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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Laetitia & Blues

© Peter Oefele


Piano, Akustikbass und Drums. Schwerer Blues zu gutem Bourbon. Ein ebenhölzerner Tresen in verrauchtem Gewölbe. Lichtverhältnisse wie sie nur der Trinker kennt. Ein Saxophon schreit nach Gefühlen. Keine Gespräche; Nur coole Atmosphäre. Verzerrte Blicke ohne Fokus allerseits. Alles Rhythmus. Pures Glück! Hier unten; Endlich wieder am Ende. Verzückt lauschend, alles verloren, den Tränen nahe.
Dann ein ekstatischer Traum. Gewaltig, verheerend, ergreifend und schockierend. Aus dem Nichts! Mit Sicherheit der reinste Augenblick des vergangenen und zukünftigen Lebens. Die ersten Halluzinationen? Noch ein Schluck Whiskey. - Sex!
Sie ist real und steht wahrhaftig neben ihm. Kein Sinn mehr für Musik, soeben hat er alles verloren. Ein Kleid aus einer anderen Welt, ganz blau und federleicht. Von einer einfachen Schleife, hinten am Hals, zusammengehalten. Nur ein einziger Zug und...
In ihren hellblauen Augen vermag er seine ungeborenen Kinder zu erblicken. Sie fordern ihm ein ganzes Leben ab. Alles ist zu Ende. Schade! Der Gedanke an warme Semmeln zum Frühstück. Brünettes Haar - so voll, so weich zur Seite geworfen - mit natürlich blonden Strähnchen. Jede Pore ihrer makellosen, fast durchsichtigen Haut ist bedeutender als alles Leben dieser Welt hoch zehn. Schon jetzt - vor dem finalen Zug - so viel nackte Haut! Schlüsselbeine mit tausend Details - Rokoko. Dieser Duft! Diese Hitze! Haut! Und alles überschattend die jüngsten Lippen. Ein einziger Kuss. Sehnsucht nach einem Waldspaziergang im eisigen Winter. Berstende Brüste, so fest und kaum versteckt. Ein ewiges Zungenspiel. Schreiende Lenden, tausend Orgasmen, ein offener Kamin und wahre Liebe. Unendliche Zärtlichkeit!
Er sieht ihr an, dass sie um ihre Wirkung auf ihn weiß, dass sie frustriert mit Männern nur spielt. Aber jetzt hat sie keine Chance mehr. Ihre nächsten Jahre sind bereits verplant. Mit einem Schlag versteht er, dass die ewige Einsamkeit doch nicht stattfinden wird. Der gesamte Kampf eines Mannes wird heute Nacht fürstlich belohnt. Er wollte es vergessen haben. Doch nun ist alles verrückt. Er gibt auf und lässt sich gerne brechen. Und wird ihr nie vertrauen. Nie wieder der Mann sein können, den er so sehr liebte...
Bis sie endlich lächelnd sagt: "Komm, wir gehen!"



Eingereicht am 28. Februar 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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