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Mein Leben nach meinem Schlaganfall

© Erna Landsknecht


Mein Leben nach meinem Schlaganfall.
Mein Leben hatte sich nach meinem Schlaganfall total verändert. Ich stand damals noch mitten im Leben als ich davon getroffen wurde. Ganz plötzlich und unvorbereitet von einer Sekunde zur anderen traf mich mein Schlaganfall wie ein Blitz aus heiterem Himmel.
Ich bin ich bis zu dem verhängnisvollen Tag noch Auto gefahren. Ich musste von Heute auf Morgen mein liebstes Kind das Autofahren ganz aufgeben. Das hatte mich sehr traurig gestimmt.
Ich musste obendrein noch meine schöne Wohnung mit allem Inventar auch noch aufgeben. Ich hing doch an jedem Möbelstück, das ich in meiner Wohnung hatte. Davon kann man sich nicht so leicht trennen als ob man sein Kleid aus zieht und es dann bei Seite legt.
Das alles ist ja gut und schön, was ich besessen hatte, das sind nur noch äußerliche Werte, die kann man noch ersetzen. Nur meine Gesundheit die konnte mir niemand mehr zurück geben, damit musste ich ganz alleine fertig werden.
Schlimm war es für mich, dass ich bei der Auflösung meiner Wohnung nicht mit dabei sein konnte. Mein Sohn mit seiner Frau und deren Kinder haben für mich meine schöne Wohnung geräumt. Was sie selber nicht gebrauchen konnten, das haben sie entsorgt oder haben es in den Container getan. Auch meine Kleidung und Wäsche wurde zum größten Teil viel zu schnell beseitigt. Ich habe doch an so manchem Kleidungsstück gehangen und hätte es gerne mit genommen.
Und darüber war ich wie am Boden zerstört. Was wollte ich wohl groß dagegen unternehmen, mir waren doch die Hände gebunden und ich konnte selbst nicht bestimmen was für mich sehr wichtig erschien.
Nach meinem drei wöchentlichen Krankenhausaufenthalt in Brilon, wo man mich wegen meinem Schlaganfall behandelt hatte, brachte man mich in die Klinik am Stein in Olsberg im guten Glauben, dass sie mir dort helfen könnten. Ich hatte meine Hoffnung noch nicht ganz auf gegeben, denn ich wollte doch um jeden Preis das Laufen noch lernen.
Da hatte ich mich doch ganz gewaltig geirrt. Ich habe es nicht mehr lernen können dafür war mein Schlaganfall zu heftig gewesen. Ich bin wohl für den Rest meines Lebens an den Rollstuhl gefesselt.
Nachdem ich aus der Klinik am Stein entlassen wurde, brachte man mich auf meinen Wunsch und den meines Sohnes nach Lohfelden in das hiesige Altenheim damit ich in seiner Nähe bin. Er wohnt mit seiner Frau in Kassel, seine drei Kinder wohnen nicht weit davon entfernt. Leider besuchen sie mich nur nicht so oft wie ich mir das vorgestellt habe.
Sehr schlimm ist es für mich, dass ich doch auf fremde Hilfe angewiesen bin besonders die Toilettengänge konnte ich nicht mehr wie gewohnt selber ausführen. Weiter musste ich feststellen, dass es hier viele alte demenzkranke Frauen und Männer gibt. Sie alle sind ja im wahrsten Sinne noch viel schlimmer dran als ich es bin.
Immerhin hat mein Kopf durch meinen Schlaganfall so gut wie nichts mit bekommen. Meine grauen Hirnzellen waren nicht abgestorben ich kann noch frei und klar denken.
Aber manchmal wünsche ich mir, dass ich nicht alles so auf die Goldwaage legen sollte. Das würde mein Leben im Altenheim doch wesentlich erleichtern.
Aber die armen Menschen, die schon nicht mehr wissen, warum sie im Altenheim ihr Leben fristen müssen, tragen ihr auferlegtes Schicksal viel schwerer. Sie leben aber in ihrer eigenen Welt. Und das hat unser Herrgott so eingerichtet, dass die vielen Kranken dennoch zufrieden sind.
