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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Erinnerungen

© Teodor Horvat


Die Zeiten vergehen, ganz egal ob sich um gute oder schlechte Zeiten handelt aber die Erinnerungen bleiben tief ins Herz geschrieben.
Damals war ich noch ein Kind und konnte nicht alles verstehen, aber trotzdem werde ich nie vergessen, was mit uns Volksdeutschen geschah.
Es war am einen kalten Novembertag, nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1945.
Innerhalb von fünfzehn Minuten, mussten wir unsere Häuser verlassen, nur mit all dem, was wir in unseren Händen tragen konnten. Unbekannte bewaffnete Männer, die wie ich später erfahren habe Titos-Soldaten waren, schrien auf uns befehlerisch und zeigten Ihre gesetzgebende Gewalt. Damals könnte ich nicht verstehen, warum diese unbekannte Männer so bös mit uns waren, wir haben doch niemandem was getan.
Aber heute weiß ich genau, die Donauschwaben in Kroatien stammen von den deutschen Kolonisten ab, die im 18. Jahrhundert von den Habsburgern in der pannonischen Ebene angesiedelt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg auf Grundlage der AVNOJ-Bestimmungen sind alle deutsch für eine Gemeinschaftsschuldigkeit und Feinde des Volkes, erklärt und die Entscheidungen gebracht über Verstaatlichung des deutschen Vermögens und Vertreibung nach Deutschland, unter Verzeichnis " so lange bis sich die Möglichkeit für ihren Transport verwirklichen kann, werden sich die gleichen in einem Lager, auf dem Zwangsarbeit befinden". Zuerst dachten wir gar nicht an die Möglichkeit, dass uns einer Kollektivschuld bevorstehen könnte, nur, weil wir Volksdeutsche waren aber die Machthaber des neuen Jugoslawien hatten da kein Zweifel.
Ganz egal ob das kleine Kinder oder Alte und erschöpfte, volksdeutsche Menschen, waren. Sogar kleine Babys könnten nicht diesem Gesetz entkommen.
Ich kann nur meine Erinnerungen und die schreckliche Lebensgeschichte von meinen Vorvätern erzählen, obwohl solchen und so ähnlichen Geschichten, gab es damals leider hier bei uns, ganz viel.
Zuerst sind wir, eine Nacht unter freiem Himmel, auf dem Marktplatz, verbracht.
Erst dann ist eine weite Fußmarsch, nach 50 Kilometern entfernten Internierungslager Gakovo, begonnen.
Für die alten Frauen mit verschiedenen Fußleiden, wie auch meine Urgroßoma, war dieser Fußmarsch besonders schwer. Sie bekam unterwegs richtige blutige Fußwunden und könnte nur mit großer Mühe weiter laufen. Die Kinder werden von den Partisanen mit Gewehrkolben angetrieben, manche Menschen bleiben unterwegs liegen. Jene Menschen, die hintergeblieben sind oder versuchten davonlaufen, waren einfach erschossen.
Als wir endlich in Internierungslager gekommen sind, dort war nichts mehr zum Essen. Gefunden haben wir noch nur ganz leeren Baracken, auf welchem Boden, ganz viele Menschen, Kindern und Alten, schon geschlafen sind. Tür- und Fensterrahmen aus Holz waren schon zum Heizen als Brennholz verbraucht. Das ganze Lager war mit dem Stacheldraht umkreißt. Tieren vom bäuerlichen Betrieb, waren schon aus nahe gelegenem Dorf verschwunden und verteilt an Partisanen nach Verdienst.
