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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

KUNDE KÖNIG - einmal anders

© Meiko Gutmann


Wir alle sind Verbraucher. Somit erwerben wir uns mit der Inanspruchnahme einer Dienstleistung den Status des Königs. Herrscher über den persönlichen Handlanger namens Verkäufer. Dieser hat uns höflichst zu bedienen, sollte uns jeglichen Wunsch von den Lippen ablesen und überdies hinaus den besten Preis bescheren.
Entspricht der Gemütszustand des Verkaufsberaters mal nicht bester Laune, erfüllt er nicht unseren Wunsch, und geht überdies hinaus preislich ebenfalls nicht an seine Grenzen, spricht die Mehrheit hier von schlechter Beratung. Dabei sollte sich so manch Verbraucher mal das eigene Dienstleistungsgebaren vor Augen führen. Fakt ist doch, dass wir alle, egal welcher Branche wir angehören, in einer speziellen Form der Prostitution dienen. Sei es die Kassiererin bei Aldi an der Kasse, der Tankwart einer freien Tankstelle um die Ecke, die Krankenschwester aus dem Hospital, der Beamte von der Zulassungsbehörde usw. ... Selbst der Obdachlose am Straßenrand sollte ob unserer fünfzig Cent Geldspende eine immer währende Freundlichkeit an den Tag legen. Gerne hätte der Herr Verbraucher, der heilige Sankt Martin in Person, noch den einen oder anderen Service anbei. Warum in drei Teufels Namen putzt mir dieser Penner nicht noch die Schuhe, bietet sich an, meinen Hund Gassi zu führen oder bedankt sich in Form einer kleinen Haribo-Fruchtgummitüte?
Der Verbraucher von Heute ist nicht mehr satt zu bekommen. Geiz ist geil oder warum manchmal die Beratung auf der Strecke bleibt. Wider dem Verständnis für seinen Gegenüber, geht es schon beim Betreten des Geschäfts um die Aussicht auf ein Schnäppchen, einen echten Preishammer, das Sonderangebot. Wenn wir es gefunden haben, entbrennt der Kampf um den Preis.
"Geht es noch günstiger? Wenn ich mein gebrauchtes Auto nicht in Zahlung gebe, welches Angebot können Sie mir dann unterbreiten? Ich hab schon Hier, Da und Dort nachgefragt, Drüben bekomm ich noch die Einparkhilfe kostenlose verbaut. Außerdem pudert mir der Verkäufer bei der Firma meinen Hintern. Sparen Sie sich den Kaffee, die Plätzchen, die Frage nach meinem Wohlbefinden. Beratung? Brauch ich nicht, erstens hab ich mich über das Internet erkundigt und zweitens haben die anderen vier Verkäufer vor Ihnen schon meinen Bedarf an zu klärenden Fragen gedeckt. Schwarz auf Weiß, bitte nun Ihr Preis?!"
So manch Verkäufer fragt sich zu Recht. " Was verkauf ich nun? Mein Produkt oder den Preis?" Klar sollte es jeder Verkäufer gelernt haben, auf solche Kunden dementsprechend zu reagieren. Aber vielleicht sollten wir uns alle auch vor Augen führen, dass hinter dem Anzug, der Krawatte und den Manschettenknöpfen auch nur ein Mensch steht. Einer der an schlechten Tagen übel gelaunt über das Verkaufsparkett stiefelt, einer der partout nicht auf den Kunden eingehen will. Vielleicht aber auch jemand dessen Beruf"ung" es ist, sein Produkt zu verkaufen und nicht zu verschenken. Daher der vielsagende Begriff VERKÄUFER. Jemand der sich selbst, nebst seinem Produkt zu inszenieren weiß, dessen Beratung für den Kunden von größter Bedeutung sein kann. Dessen Engagement darauf abzielt, in dem Interessenten einen zufriedenen, sich verstanden gefühlten Kunden zu akquirieren. Dem es Spaß macht, über den Dialog eine Bindung zum Kunden aufzubauen.
Mit Sicherheit gibt es auch schwarze Schafe aus der Gilde der Verkäufer. Aber muss man deshalb jeden in die Schublade "Abzocker" stecken. Wer Böses dabei denkt sollte doch gleich über das Spiegelbild zur Gesellschaft sinnieren. Oder den biblischen Vergleich "wie Du mir, so ich Dir" zitieren. Vielleicht fangen wir beim nächsten Aufeinandertreffen doch erst einmal an zu verstehen, warum der Verkäufer nicht auf unseren Wunsch eingegangen ist. Warum er unnachgiebig auf seinem Preis beharrte. Ob er wirklich mehr hätte tun müssen. Ein Ansatz, über den es sich wirklich lohnt nachzudenken.
Kommen wir zum Schluss vielleicht erneut zum König. Wenn ich die Wahl hätte, wünschte ich mir einen König mit Weitsicht. Einen, dem auch das Wohl seines Volkes am Herzen liegt. Der ohne Allüren seinem Volk eine klare Richtung vorgibt. Einen König, der zuhört, der mich fordert ohne zu viel zu verlangen. Jemand der Hab und Gut besitzt, anderen dies aber ebenso zugesteht. Einen König der regiert, welcher sich meiner Beratung aber dennoch immer sicher sein kann. Einen der dieselbige zu schätzen weiß. Kurzum, einen König der den Dienst seines Volkes nicht als Selbstverständlichkeit sieht, der Hand in Hand mit seinen treu Ergebenen das Königreich verwaltet. Seines und das seines Volkes.
Ehrlich, ab und zu bin auch ich der König. Ich bemühe mich dem Anspruch, den das Volk an mich hat, gerecht zu werden. Ebenso bin ich auch auf mein Wohl bedacht. Allerdings muss dies nicht unbedingt mit allen Mitteln erreicht werden. Leben und leben lassen. Ein guter Vorsatz für das Geschäftsjahr 2005.



Eingereicht am 31. Januar 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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