Unter Anderen haben wir hier auch noch eine Frau die mit ihren zwei ausgestopften Katzen spricht. Sie glaubt auch, dass sie von ihren Tieren verstanden wird. Sie fährt ihre Lieblinge auch nach draußen sie meint, dass ihre Katzen frische Luft atmen müssen. Schlimm daran ist noch, dass sie ihre Katzen füttern will. Auf meine Frage deine Katzen können doch nichts mehr fressen, oder auch reden. Darauf gab sie mir zur Antwort lass mich in Ruhe. Auch kann sie recht böse werden. Aber wir lassen sie in ihrem Glauben, damit fährt man bei ihr am Besten.
Wir haben hier noch eine Frau die sich selber gerne singen hört. Wenn man sie bittet damit auf zu hören, dann singt sie noch viel lauter, leider können wir ihre Stimme nicht so einfach ab stellen wie ein Radio. Auch an diese Spielchen musste ich mich erst einmal gewöhnen. So manches mal habe ich mich gefragt "Erna wo bist du gelandet." Auch damit musste ich mich auseinander setzen, der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier.
Da gibt es noch einige Bewohner, die sich hier auf dem Flur nicht mehr zurecht finden und nicht wissen in welchem Zimmer sie wohnen. Auch das finde ich sehr schlimm. Es ist gut, dass sie alle in unserem ehrenwerten Altenheim gut aufgehoben sind. Was wollten wir alten Leute wohl anfangen wenn es keine Altenheime geben würde, viele würden doch verwahrlosen.
Aber manches mal habe ich doch noch Heimweh und möchte gerne nach Brilon reisen, wo ich einst gewohnt und gelebt hatte. Das sind nur unerreichbare Wunschträume von mir. Durch meine linksseitige Lähmung bin ich ja auf meinen Rollstuhl angewiesen, sonst könnte ich mit der Eisenbahn nach Brilon reisen. Meine Freundin und auch die Kinder von meinem verstorbenen Lebensgefährten würden sich bestimmt auch freuen.
Nun da dieses nicht mehr möglich ist, habe ich mich daran gewöhnt mein Leben hier zu fristen. Ich kann noch glücklich sein, dass ich mit meinem Rollstuhl gut umgehen kann. Wenn das Wetter es zu lässt, fahre ich auch damit nach draußen. Gerne hätte ich ja einen elektrischen Rollstuhl gehabt. Nur das genehmigt mir meine Krankenkasse nicht mehr.
Ich kann nur froh sein, dass ich hier auch eine nette Bewohnerin mit ihrer Familie kennen gelernt habe. Mit ihnen kann ich mich noch gut unterhalten. Das bringt mir ein wenig Abwechslung in meinem Dasein. Sie kaufen für mich Obst oder etwas anderes ein was ich so benötige.
Auch möchte ich meine Urenkel gerne wiedersehen. Aber meine Enkelkinder sagten zu mir, sie hätten nicht so viel Zeit. Die Kinder müssen für die Schule viel lernen.
Nur wollte ich daran nicht so recht glauben. Der Grund dafür war wohl ein anderer gewesen, warum sich meine Enkelkinder mit ihren Kindern so rar gemacht hatten. Wir hatten uns etwas auseinandergelebt und das nur wegen eines kleinen Missverständnisses. Das ist alles gut und schön überall kommt es in der Familie einmal zu Unstimmigkeiten. Darüber sollten wir uns aussprechen, das reinigt die Luft. Aber als Mutter und Oma habe ich dann eingesehen, dass es besser ist, mich mit meiner Familie wieder zu versöhnen. Und das war für mich eine sehr große Erleichterung gewesen zu wissen, dass mein einziger Sohn mit seinen Kindern und Enkeln den Weg wieder zu mir gefunden hatte.