Was Essen betrifft, war es für alle gleich, für alte Leute und Kindern, die in Baracken waren und für solchen die schwer arbeiten müssten. Das Essen in einem Vernichtungslager war sehr mangelhaft und schlecht. Man hat alles ohne Fett und Salz gekocht. Dass war überwiegend flüssiges Essen, mit oder ohne Brot. Morgens irgendeinen Kaffee oder Tee. Mittags spärliche Polenta oder ein wenig Kartoffeln, eventuell gekochten Kohl ohne Salz und natürlich gewiss ohne Fleisch. Endgültiges Ergebnis, von solchen Essen, war tägliches Sterben wegen mangelhaften Essen und Krankheiten, wegen Schlechte oder gar keine Hygiene. Das Essen war immer schlechter und weniger. Ohne Ärzte und Medikamenten sind die alten Leute und kleinen Kindern, zuerst zu sterben begonnen. Die Läuse und Wanzen waren besondere Angreifer. Der Hunger begann seinen Beitrag zu nehmen zwischen erschöpften Menschen in das Lager. Das Krankheitselend beginnt zuerst bei den Säuglingen, die, abgesetzt von der Mutterbrust, auf die gemischte, dünne Nahrung umgesetzt, prompt mit Durchfällen oder Verstopfung, mit Blähungsbeschwerden oder Hautausschlägen reagieren. Das traurige Schicksal endet mit verschiedenen Erkrankungen und am Ende mit dem Tod. Am schwersten war es im Winter 1946. Vier Tage gegen Weinachten gab es nichts zum Essen. Dann sind viele auch massenhaft gestorben. Man sagte uns, dass wegen Großen schneefahl, nicht möglich war das Essen herführen. Aber, wir hatten gar nicht gehabt, alles hat man uns weggenommen. Nicht mal ein Stück Seife, Kochtopf oder Töpfchen. Auch kein Brennholz und als unsere Leute der Zaun und Schuppen aus dem Holz, abgerissen haben, dann hat die Wache auf sie geschossen und getötet alle die Jenigen, die man gesehen hat oder die nicht entkommen könnten. Für ganzen Monat Januar 1946. bekam man nur 750 Gramm Brot. Die Menschen sind jeden Tag gestorben wie Fliegen in Herbst. Am anfang sind 70 Menschen täglich gestorben, dann wahren das immer mehrere 100 bis 120. Die Frauen haben nicht der Tod von ihren Kinder gemeldet, die Kinder haben nicht gemeldet, dass ihre Großeltern gestorben sind, damit sie ihr Essen bekommen könnten. Jeden Tag sind immer mehr Leuten gestorben. Jeden Tag gegen Abend kam vor Baracken ein Pferdewagen, der immer wieder jeden Morgen mit neuen Toden eingeladen wurde. Toden werden dann mit dem Pferdewagen auf ein Ackerfeld gebracht und untief in Massengräber begraben.
Natürlich dass die Volksdeutschen selbst diesen untiefen Massengräber, die für sie selbst bestimmt waren, nach Befehl, ausgraben müssten. Natürlich dass die Volksdeutschen selbst diesen untiefen Massengräber, die für sie selbst bestimmt waren, nach Befehl, ausgraben müssten. Im Frühjahr, beim hohen Wasserstand als Grundwasser kam, sind die Toten wieder nach oben gekommen. Man bekommt richtig Todesangst, wenn man sieht wie manche Leichenteile wie z.B. Füße, Hände oder Kopfhaar, noch sichtbar sind. Dann sind die Frauen, auf diesen Stellen, noch tagelang neue Erde gebracht und die Toten zugedeckt. Nach ein Paar Jahren als wieder diese Teile des Landes neu besiedelt waren mit primitiven Menschen aus unentwickelten Gegenden, war dieses Ackerfeld umgeackert.
Manche Menschen sind überlebt, dankend Hunden und Katzen, die sie gegessen haben. Die verlassenen Tiere haben sich vermehrt, weil ihre Besitzer schon letztes Jahr fortgegangen waren. Volksdeutschen haben sie mit bloßen Händen und flache Hand, gefangen. Als sie alle Katzen gegessen haben, sind auch die ersten Menschen von Hunger zu sterben begonnen. Die Volksdeutschen haben die Ratten nicht gegessen aber dafür sind die Ratten sie gefressen. In der Nacht sind die Ratten immer auf Dachbalken heranschleichen. Die Ratten waren sehr fettig mit dickem Bauch zwischen Pfoten. Die haben sich mit Toden Menschen ernährt und mit dem, was sie von Lebendigen in der Eile, abreißen könnten. Dass war gewöhnlich ein Stück Haut vom Hals.
Zusammen mit uns Kindern sind auch ältere Menschen, die nicht zum Arbeit fähig waren, mehrmals in den Wald gegangen um verschiedene Kräuter und Baumrinde für den Tee zu holen. Die Wache mit Gewehren hat uns in den Wald begleitet. Dabei müssten wir singen, etwas über Partisanen und dass wir lieben unsere Heimatland. Die Kinder waren überall in Gefangenschaftslager, wie auch bei der Wache. Nach ihrer Mahlzeit, sind die Kinder gekommen um zu sehen ob etwas auf dem Teller übrig geblieben ist, und dann dürften sie dass essen.
