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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Die Einladung

© Teodor Horvat


Am letzten Samstag waren bei uns in Djakowo die Gäste aus Wien. Unsere verehrten Gäste sind mit dem Bus gekommen. Genau vor unserer Kathedrale, auf dem Parkplatz, haben wir auf sie gewartet und ihnen gezeigt, wo sie parken können. Nachdem sie aus dem Bus ausgestiegen sind, haben wir sie begrüßt und gleich in unsere Kathedrale eingeführt, weil die heilige Messe noch nicht begonnen hat und wir wollten nicht stören. Dabei habe ich gesagt, dass der Umriss unserer Kathedrale von innen eine Form des lateinischen Kreuzes hat. Genau in dem Mittelpunkt des Kreuzes, wo sich lange und quer Schenkel kreuzen, unter der Kuppel, erhebt sich der Hauptaltar, der gleichzeitig dominiert durch die ganze Kathedrale. Architektonisch, künstlerisch und liturgisch gesehen, das ist die wichtigste Einzelheit in unserer Kathedrale. Eine Mensa aus Marmor, die auf acht Säulen steht, übersteigt der eindrucksvolle und gleichmäßige Baldachin aus dem Stein, der auf vier schlanken Säulen aus rotem Marmor liegt. Alle vier Seiten des Baldachins sind reichlich mit Steinschnitzerei verschönert und vergoldet. In jedem Flächenraum des Baldachins ist ein rund förmliches Medaillon und eine Büste aus Relief mit einen von vier westlichen Kirchenvätern: Grgur der Große, Ambrosie, Augustin und Jeronim. An die Ecken des Baldachins sind vier Statuen mit den vieren Evangelisten, welchen die vier Symbole in Fresko Technik entsprechen, auf dreieckigen Randsteinen der Kuppel. Über dem Großen Baldachin ist der Zweite, Kleinere, unter welchem der Patron der Kathedrale ist, heiligen Petrus der Apostel. Über dem kleineren Baldachin sind vier Engel, diese Engel tragen die Symbole des heiligen Petrus, welchen das vergoldete Kreuz überdeckt. Die Höhe des Hauptaltars ist 15 Meter und das Gesamtgewicht des Baldachins, aus dem der Altar besteht, beträgt 80 Tonen.
Die ersten Bauzeichnungen für den Altar hat Karl Rösner gemacht, aber auf Strossmayers Wunsch sind die Bauzeichnungen bearbeitet von Friedrich Schmidt.
Die Nebenaltare. Es gibt sechs Nebenaltare. Alle sind aus Istrianischem weißem Stein gemacht, nach den Bauzeichnungen von Friedrich Schmidt, Bolléa und der italienische Architekt Zeria und die Statuen waren von Vatroslav Donegani und Georg Feuerstein gemacht. Alle Nebenaltare sind wieder vergoldet im Jahr 1988.
Der Predigtstuhl ist in Form einer sechswinklig gebaut und von sechs Marmorsäulen getragen.
Die vier Flächen sind mit den Reliefen aus dem Stein, überdeckt.
Der Kreuzweg besteht aus 14 Reliefen des Jesusleidens und ist in Kathedrale im Jahr 1968 aufgestellt. Gemeißelt hat sie in dem weißen Stein aus Trogir, den akademischen Bildhauer Lujo Lozica.
Die Fresken auf den Wandflächen sind besonderen Reichtum und geben der Kathedrale besonders gemütlichen Eindruck. Die deutschen Bildkünstler, der Vater und Sohn, Alexander-Maximilian Seitz und Ljudevit Seitz, sind die künstlerischen Bilder in Fresko Technik, außer zwei, 12 Jahren lang gemacht. Dabei hat der Vater, Alexander-Maximilian Seitz, 13 Kunstgemälde in Fresko Technik, gemacht, und sein Sohn, Ljudevit Seitz, machte weitere 28
Kunstgemälde. Noch zwei machte auch ein italienischer Künstler, namens Ljudevit Ansiglioni.
