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Die Wahrheit über die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau

© Felix Clervaux


Seit nun schon mehr als einem halbem Jahrhundert führt die Frau eine ganz besondere Art von Krieg gegen den Mann.
Es ist ein kalter Krieg, der weniger auf aktuellen Fakten basiert. Eher auf der Rache für Unterdrückung und Knechtschaft, welche die Frauen seit Anbeginn der Menschheit bis eben zu jenem Moment, der als Nachkriegszeit bekannt ist, erfuhren.
Und dafür sollen die Männer auch in der heutigen Gesellschaft weiterhin büßen müssen.
Noch immer tun die Frauen in der so genannten zivilisierten Welt so, als ob sie grundsätzlich benachteiligt, chancenlos und unterbewertet sind.
Das ist ein genialer Trick, denn jeder Mann weiß: ich muss vorsichtig sein bei jedem Schritt, bei jedem Ton, immer an die Gleichberechtigung denken. Was in der Praxis nichts anderes heißt als: lieber eine Frau bevorzugen, als dass sich eines fehlenden Gleichberechtigungssinns schuldig machen.
Und kein Mann würde ein Wort dagegen zu erheben wagen.
Und die Frauen, egal ob ausreichend fähig, intelligent, attraktiv oder nicht, unterdrücken Gelächter. Und erreichen fast alles, was sie wollen.
Und zahlen es so den Männern heim.
Sie sind Königinnen und Nobelpreisträgerinnen.
Sie sind das Gesicht des Fernsehens, der Musik, der Modewelt und lächeln von jeder Illustrierten.
Und bekommen Millionen dafür.
Prominenten Männern werden ständig Drogenexzesse, Perversionen, Gewalttätigkeiten, Ehebruch und unehrenhaft gezeugte Kinder unterstellt, bevor sie auch nur einmal blinzeln können.
Prominente Frauen sind immer sauber. Sie tun nie einer Fliege etwas zuleide, nippen höchstens mal an einem Glas Prosecco und verklagen ihre Gatten auf Millionen Unterhaltszahlungen, sobald diese in Gegenwart einer anderen Frau auch nur ein- und ausatmen.
Bürgerliche Frauen schlagen ihre bürgerlichen Männer nie. Sie werden nur geschlagen.
Sie betrügen ihre Männer auch nie. Sie flüchten sich nur aufgrund der Böswilligkeiten ihrer Angetrauten in die Arme eines anderen.
Dass meine Mutter, weil es sie gestört hat, dass ihr Gatte ihrer Ansicht nach zu viel abendliche Zeit vor dem Fernseher verbringt, mit einem Stockschirm auf meinen Vater eingeprügelt und mit schweren Glasaschenbechern nach ihm geworfen hat, kann dann auch nicht stimmen. Und dass die Wunden im Krankenhaus genäht werden mussten.
Denn ich bin ja auch ein Mann. Wenn ich auch damals nur ein Junge war.
Ich hatte aber doch nie ein gutes Verhältnis zu meinem Vater. Aber, ach ja: er ist wie ich ein Mann.
Und heute?
Die Schwierigkeiten, ein Geschäft zu finden, in dem ich etwas zum Anziehen kaufen kann; vor lauter Frauenwahn und -kult gibt es ja kaum noch Läden, in denen es Bekleidung für das männliche Geschlecht gibt.
Vielleicht sollte ich anfangen, Röcke zu tragen.
Frauen haben ja inzwischen alles, was Mensch am Leibe zu tragen imstande ist, für sich gängig gemacht. Ob Hosen, Anzüge und Krawatten, selbst Gamaschen.
Wenn ich ein Kleid anziehen würde, wäre ich eine Tunte, eine Transe, schwul, abartig.
Und sonst?
Ich habe nicht viel gelernt im Leben. Ich bin ein einfacher Verkäufer. Eine Domäne der Frauen. Und deshalb bin ich arbeitslos.
Wo ich mich beworben habe, hat man dann doch letztlich jemand genommen, der den Mund besser schmollen, die Haare spektakulärer schütteln und einen Rock hochziehen konnte.
Ich habe bei meiner Wahl einer Ausbildung einen Fehler
gemacht: ich hätte Schlosser, Betonfacharbeiter oder zu so einem Kumpel im Bergbau werden müssen. Dann hätten meine Chancen womöglich besser gelegen.
Darüber hinaus... bin ich so hässlich wie ich eben bin.
Ich kann mein Gesicht zu einem Vorstellungsgespräch eben nicht durch Schminke manipulieren. Ich kann mich gut rasieren, mich korrekt anziehen und habe dennoch wenig Aussichten.
Ich könnte dabei ja auch auf eine Frau treffen.....
Wieder nichts. Gerade Frauen als Vorgesetzte sind noch unbarmherziger, selbst wenn ich aussähe wie George Clooney.
Ein Mann dagegen ist... (offenbar) ein Mann.
Sie, die Bewerberin: nicht unbedingt blond, viel Bein, die Spur einer Ahnung zur Bereitschaft, dass es mehr als ein geschäftliches Verhältnis sein könnte.
Er, der Chef: die Fünfen im Zeugnis und der Diebstahl auf der letzten Arbeitsstelle sind aufgrund des optischen Eindrucks nicht wirklich ein Hindernis zur Einstellung.
Und wenn es doch zum Äußersten kommt? Dann schreit sie "Hilfe, Hilfe, Vergewaltigung!" Und alle eilen herbei.
Und dann war es ein Irrtum, ein Versehen, aber die Situation ist bereinigt. Und jeder sagt: "Besser etwas zu misstrauisch und vorsichtig sein. Es hätte ja wirklich etwas passieren können." Und dann grinst sie in sich hinein.
Könnte ich als Mann dies jemals auch nur im Ansatz glaubwürdig machen?
Manchmal glaube ich, dass Frauen Männer grundsätzlich hassen.
Ich bin ein Mann und will keine Macht. Nur einen Job.
Und nicht einmal den bekomme ich. Wegen Frauen.
Hätte ich mich nur rechtzeitig zum Bundeskanzler ausbilden lassen.



Eingereicht am 17. Mai 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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