Hauptsätzlich sin die arbeitsfähigen Volksdeutschen täglich, in Gruppen zu zehn, auf Zwangsarbeit in Wald auf Holzschlag, kleinere Steinbruche, Straßenbau und allen möglichen Feldarbeiten, gegangen. Auf den Arbeitsplätzen, arbeitete man in Gruppen unter verbot von jedem Gespräch. Ganz egal auf Entfernung von Arbeitsplatz bis zum Lager, wir sind immer zu Fuß gelaufen. Obwohl die meisten Menschen Barfuß oder nur mit einem Wickelband um die Füße, waren. Kleine Kinder, die nicht zur Zwangsarbeit fähig waren, sind für sie betteln gegangen, und auf solche Weise auch manchen geholfen zu überleben. Außerdem, Dienst habenden Gruppen (ohne rücksicht auf alter) sind über ganzen Tag und Nacht, in ganze Lager, Ordnung und Sauberkeit aufrechterhalten (mit Hilfe von sehr einfachen Mitteln). Gereinigt Baracken, Klosetten und alles anderes, was noch nötig war.
Wir alle sind in Holzbaracken auf Holzbetten geschlafen. Ohne irgendeine decke auf bloßen Holzbrettern, eventuell mit Heu oder Moss zugedeckt. Geschlafen sind wir alle zusammen nach Gruppen in Familien, die Frauen, Männer und Kindern. Es ist auch selbstverständlich, dass eine strenge Disziplin in ganzes Vernichtungslager war, es war streng Verboten irgendwelcher Gruppierung. Das Leben ist meistens in geschlossenen Baracken verlaufen, wo mehrere hunderte Leuten lebten, ohne Tische und Stühle, auf dem Holzbetten gesessen. Neben tägliches Antreten vor unseren Holzbaracken im Kreise des Lagers und täglichen Abmarsch auf Zwangsarbeit in Kolonne zu zweit und in Begleitung von stark bewaffneten wachen Partisanen.
Säuglinge unter zwei Jahren waren in den letzten Monaten fast restlos dem Hunger und der Kälte zum Opfer gefallen. Am Ende waren die Kinder so schwach und könnten nicht mehr Weinen, sondern hörte man sie ganze Nacht durch, nur noch mit großer Mühe leise winseln.
Das Schicksal der Kinder war das Grauenvollste, was man während seine Lagerzeit überhaupt erlebt hatte. Kälte, Ungeziefer und der Hunger rafften viele dieser unschuldigen Kinder hinweg.
Im April, nach dem Massenmord im Winter, gab es so viele elternlose Kinder unter dem zehnten Lebensjahr, sodass alle Menschen die Sorge um ihre Zukunft hatten. Sogar "Genosse Schuzo", welcher der Komandant des Lagers war, dachte manchmal über die Zukunft dieser unschuldigen Kinder, nach.
Aber, schon während des Jahres 1946. beginnen die Ausnahmen den Kindern ohne Eltern und Pflegeeltern, (welche in Zwischenzeit in dem Lager gestorben oder getötet sind, oder sind von ihren Kindern getrennt) aus dem Lager und ihren Verteilung in zahlreichen Kinderheimen für
Kriegsweise. Das hat zwar vielen das Leben gerettet, aber auf diese weise sind auch viele volksdeutsche Kinder das Bewusstsein über ihren Eltern und Herkunft verloren. Volksdeutsche Kindern ohne Eltern oder Pflegeeltern sind in Kinderheimen untergebracht, wo sie nur eine slawische Sprache sprechen dürften. In solchen Kinderheimen, die Volksdeutsche Kindern haben auch eine Neuerziehung bekommen. Viele deutsche Kinder haben die serbischen, kroatischen oder anderen Familien adoptiert. Manche von denen sind später erfahren für ihre deutsche Abstammung und schweres Schicksal ihre Eltern. Nach offiziellen deutschen Angaben, mehrere hunderte, vielleicht auch tausende volksdeutsche Kinder, die aus jugoslawischen Kinderheimen für Kriegsweisen, adoptiert waren, haben ihre Identität und Abstammung vergessen.
Heutiges Kroatien ist einverstanden mit der Verantwortung für das damalige Unrecht an den Donauschwaben und mit der Bereitschaft für eine Wiedergutmachung. Sie hat in der Gesetzgebung die deutsche Minderheit voll anerkannt und damit ein wichtiges Zeichen gegeben für eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem donauschwäbischen Weltdachverband.
Heute sind viele überlebende Donauschwaben und Ihre Nachkommen in zahlreichen donauschwäbischen Vereinen organisiert. Die Donauschwaben fühlen sich durch ihre Abstammung, Sprache, Kultur und Geschichte, miteinander verbunden.
Überlebende Donauschwaben und deren Nachkommen, wie auch ich, versuchen immer wieder die dramatische Geschichte und das tragische Ende der Donauschwaben in der Welt bekannt zu machen.



Eingereicht am 08. Juni 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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