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Ein beeindruckendes Wochenenderlebnis

Wolfgang Scholmanns


Einfach mal wieder etwas anderes sehen, dachte ich bei mir und nahm mir vor, am Wochenende nach Zandvoort, an die holländische Nordsee zu fahren. So packte ich am Freitag mein Wohnmobil, füllte die Wasserbehälter auf, und los ging`s. 250 km lagen vor mir und die Autobahn war so voll wie ich es selten erlebt habe. Na ja, planen wir mal ein Stündchen Fahrzeit mehr ein, sagte ich zu mir. Und so kam es dann auch. Nach ca. 3.5 Stunden in Zandvoort angekommen, fuhr ich direkt zu einem geeigneten Stellplatz am Strand, den ich schon lange kenne und von dem aus ich eine wunderschöne Aussicht auf das Meer habe. Abends zu beobachten wie die Sonne blutrot im Meer versinkt, und morgens beim Frühstück ihr Erwachen zu erleben ist für mich immer wieder ein besonderes Ereignis. Schnell noch einen Kaffee trinken und dann ab ans Meer. Es war ganz schön stürmisch und die Wellen wuchsen auf ihrem Weg zum Ufer mächtig an. Wunderschön war es, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und die salzhaltige Luft zu atmen. Als ich nun schon eine ganze Weile am Strand lang marschiert war, begann es plötzlich zu regnen. Ich machte mich wieder auf den Rückweg, denn ich hatte keine Regenkleidung angezogen. Da zu dem Regen gleichzeitig die Sonne schien, suchte ich nach einem Regenbogen, der bei solch einer Wetterkonstellation ja meistens in Erscheinung tritt. Aber ich fand keinen. Ziemlich durchnässt kam ich dann nach einer halben Stunde bei meinem Wohnmobil an. Ich stellte erst einmal die Heizung an, um meine Klamotten zu trocknen, aber auch um den Innenraum auf eine angenehme Temperatur zu bringen, denn es war Oktober und die schöne warme Jahreszeit lag schon eine ganze Weile zurück. Nachdem ich mich gewaschen und umgezogen hatte, setzte ich mich an den kleinen Tisch, um noch eine Tasse Kaffee zu trinken und um die tolle Aussicht noch eine wenig zu genießen, denn es war schon 18 Uhr, und das Tageslicht würde bald der Dunkelheit weichen. Ein wunderschöner, farbenprächtiger Regenbogen hatte sich mittlerweile aufgebaut und es schien als würde er in seinem mächtigen Bogen, noch mehrere kleine Regenbögen beherbergen. Gebannt beobachtete ich dieses Naturschauspiel und war fasziniert von dem schillernden Farbentanz. Nach einiger Zeit es wurde zunehmend dunkler, verschwanden Sonne und Regenbogen. Müde von der Fahrt und dem Spaziergang an der frischen Luft, aß ich noch eine Kleinigkeit und legte mich dann ins Bett.
Am nächsten Morgen, ich hatte gut geschlafen und fühlte mich topfit, fuhr ich, nachdem ich ein wenig am Strand entlang gejoggt war, in die Stadt um in einem mir schon lange bekannten Cafe zu frühstücken. Es war schönes Wetter und um 10 Uhr hatte die Sonne die Temperatur auf angenehme 19 Grad ansteigen lassen. Ziemlich schnell fand ich dann auch einen Parkplatz, der unweit der Fußgängerzone lag, an dessen Ende sich dieses Cafe befand. Auf meinem Weg dorthin, kam ich an dem kleinen Laden vorbei, in dem ein Chinese tolle esoterische Artikel verkaufte und in den ich immer wieder einkehren muss, wenn ich gerade in seiner Nähe bin. Er lachte als ich eintrat, denn er kannte mich mittlerweile und wusste, dass ich immer Ausschau nach seltenen Schmuckstücken mit Ying Yang Motiven halte. Nachdem ich mich eine Weile in seinem Laden umgesehen hatte, aber nichts entdeckte, was mir zugesagt hätte, verabschiedete ich mich von ihm und machte mich weiter auf den Weg Richtung Cafe. Dort angekommen sah ich, dass einige Leute auf der Terrasse, die sich vor dem Cafe befand, Platz genommen hatten. Es waren noch Tische frei, und da ich die frische Luft genießen wollte, ließ ich mir mein Frühstück auch hier draußen servieren. Es war wieder einmal fantastisch, zwei Brötchen, drei Schnitten Brot, ein Ei, Wurst, Käse