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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Alptraum

© Regina Kaute


Nur noch kurze Zeit, dann war Feierabend. Man, war sie wieder geschafft und trotz stundenlanger Arbeit, stapelten sich noch immer Post und Briefe auf ihrem Schreibtisch.
Doch nun war endlich Wochenende und sie war froh darüber.
Computer aus, Telefon umgeschaltet, Türe zu - Juchhu.
Jeden Freitag um diese Zeit, strömte ein Glücksgefühl durch ihren Körper.
Ja Wochenende, endlich Zeit für mich, Zeit etwas zu unternehmen.
So verließ sie voller Vorfreude das Büro, drückte auf den Fahrstuhlknopf und wartete.
Als sich die Fahrstuhltür öffnete und sie hineinschlüpfte, musterten sie zwei graugrüne
Augen. "Wie aufdringlich", dachte sie in diesem Moment und drückte sich in die äußerste Ecke des Fahrstuhls.
Doch was war das? Ein Holpern, Knirschen und plötzlich blieb der Fahrstuhl stehen.
Das Licht begann zu flackern, ihre Augen weiteten sich und starrten auf die Lampen.
Was war das für ein Schein, grau-grün? Wie ein Magnet zog es sie an. Sie wollte sich wehren, konnte nicht. Schweißperlen bildeten sich auf der Stirn, das T-Shirt wurde nass.
Grau-Grün, ein stechender Blick ließ sie in die Tiefe fallen. Wie ein Sog zog es sie fort, fort immer tiefer, immer dunkler. Sie versuchte Halt zu finden, es war so rutschig, glitschig, ja jetzt rutschte sie auf grünem Schleim, immer tiefer. Nebelschwaden taten sich auf. Sie konnte nicht sehen, wohin es ging. "Nein, bitte nicht in die Dunkelheit", waren ihre Gedanken, aber die grüne Masse ließ nicht los. Sie schloss die Augen, wollte nicht hinsehen, sie wurde immer schneller, immer schneller - jetzt in den Nebel. "N e i n !..." Ein innerer Schrei - konnte aber nicht raus, blieb stecken. Wasserperlen setzten sich auf ihr Gesicht, Hals, auf die Kleidung.
Es war unangenehm, jetzt kam Wind hinzu. Die Haarspangen lösten sich. Wirr wehten die Haare. Sie konnte nichts machen, sah in die Tiefe und mit zusammengekniffenen Augen versuchte sie etwas zu erkennen. Da - ein Loch, sie glitt genau darauf zu und fiel hindurch…
Zwei starke Arme fingen sie auf, zwei grau-grüne Augen sahen sie an.
"Geht es Ihnen nicht gut?"
In diesem Moment setzte sich der Fahrstuhl wieder in Bewegung.
"Doch, doch", sagte sie, langsam aus ihrer Starre erwachend. Es war nur…, na, ja, vielen Dank und ein schönes Wochenende." Aus dem Fahrstuhl gehend schaute sie auf ihre Uhr.
Es waren nur ein paar Minuten vergangen.



Eingereicht am 16. März 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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