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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Das Geheimnisvolle der Frauen

Krunoslav Setka


Götlimburg ist schön. Der Herbst. Die gold-rötliche, bronzen-gelbliche und silber-graue regenbogenhafte Krone des Herbstes, die jeder Besucher lebenslang auf seinem Kopf trägt, wenn er nur ein Mal an jenem Orte war. Robert auch. Das kommt von den Baumkronen, natürlich, an. In diesem Ort am Gebirge, in dem alle Bewohner vom und für den Tourismus leben. Die Touristen nennen sie "die Märchenleute". Die sehen so einzigartig liebenswürdig aus, als ob sie nie irgenwelche Probleme im Leben hätten. Von einem bestimmten Platz des Ortes kann man auch die große Stadt, die im Tal liegt, sehen; besonders in der Nacht, wenn viele Lichter leuchten. Es ist oft der Nebel da, der geheimnisvoll die Aussicht bedeckt. Und während der Nacht durch den Nebelschleier, der Götlimburg so oft hüllt, glänzen die Lichter in dem Tal - hunderte tausende Lichter flimmern, als ob sich der Himmel zum Boden hinunterlasse; und es glänzen die Augen der Götlimbürger von der ganzen Energie des Himmelbodens. Es leuchten die Lichter wie Sterne, es sehen die Götlimburger aus wie Märchenleute. Dort hatte ihm Heike ihre Liebe gestanden. Glück, Glück überall. Ein paar Monate später - die Götlimburgszeit verschwand zusammen mit der Zeit. Frauen sind wie Jahreszeiten - man kann nicht von einem Baum erwarten, dass er gleichzeitig: erblüht, Blätter verliert, nackt ist, Früchte trägt. In der Beziehung vom Laub drunter fallen die Kleidungsstücke von der Frau. Sie brauchen viel mehr Zeit, um einen richtigen Kreis zu machen. Bei Männern ist es anders. Sie tragen keine Jahreszeiten in sich, deswegen passen sie sich nur den Frauen an, damit auch sie etwas von den Jahreszeiten erleben können. Nach einem Jahr sahen sie sich wieder. Robert konnte es nicht glauben. Das war er. Derjenige, auf denen er so eifersüchtig war. Aber damals, im Götlimburg, hatte sie ihn überzeugt, dass er sich umsonst Sorgen mache und dass es keinen Grund für eine solche übertriebene Reaktion von ihm gebe. Sie hatte jetzt nichts zu sagen. Er blieb stumm; er trug noch immer die Herbstkrone, es glänzten noch immer seine Augen und noch immer blieb er ein Mensch aus dem Märchen. Wenn die Liebe kein Märchen wäre, die Realität würde kein Weh tun. Sie sagte nur: Hi, Roby! Lange nicht gesehen! Sie sagte das mit einer anderen Stimme. Das war nicht die Stimme seiner Exfreundin; das war eine unbekannte Stimme - als ob der Ton sehr lange Zeit durch den Nebel von etwa dreitausend Killometern, gereist wäre; und als ob er nie von demselben Mund etwas Wärmeres bekommen hätte. Er blieb stumm. Sie legte nur ihre (ihm so bekannte) Hand auf den Rücken ihres neuen Freundes und sie entfernten sich weiter vor seinen Augen. Berühren konnte er noch nur ihre Duft, der ihm nebellos entschwand. In ihm schrie alles - so laut, dass er taub blieb und bald auch blind. In der Entfernung waren die beiden in seinen glänzenden Augen nur noch ein Punkt, mit dem ich diese Geschichte beenden will.



Eingereicht am 29. März 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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