und ein Kännchen Kaffee und das alles zu einem kleinen Preis. Frisch gestärkt durch dieses mächtige Frühstück, ich hatte nämlich alles aufgegessen, machte ich noch einen kleinen Bummel durch die City. Etwas abseits der Fußgängerzone befinden sich einige alte Häuser, die mit ihren wunderschönen Fassaden zu den Prunkstücken dieses kleinen Städtchens gehören. In einer Seitenstraße präsentiert sich dann auch noch eine kombinierte Lokalität, bestehend aus Diskothek, Cafe und Coffie Shop. Immer gut besucht, dieser Coffie Shop, meistens von Deutschen, aber ab und zu trifft man hier auch ein paar Holländer. Es war mittlerweile 15 Uhr und ich wollte noch zum Strand. Also ab ins Wohnmobil und die Fahrt ging wieder zurück ans Meer. Drei Stunden lief ich am Strand entlang und genoss dieses Gefühl der Freiheit. Irgendwann taten mir die Beine weh, denn es ist ganz schön anstrengend, in dem feinen Sand zu laufen. So beschloss ich wieder zurück zu gehen und mich noch ein bisschen aufs Ohr zu legen. Als ich gegen einundzwanzig Uhr erwachte, hatte ich Hunger, machte mir mein Abendbrot und aß mich erst einmal richtig satt. Danach noch schnell duschen, ab in die Klamotten und dann in die Stadt, um ein bisschen von Zandvoorts Nachtleben mitzubekommen. Ich schlich an einigen Bars und Kneipen vorbei, konnte mich aber nicht entschließen, irgendwo einzukehren. Auf einmal klopfte jemand von innen an eine Fensterscheibe. Aus dem Augenwinkel heraus sah ich eine hübsche Mulattin, die mir eifrig zuwinkte. Ich ignorierte diese Geste und da ich mich einfach nicht überwinden konnte, irgendeine der Kneipen zu betreten, zog ich es dann vor, mich wieder auf den Rückweg zu machen. Auf einmal hörte ich eine weibliche Stimme, die mir zurief, ich solle doch hereinkommen. Als ich mich umdrehte, sah ich dieses hübsche farbige Mädel, das vorhin bei meinem Vorübergehen an die Scheibe geklopft hatte. Wirklich ein wunderschönes Ding, dachte ich so bei mir. Ich ging hinein und sie bot mir einen Platz an einem Tisch an, an dem sie mit ihrer Schwester und deren Freund saß. Ich nahm auf einer Eckbank Platz, und sie, die übrigens sehr gutes Deutsch sprach, besorgte uns noch schnell zwei Bier. Die ganze Zeit sah sie mich lächelnd an und teilte mir dann irgendwann mit, dass sie mich heute Morgen in einem Cafe beim Frühstücken sitzend gesehen hätte und sich auf Anhieb in mich verliebt hat. Na ja, dachte ich, wohl ein bisschen zu viel getrunken. Die braucht etwas fürs Bett. Oder steckt vielleicht etwas anderes dahinter? Noch nicht ganz ausgedacht, setzte sie sich auf meinen Schoß und begann ihre Hände unter meinen Pulli zu schieben. Ich machte ihr unmissverständlich klar, dass ich auf solch eine Anmache keinen Bock habe und schubste sie zur Seite. Sie sah mich traurig an und ich merkte irgendwie, dass es nicht gespielt war. Der Freund ihrer Schwester guckte mich plötzlich böse an, aber als ich mich dann erhob und mich ebenfalls grimmigen Blickes vor ihm aufbaute, zog er es vor, sich wieder seiner Freundin zu widmen. Ich ging an die Theke, trank noch einen Milchkaffee und wollte dann dieses Lokal verlassen. Als ich beim Hinausgehen noch mal einen Blick auf diese dunkelhäutige Schönheit warf, sah ich, dass sie weinte. Sollte sie sich tatsächlich in mich verliebt haben? Ich ging hinaus und bewegte mich Richtung Meer. Auf einmal ging die Türe wieder auf und weinend rief sie mir nach, komm bitte zurück, komm bitte zurück. Ihre Schwester, die bei ihr stand, versuchte sie zu beruhigen und zog sie von der Türe weg. Nachdenklich ging ich weiter. Klar, von Liebe auf den ersten Blick hatte ich schon des Öfteren gehört, aber doch nie damit gerechnet, dass ich persönlich mal so einer Situation gegenüberstehen würde.



Eingereicht am 31. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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