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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Kalte Romantik

© Benjamin Klingemann


Spürst Du das Klopfen meines Herzens, fragte ich Sie... Sie wusste es nicht! Erst als ich begriff, was geschehen war streichelte ich Ihr über das kalte Gesicht... Ihre Augen waren offen... so weit... und klar! Was hatte ich falsch gemacht, fragte ich Sie... Sie wusste es nicht Langsam kam die erstickende Wahrheit in mir hoch. Sie antwortete nicht... also konnte Sie es doch nicht wissen, oder? Wieder einmal... wieder einmal war es soweit. Mein Herz schient tot und mein Kopf so leer... Langsam stand ich auf; erhob mich von den Knien. Hatte Sie mir schon verziehen??? Gerade als ich stand riss es mich wieder auf die Erde. Ein dumpfer Ton erhallte. Warum? Warum bloß? Langsam, so unendlich langsam rollte mir eine Träne durchs Gesicht... Nun lag ich da... wie ein gequälter Hund. Ich schaute aus dem Fenster... der Himmel war grau! So trist... ein seltsamer Kontrast zum schneeweißen Krankenbett. Langsam streckte ich meine Hand in Richtung Ihres Gesichtes... Sie zitterte... Sie zitterte so sehr. Mit dem Zeigefinger berührte ich sanft Ihre Lippen und streichte über Sie hinweg. Ihre Lippen waren stumpf... ohne jegliche Farbe, ohne jegliche Wärme. Küss mich, flüsterte ich, küss mich! Nichts... mittlerweile sammelten sich immer mehr Tränen an meinem Kinn zu einem großen salzigen Wassertropfen! Behutsam zog ich Ihr die Schläuche aus der Nase.... auch die Nadeln in Ihrem Körper konnte ich nicht mehr länger ertragen, ich entfernte sie vorsichtig. Küss mich doch endlich, wisperte ich kaum hörbar... ich hauchte über Ihre Hand. Keine Reaktion! Keine Gänsehaut wie sonst immer... Ich war nun so lange auf dieser Erde und verstand den Unterschied zwischen roh mit h und ro ohne h... Es war mir nicht mal mehr ein Augenzwinkern wert, denn jetzt lag ich hier... wie ein gequälter Hund! Ich legte meinen Kopf auf Ihren Bauch... Würde eine Mulde in der toten Haut zurück bleiben? Es war mir so egal... selbst den Schmerz konnte ich nicht mehr spüren! Ich fuhr Ihr mit meiner steifen Hand durch die Haare... Sie waren so schön... noch immer! So schön....
Schönheit nehmen. Schon vorher hatte ich so etwas vermutet... Warum Sie es wohl tat, fragte ich Sie... Sie wusste es nicht. Ich küsste Sie... Sie wehrte sich nicht. Der Tropfen an meinem Kinn löste sich. Man konnte hören wie er auf der Erde zersprang... wie eine Glasperle aus Trauer... klirr. Ich liebe Dich, sagte ich und nahm Ihre Hand... Ich stand auf und spürte einen stechenden Schmerz... war es die Nadel in meinem Knie? Oder doch nur die Leere in meinem Kopf... Ich dachte Du wärst tot, hauchte ich, aber Du lebst... Ich schüttelte den Kopf und meine Lippen bebten als ich weiter sprach, nun trifft es mich.... Ich sterbe, das spüre ich... hinfort ging ich durch die Tür und als die Tür sich schloss starb ich...



Eingereicht am 21. März 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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