
"Und was?"
"Erotik."
Du küsst mich auflachend auf den Mund, bevor Du sagst: "Natürlich - mit Blümchen und Schmetterlingen ..."
Warum nicht? Mit Blümchen und Schmetterlingen.



Eingereicht am 16. Juni 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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