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Ein Abenteuer im Park

Wolfgang Scholmanns


Wir waren schon eine tolle Clique, damals in unserer Jugendzeit. Ein gemischter Haufen von Jungen und Mädchen im Alter von fünfzehn, sechzehn Jahren. Meistens trafen wir uns in einem alten Park, der etwas abseits von unserer Stadt lag. Einige von uns befanden sich schon in einer Ausbildung, andere wiederum drückten noch die Schulbank. Hier in unserem Park fühlten wir uns frei und waren weit weg vom Alltäglichen, von Ausbildern, Lehrern und Eltern. Es war ein wunderschöner Sommertag, als wir eines Nachmittags so ziemlich alle zusammen waren und einige von uns die Idee hatten, bei diesem tollen Wetter doch am Wochenende hier an unsrem Treffpunkt mal eine Grillfete zu veranstalten. Alle waren einverstanden, hielten es für eine gute Idee. So begaben wir uns dann an die Verteilung der Vorbereitungsaufgaben. Siggi wollte einen Grill und Holzkohle besorgen. Martin, Sohn eines Metzgermeisters, dessen Eltern eine eigene Metzgerei besaßen, erklärte sich bereit für das nötige Grillfleisch zu sorgen. Frank, Tommy und ich machten den Vorschlag, dass wir uns um den Einkauf der Getränke kümmern würden. Einige der Mädchen, wollten dann noch Grillsaucen, Pappteller und Plastikbesteck mitbringen. Jeder sollte einen Zehner abdrücken, so würden die Kosten für unsere Grillfete schon gedeckt werden. Als wir dann so weit alles geklärt hatten, verabschiedeten wir uns voneinander und machten uns auf den Nachhauseweg. Frank, Tommy und ich liefen gemeinsam, denn wir wohnten nur einige Häuser voneinander entfernt. Unterwegs fragten wir uns, wie wir die Getränke nur transportieren sollten, denn es wäre doch mindestens drei bis vier Kästen. Unsere Eltern wollten wir nicht fragen, weil wir denen nämlich von unserem Vorhaben nichts erzählen durften, um nicht mit einem überraschenden Kontrollgang ihrerseits rechnen zu müssen. Aber da hatte Frank plötzlich eine gute Idee. Sein Bruder hatte eine Karre, in die er immer seine Klamotten packte, wenn er zum Angeln fuhr. Die wollte er sich ausleihen und sich hinter sein Fahrrad hängen. Ich war froh, dass wir für dieses Problem eine Lösung gefunden hatten. Endlich war er da, dieser lang ersehnte Samstag auf den wir uns alle so gefreut hatten.
Ich wartete schon ganz ungeduldig auf Frank und Tommy, denn es war schon zwölf Uhr und wir hatten uns für halb zwölf verabredet. Der Getränkeladen machte am Samstag um halb eins Feierabend und es wurde höchste Zeit. Ich wollte gerade bei ihnen anrufen, da schellte es plötzlich, und die beiden standen vor der Türe.
"Ein Reifen der Karre war leider platt, ich musste ihn noch schnell flicken, sonst wären wir pünktlich hier gewesen", entschuldigte sich Frank. "Wenn wir uns beeilen, schaffen wir es noch, bevor der Laden schließt", erwiderte ich. Wir setzten uns auf unsere Fahrräder und strampelten los. Es klappte noch so gerade, fünf Minuten vor Ladenschluss, hatten wir unser Ziel erreicht. Wir kauften zwei Kästen Cola, einen Kasten Fanta und eine Kiste Bier, luden diese in die Karre und ab ging es, Richtung Park. Dort angekommen, suchten wir erst einmal ein gemütliches Plätzchen. Die kleine Wiese, die im hinteren Teil des Parks lag, schien uns ein geeigneter Platz zu sein. Sie war ringsherum von Bäumen umgeben, die uns genügend Schatten spenden würde, denn die Sonne hatte die Temperatur auf ca. 27 Grad ansteigen lassen. Wir verstauten unsere Getränke in einem Gebüsch, wo sie verhältnismäßig kühl untergebracht waren. Nach einer Weile sahen wir schon von weitem, Siggi und Martin auf uns zukommen. Sie hatten ihre Mitbringsel auch in einer Karre untergebracht. Neben dem Grill standen zwei Tüten