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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Alles hat ein Ende ...

© Peter Fix


Zärtlich strich sie ihm über das Gesicht.
"Weißt du noch wie schwer es für uns war wieder zusammen zu finden nachdem du den schwierigen Fall hattest?", fragte Heike. Zärtlich blickte Peter Hauser in die leuchtenden Augen seiner Frau und blinzelte sie nur an. Wie sollte er das jemals vergessen können?
Auch Heike erinnerte sich. Sie hatte so Ihre Probleme damit gehabt ihm zu verzeihen, dass er sie nicht eingeweiht hatte. Traute er ihr nicht oder wollte er sie wirklich nur beschützen? Die Aussöhnung hatte mehrere Wochen gedauert und hinterher waren beide enttäuscht darüber, dass sie diese Zeit nicht besser genutzt hatten. Jeder Tag den sie nicht zusammen verbrachten war ein verlorener Tag.
Wie schön war es, als sie sich dazu entschlossen hatten zusammen zu ziehen. Und niemals werden sie das Gesicht von ihrem Vater vergessen, als sie ihm die Botschaft verkündeten. Wer sollte von nun an für ihn kochen? Und wer kaufte das Bier? Das waren seine größten Sorgen. Auch die Hochzeit, die kurz darauf geplant wurde, war nicht so ganz nach seinen Vorstellungen, aber schließlich hatte er sich damit abgefunden.
Wenn Heike sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, war sie nicht mehr davon abzubringen.
Das Hochzeitskleid liegt noch heute sauber verpackt im Schrank. Und darin eingewickelt lag ihr größter Schatz: Die Fahrkarte ihrer Hochzeitsreise. Niemandem hatte sie jemals erzählt, dass sie die Tickets aufgehoben hatte. Sie bedeuteten ihr sehr viel. Extra für sie hatte Peter das Reiseziel sehr bewusst ausgewählt. Er hatte sich sehr viele Gedanken gemacht um eine Reise zu planen, die genau Heike's Wünschen entsprach und das wusste sie sehr zu schätzen. Sie fuhren in eine kleine Blockhütte in den Wäldern Kanadas. Er wollte vermeiden, auch nur eine Person zu treffen, die sie kannten, um nach Möglichkeit auch in keinen neuen Fall verwickelt zu werden, sollte er auch noch so klein sein. Und sie war sehr glücklich darüber. 14 Tage lang hatten sie nur sich selbst.
Sie trafen keinen anderen Menschen, nur spazieren gehen, am Kaminfeuer sitzen und die Vergangenheit aufarbeiten. In dieser Zeit hatten sie alles besprochen und mussten sich so nie wieder mit Gedanken an das Gestern quälen. Wenn sie heute darüber nachdachte, fiel ihr auf, dass sie sich in den ganzen 14 Tagen insgesamt höchstens 2 oder 3 Stunden nicht berührt haben. Immer hingen sie zusammen, so als wenn sie befürchteten, dass sie irgendetwas voneinander trennen könnte.
Langsam rollt eine Träne der Freude über Heike's Gesicht. Sie kullerte über ihre Wange und löste sich am Kinn von ihrem Gesicht ab, um dann mit einem leisen, eigentlich nicht hörbaren Geräusch, genau auf Peter's Schulter zu fallen. Er hob langsam seinen rechten Arm und wischte ihr zärtlich mit dem Daumen die Spur der Träne weg, während er dabei mit der Handfläche ihre Wange berührte.
Ihre Gedanken wanderten zu ihrer Schwangerschaft. Sehnsüchtig hatten sie beide darauf gewartet und als es soweit war, konnten sie ihre Freude kaum wahrhaben. Es sollten Zwillinge werden. Sogar die Namenssuche verlief problemlos. Eigentlich war es schon komisch. Immer wenn es etwas Wichtiges zu entscheiden gab, waren sie sich sofort einig. Wie zwei Seelenverwandte. Die Zwillinge Nicole und Florian waren von diesem Tage an ihr beider Ein und Alles. Ihr ganzes Leben sollte sich von nun an nur noch um die beiden drehen. Sie widmeten ihnen einen Großteil ihrer Zeit, um ihnen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Peter suchte sich sogar seine Fälle noch genauer aus, um sich nicht unnötig in Gefahr zu begeben.
Auf das, was aus ihren Zwillingen geworden war, konnte sie wahrlich stolz sein. Peter hatte die Detektei, die sein Vater aufgebaut hatte, übernommen und war mindesten so erfolgreich wie er selber. Nicole schlug eine andere Laufbahn ein. Aber als Oberkommissarin in der Mordkommission einer Großstadt war es nicht minder aufregend. Und die nächste Beförderung stand schon wieder kurz bevor.
Heike wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Peter ihre Hand fest drückte. Sie sah ihm in die Augen und wusste sofort, dass er denselben Erinnerungen nachhing wie sie. Sie erwiderte mit einem Lächeln, das selbst einen Stein erweichen konnte, seinen Händedruck. Und schon gingen ihre Gedanken wieder auf die Reise.
Sie dachte an das neue Haus, das sie gemeinsam aussuchten und in dem sie noch immer lebten. Sie waren sich beim Anblick des Anwesens sofort einig. Sie hatten sich beide kurz in die Augen gesehen und spürten, dass sie beide dasselbe dachten. Und bei dem Ruf den Peter's Detektei hatte und der damit verbundenen Auftragslage konnten sie es sich auch leisten.
Aber die beiden Kinder hatten in ihrer Familie ein volles Mitspracherecht. Würden sie es auch so schön finden? Diese Gedanken wurden spätestens in dem Moment zerstreut, als die beiden ihre riesigen Kinderzimmer sahen und vom Balkon aus einen Blick in den riesigen Garten mit dem Pool direkt neben der Terrasse geworfen hatten. Am liebsten wollten die beiden gleich in ihre Zimmer einziehen. Damit war also auch das Problem der Haussuche ziemlich schnell gelöst.
Heike gab sich sehr viel Mühe das Haus geschmackvoll einzurichten und am Gesichtsausdruck von Peter sah sie jeden Tag, wenn er nach Hause kam, das es ihr gelungen war. Sie alle vier hatten hier ihre kleine Festung in die sie sich zurückziehen konnten. Nichts sollte ihnen hier etwas anhaben können.
Peter war eingeschlafen und Heike erhob sich von der Bettkante um ans Fenster zu gehen und hinaus zu sehen. Wie hatte so etwas passieren können? Hatte sie etwas falsch gemacht? Hatten sie in ihrer ganzen gemeinsamen Zeit etwas übersehen? Aber, als sie genau darüber nachdachte, wurde ihr bewusst, dass es das Schicksal im Großen und Ganzen doch immer gut mit ihnen gemeint hatte.
"Heike", hörte sie ihren Mann leise rufen. Sie ging wieder zum Bett und setzte sich auf die Kante. Er griff wortlos nach ihrer Hand und drückte sie so fest wie er nur konnte. Er sah ihr dabei mit einem unglaublich warmen und beruhigenden Blick in die Augen. Sie wusste genau was er sagen wollte und strich ihm zärtlich über das faltige Gesicht. Seit 92 Jahren kannten sie sich nun, da braucht es keine Worte mehr. Langsam schlossen sich seine Augen und sein ganzer Körper entspannte sich.
"Ich weiß, dass wir uns bald wiedersehen", hauchte Heike als ihr erneut eine Träne über die faltige, vom Laufe der vielen Jahre gezeichneten Wange, lief ...



Eingereicht am 09. Juni 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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