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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Traumwelt

© Hannah Schmider


An einem kleinen Steg kann man oft ein junges, blondes Vögelchen zu Gesicht bekommen. Es ist bemüht, sich im Gleichgewicht zu halten, denn der starke Wind scheint es fast wegtragen zu wollen. Seine Füßchen krallen sich am Steg fest, eigentlich müsste ihm kalt sein, auch wenn es so wäre würde er es nicht spüren, denn er ist mit seinen Gedanken jenseits der Realität.
Er ist ein scheues, nicht sehr kräftiges Wesen, das keine sehr hohe Meinung von sich besitzt. Ein Wesen, das am liebsten alleine, an einem menschenleeren Ort verweilt wo es träumen kann. Träumen von einer Welt, die es sich in Gedanken errichtet hat. Gerne träume ich mit ihm zusammen und genieße die Momente mit ihm doch jetzt will ich das Vögelchen WACHRÜTTELN!
WACH AUF! WACH AUF! Siehst du nicht die Welt, deine Freunde, deine Geschwister, deine Familie (Menschen und Dinge, die dich lieben). Mach nicht immer alles so wie du es willst, was du für richtig hältst, gehe auch mal unangenehme Wege!
Das Vögelchen fliegt in die Lüfte empor, es will gegen den starken Wind ankämpfen; entweder der Vogel schafft es oder er fällt zu Boden und stirbt! Es ist ein Vogel, der die große weite Welt erkunden möchte, der ausreißen will aus seinem bisherigen Leben weil er denkt, woanders ist alles besser; in einem fremden Land, bei fremden Leuten. Alles gibt er dafür auf in der Hoffnung woanders sein Glück zu finden! Jedes Lebewesen denkt anders über solche Situationen, doch immer eine Traumwelt aufzubauen und zu hoffen, es wird alles danach verlaufen, erscheint ziemlich naiv! Der Vogel wird vielleicht eine bittere Enttäuschung erfahren und vor Schreck sein Leben wegwerfen.
Wovor fliehst du? Vor dir selbst, vor deinen Problemen ?
Obwohl das Vögelchen in seiner Heimat Freunde hat und nur die Familie das eigentliche Problem ist, will er auf und davon fliegen.
Ich werde den kleinen Vogel vermissen und hoffe, dass er nicht hilflos umherirrt, sondern Anschluss an eine große Vogelschar findet.
Flieg, Vogel, flieg so weit du willst, doch pass auf, dass dich die Realität nicht einholt damit du nicht hinab stürzt und in der Realität landest!



Eingereicht am 12. April 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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