Fresko, Freskomalerei, Technik der Wandmalerei: mit Wasserfarben auf dem feuchten Kalkbewurf einer Wand ausgeführt. Die Farben verbinden sich beim Trocknen unlöslich mit dem Kalk.
Motiven auf den Kunstgemälden sind aus der heiligen Schrift entnommen. Ausgewählt hat sie der Bischof Strossmayer. In Mittleren, Hauptschiff sind die Motive aus dem alten Testament und in dem Querschiff und Chor aus dem neuen Testament (Jesus leben, Apostelbilder und die Erscheinungen aus dem Leben Petrus der Apostel).
Wir haben insgesamt in die ganze Kathedrale 43 Kunstgemälden. Davon sind in Hauptschiff 10 Bilder mit Motiven aus dem alten Testament. In dem Querschiff, auf die südliche Seite, befinden sich weiteren 9 Bilder mit Motiven aus dem neuen Testament. Ebenso befinden sich auf die nördliche Seite des Querschiffes, weitere 9 Bilder mit Motiven aus dem neuen Testament. In dem Chor hinter dem Hauptaltar sind noch 6 künstlichen Gemälden aus dem neuen Testament, gemacht in Fresko Technik oder Freskomalerei.
Noch eine Weile haben wir unsere neuen Orgeln gehört, welche übrigens 73 Registern, 5.485 Orgelflöten, 3 Manuels und Pedal, besitzen. Nachdem die heilige Messe, begonnen hat und wir nicht weiter stören wollen, müssten wir die wunderschöne Kathedrale verlassen.
Draußen, vor Kathedrale, haben wir uns wieder gesammelt und ich könnte weiter erzählen.
Zuerst sagte ich etwas über unsere kleine Stadt und über den Bischof Strossmayer.
Unsere Stadt Djakowo ist zum ersten Mahl erwähnt in 13. Jahrhundert als ein Bischofssitz und das ist auch heute noch, obwohl die Grenzen nicht mehr dieselben sind.
Heute ist Djakowo ein Bischofzentrun des Bistums Slawonien und Syrmien.
Von dem Platz aus, wo wir gestanden sind, kann man die ganze Stadt überblicken.
Auf diesem höchsten Punkt in der Stadt Djakowo waren schon zwei Kathedralen gebaut und diese Kathedrale von Bischof Strossmayer ist schon die Dritte auf demselben Platz.
Die erste Kathedrale in gotischen Baustil wurde schon im 14. Jahrhundert erwähnt. Sie war mit einer Schutzmauer umgeben und die Reste von der gotischen Schutzmauer, können wir auch noch heute sehen. Als die Türken in Slawonien und Djakowo waren, zerstörte auch diese mittelalterliche Kathedrale aus 14. Jahrhundert. Nachdem die Türken gegangen sind, bauen die Bischöfe zweite Kathedrale auf den Ruinen von Erste. Sie war bescheidend und hatte schwache Konstruktion. Darum war auch beseitigt, zwei Jahren, bevor die Neue entstand. Dabei muss ich noch sagen, dass die türkische Besatzung der Stadt Djakowo, 150 Jahren lang dauerte.
Der Bischof Josip Juraj Strossmayer war damals 52 Jahren, alt als er begann diese Kathedrale, zu bauen.
Auf seine Statue, gegenüber von Kathedrale, steht, dass er im Jahre 1815 in Esseg, geboren wurde und starb an Lungenentzündung im Jahre 1905 und ist in Djakowo in Kathedralenkrypte begraben. Im Jahre 1849 bekam er in Wien die Benennung, Bischof des Bistums Djakowo und Syrmien.
Die Kirche projektierte ein Architekt aus Wien, namens Karl Rösner. Er übernahm auch die Baubeaufsichtigung aber nach drei Jahren, wurde krank und starb.