Heute lebe ich schon fünf Jahre im Altenheim und nehme mein Leben so hin wie es kommt. Ich kann daran sowieso nichts ändern. Aber mit unseren Schwestern und dem übrigen Personal, sowie der Heimleitung komme ich bestens aus. Das war am Anfang nicht der Fall gewesen, da gab es schon manche Unstimmigkeiten. Ich habe aber eingesehen, dass ich mich der allgemeinen Hausordnung anpassen musste, damit bin ich bis heute ganz gut gefahren. In einem so großen Heim wie dem unserigen kann nicht ein jeder machen was er gerne möchte, da muss man schon ein paar Abstriche machen.
Und später stellte ich fest, dass ich die Fähigkeit besaß, Gedichte zu schreiben. Kurz darauf schrieb ich meine ersten Geschichten. Dieses hatte ich mir dann zu meinem Hobby gemacht. Ich hatte mir dann noch einen Computer gekauft, um meine Geschichten damit an meinen Verleger Doktor Henss weiter zu geben. Er bringt dann alle meine Geschichten auf seiner Webseite, die im Internet zu lesen sind.
Ich habe noch mit meinem Computer gelernt um zu gehen trotz meines Alters von 83 Jahren. Dafür danke ich jeden Tag meinen Herrgott, dass er mir meine Fähigkeit gegeben hatte mit einem PC noch umzugehen. Aber gelernt hatte mir das Ganze ein sehr hilfreicher Rentner. Dieser nette und hilfreiche Mann hatte es sich zur Aufgabe gemacht, mir das Schreiben an meinem PC noch bei zu bringen. Ich will nur hoffen, dass ich noch lange meine Freude damit haben darf. Meinem Lehrmeister sage ich "meinen Dank." Ohne ihn wäre es mir nicht möglich gewesen noch mit einem PC um zu gehen.
Das ist aber noch nicht alles, was der rüstige Rentner noch macht. Er fährt nebenbei noch ehrenamtlich viele unserer Bewohner aus dem Altenheim spazieren. Schade, dass es nicht noch mehr von diesen hilfsbereiten Mitmenschen gibt, damit wäre so manchem Bewohnern geholfen.
Ich habe in so kurzer Zeit soviel gelernt, dass ich mit meinem PC schon im Internet surfen kann. Das hatte mich sehr glücklich gemacht. Ich freue mich immer wenn ich noch etwas dazu lernen kann. Nebenbei macht es meinem Lehrmeister auch noch spaß, dass ich eine gelehrige Schülerin bin. Denn Lernen kann man ja nie genug. Meinen Computer gebe ich nicht mehr her, Ich verbringe auch viel Zeit damit, der Tag ist nicht mehr so langweilig für mich.
Bei uns im Altenheim geht es auch öfter recht lustig zu. Wir feiern in unserem Mehrzwecksaal frohe Feste. Dort trinken wir in gemütlicher Runde unseren Kaffe, essen Kuchen oder die Torte. Wir langen dabei tüchtig zu, anschließend gibt es Wein, Sekt oder Likör. Diese Getränke halten uns alte Bewohner bei guter Laune.
Und zur Abwechslung kommen auch Künstler zu uns die ihr Können vortragen. Das lenkt uns Bewohner von unseren Alltagsorgen etwas ab. Das Sommerfest ist auch nicht zu verachten, es ist ganz einfach "Spitze." Da geht es bunt und lustig zu und wenn das Wetter dann noch mit spielt, feiern wir auch draußen. Viele Angehörige und Besucher aus Nah und Fern kommen gerne zu uns um mit uns zu feiern. Und wie wir alle Jahre fest gestellt haben, kommen sie alle gerne in unser "Ehrenwerteshaus." Wir Bewohner wollen hoffen, dass es noch lange so bleiben wird.
Also ihr lieben Leute so schlimm ist es nicht mehr in einem Altenheim zu leben. Denn alle Angestellten und die vielen Pflegekräfte unseres Hauses bemühen sich auch liebevoll um uns. Und wer etwas anderes sagt, der hat noch nicht hier herein geschaut. Darum rate ich jedem, wenn es den Tag der offene Türe gibt, doch einmal im ASB Altenheim nach Lohfelden vor bei zu kommen. Ein jeder der den Weg zu uns findet ist ein willkommener Gast.



Eingereicht am 09. März 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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