Sein Nachfolger war schon wieder ein Architekt, aus Wien, namens Friedrich Schmidt. Die Bauarbeiten dauerten über 16 Jahren: Genau gesagt ab achtzehnhundertsechsundsechzig bis achtzehnhundertzweiundachtzig (1866 bis 1882).
Die Kathedrale ist in Neuromanischen baustill gebaut. Um genau zu sagen in eine Kombination der Romanischen und Gotischen baustill. Darum, weil der erste Architekt, Karl Rösner, ausgeprägte Romantiker war und der andere Architekt, Friedrich Schmidt, Gotiker.
Grundmaterialien für den Bau waren hiesigen roten Ziegelsteinen, gemacht in ehemaligen Bischoffs Ziegelbrennerei, die noch heute existiert als Wienerberger Ziegelfabrik. Man hat festgestellt dass hier insgesamt 7.000.000. Stück Ziegelsteinen eingebaut sind. Auf sehr wichtigen Stellen sind auch Steine eingebaut. Mit ihrer Beschaffung hatte man gewisse Schwierigkeiten gehabt, weil in unsere Umgebung nur fruchtbarer Boden, vorhanden ist. Darum müsste man Steine einführen. Aus Ungarn und einer Stadt aus Slawonien führte man die Steine mit Pferdewagen und aus Istrien mit dem Zug bis Esseg und dann von Esseg bis hier ebenso mit dem Pferdewagen.
Unter der westlichen Mauer und Turm sind als Verstärkung, wegen zu weichem Grundboden, 394 Eichenbalken senkrecht in die Erde eingeschlagen.
Über eine breite Terrasse mit 21 Stufen führen in die Kathedrale drei Portale. Der Mittlere ist am schönsten. Gemacht in Romanischen baustill aus weißem Stein. Über die Balken, geschmückt mit Laubenköpfen, sind die Bögen. Tief in Bögen, über jede Eichentür, ist ein Relief.
Über mittlerem Portal ist ein Steinmedaillon vom Jesus der Gesetzgeber, arbeit von Vatroslav Deneganij. Das mittlere Portal endet mit einem massiven Kreuz aus Stein. Im mittleren Punkt der Vorderseite ist eine Rosette. Stilisierte Fenster aus Stein und Glas in Form eine mehrfarbige offene Blume, die einen Durchmesser von sieben (7) Meter hat. In die Mitte der Rosette ist ein Symbol des Gottes Anwesenheit. "Gottes Auge" aus Glas.
Über die Rosette ist ein Triptychon, Bilderversammlung gemacht in Majolika. Triptychon, aus drei Tafeln bestehendes Tafelbild. Den mittleren Platz besitzt Jesus auf dem Kreuz mit zwei Engeln in Hintergrund. Links und rechts von dem Kreuz - in den kleineren Nischen - sind die Erscheinungen des Traurigen Mutter Gottes und heiligen Petrus der Apostel. Über Triptychon in treppenartigen Bogen sind neun Bilder. Die Mittlere ist das Gottesschäflein. Auf jede Seite sind vier Engeln, davon jeder hält ein Transparent mit dem Text von einer der acht Evangeliumseligkeiten. Nach den Zeichnungen von Ljudevit Seitz, Triptychon und die Seligkeiten, hat Adrian Ferosi aus Rom gemacht.
Zwei schlanken Türmen, aus gerundetem Fassadenziegel, übersteigen die Fassaden und dominieren in der Stadt.
Der schönste Blick auf Hinterseite ist von einer Erhebung aus, auf welchem Friedhof liegt. Von dort aus sind wie auf der Hand alle drei halb gerundete Apsiden, geschmückte Giebel und die Kuppel mit Glockenturm im Hintergrund, sichtbar. Die Dächer auf Apsiden sind konusartig, gemacht aus Kupferblech. Die konusartigen Dächer übersteigen Giebeln, einrändeln mit dem Stein, jeder mit einer Steinblume auf der Spitze. Vierkantige Kuppeldach geht über in Achtkantige. Genau auf diesem Übergang, umkreist sie vier Türmchen. Auf der Spitze der Kuppel aus Kupferblech ist eine Laterne, die Zierde, ähnlich wie eine alte Leuchte mit vergoldetem Apfel und Kreuz. Die Kuppelzeichnungen hat Karl Rösner gemacht. Äußerliche Arbeiten auf die Kuppel sind feierlich gefeiert am 20.11.1870 mit Segnungen und aufstellen vergoldetes Kreuz auf die Kuppelspitze.
Die Kathedrale könnte auch nicht dem plötzlichen und großen Unglück in vergangenen Zeiten nicht entkommen. Noch im ersten Weltkrieg sind österreich-ungarische Soldaten, für Militärzwecke, aus der Kathedrale nur vier von fünf Glocken, entnommen. Am Anfang und am Ende des Zweiten Weltkrieges, die Kirche war ziemlich beschädigt. Als sich im Jahre 1941 in allgemeines Durcheinander, die jugoslawische Soldaten durch Djakowo zurückziehen, ein jugoslawischer Regimentskommandant, befiele seinen Artillerieregiment, auf die Kathedrale zu schießen. Genau am diesen Tag war Karfreitag. Zwei Granaten sind die Wand der nördlichen Apside getroffen und dabei großes Schaden eingerichtet. Diese Stelle ist noch heute sichtbar, weil bei Bausanierung ein Granatenstück, in dem Wand geblieben ist, als Erinnerung an diesen schweren Zeiten. Am ende des zweiten Weltkrieges, waren noch wesentlichen Beschädigungen, weil die Kathedrale unter dem Feuerbeschuss lag, dabei ist am schlimmsten die Gemälde vom Ljudevit Seitz, die Jesustaufe, beschädigt. Die Kathedrale hatte auch in seine Geschichte drei Erdbeben erlebt. Der Dritte in Jahre 1964 war am schwersten und dabei war auch das Uhrwerk aus Ulm zerstört. Im Jahre 1933 war in unsere Kathedrale noch ein Großfeuer, dabei sind die ersten Orgeln aus Öttingen ganz verbrannt.
Heute lebt die Kathedrale, zusammen mit uns. In die Kathedrale ist regelmäßig, jeden Tag und besonders feierlich am Sonntag und Feiertagen, die heilige Messe. Schon über hundert Jahren, seit Kathedrale besteht, sind in die Kathedrale verschiedene Versammlungen, Festlichkeiten und Konzerten. Damit sind die Anregungen zur Einheit, Einigkeit und Liebe, gegeben. Von Tag zu Tag nehmen die Kathedrale unter seine Dächer, Gläubiger und Absichtlichen sowie auch Gästen und Durchreisender. Um sie zu bewundern, veredeln und beruhigen.
Nachdem ich ziemlich alles gesagt habe, was ich wusste und das ist gewiss lang noch nicht alles. Unsere verehrten Gäste aus Wien haben sich bei uns bedankt und uns alle nach Wien eingeladen. Obwohl ich noch nie in Wien war, wusste ich schon, dass Wien eine wunderschöne Stadt ist und dass sich auf dem Heldenplatz in Wien eine Reiterstatue, von österreichischem Volksheld, befindet. Die ich sehr gerne sehen möchte. Der Held heißt natürlich Prinz Eugen und seine kluge Worte als er zu österreichische Machthaber sprach, werde ich nie vergesse. Er sagte damals: "... Sie sollen Ihnen ein neues Reich gründen aber nicht mit dem Schwerte, wie Reiche sonst gegründet werden, sondern mit Spaten und Pflug". Damit meinte er uns, die Donauschwaben.
Nachdem wir uns verabschiedet haben und ihnen eine gute Reise gewünscht hätten, bin ich wieder in die Kathedrale hineingegangen, um die heilige Messe zu Ende anzuhören.



Eingereicht am 03. Juni 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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