mit Holzkohle und davor hatte Martin zwei Kühltaschen mit dem Grillfleisch verstaut. "Das Fleisch ist schon gewürzt, wir brauchen es nur noch zu grillen um es uns dann gut schmecken zu lassen", sagte Martin lachend. Jetzt mussten wir nur noch eine schattige Stelle für Siggis Grill finden. "Stellen wir ihn doch unter den großen Kastanienbaum, der da mitten auf der Wiese steht", sagte ich. Da alle mit meinem Vorschlag einverstanden waren, fuhr Siggi die Karre unter den Kastanienbaum und lud seinen Grill dort ab. Die Holzkohle und die Kühltaschen stellte er an den Stamm des Baumes. Mittlerweile, trudelte nach und nach auch der Rest unserer Clique ein. Britta und Ulrike liefen direkt auf den Grill zu. Sie hatten Pappteller, Grillsaucen und das Plastikbesteck mitgebracht, holten die Sachen aus ihren Rucksäcken, und legten sie ebenfalls unter dem Kastanienbaum ab. Siggi hatte schon die Holzkohle aufgelegt, sie mit Grillanzündern bestückt, und zündete diese jetzt an. Nach einiger Zeit, kam eine tolle Glut zustande, und die ersten Fleischstücke wurden auf den Grillrost gelegt. Der würzige Duft verteilte sich über die gesamte Wiese und mittlerweile hungrig geworden, freuten wir uns schon auf die leckeren Sachen. Nach und nach belieferten uns Tommy und Siggi mit knusprig gegrillten Fleischstückchen. Alles schmeckte hervorragend und wir sprachen unserem Würzmeister Martin ein großes Lob aus. Nach diesem Festschmaus machte Tommy noch darauf aufmerksam, dass er einen Müllsack mitgebracht habe, in dem wir unsere Pappteller entsorgen könnten. Für das Plastikbesteck hätte er einen anderen Beutel, in den wir es legen sollten. Es wäre zu schade es wegzuwerfen, denn es sei ja nicht gerade billig. Er würde es zu Hause spülen und wir könnten es dann beim nächsten Mal, wieder verwenden. Die deftige Mahlzeit machte einige von uns ein wenig träge, und sie machten sich auf der Wiese lang. Irgendwann stand Ulrike auf, holte einen Radiorecorder aus ihrem Rucksack und legte eine Kassette ein. Die Musik belebte uns sofort wieder. Einige fingen an zu tanzen und die Anderen hockten sich bei einer Flasche Bier oder Cola auf ihre mitgebrachten Decken. Wir quatschten über dieses und jenes und hatten eine Menge Spaß. Plötzlich näherten sich uns drei junge Männer, im Alter von ca. 23 - 25 Jahren. Sie sahen ziemlich abgehetzt aus und machten einen nervösen Eindruck. "Na, was macht ihr den hier?", fragte uns einer von ihnen. Er machte, wie die anderen übrigens auch, eine ungepflegte Erscheinung. Ihre langen Haare glänzten vor Fett und ihre Klamotten hatten wohl schon seit einigen Wochen keine Waschmaschine mehr gesehen. Ich antwortete: "Wir treffen uns immer hier." Sie setzten sich zu uns und fragten nach einer Flasche Bier. Um Ärger zu vermeiden, gab ich jedem von ihnen eine und setzte mich dann zu Martin auf die Decke. Der Größere von ihnen, sagte, nachdem er einen gewaltigen Schluck aus der Flasche gemacht hatte: "Wenn jemand kommt und irgendwelche Fragen stellt, sagt ihr wir wären die ganze Zeit bei euch gewesen, ist das klar?" Kaum hatte er ausgesprochen, hörten wir, wie sich ein Motorrad dem Park näherte. Auch die Motorengeräusche mehrerer Autos waren nicht zu überhören. Als wir uns umsahen, merkten wir, dass unsere kleine Wiese von Polizeifahrzeugen umzingelt war. Von allen Seiten her kamen nun Polizisten, teilweise mit gezogener Waffe auf uns zu. Die drei Männer, die sich zu uns gesellt hatten, versuchten sich ruhig zu verhalten und taten so als gehörten sie zu uns. Den Polizisten jedoch fielen sie sofort auf. Dann ging alles ganz schnell. Die drei Typen wurden rasch überwältigt. Die Polizisten legten ihnen Handschellen an und durchsuchten sie. Bei einem der Herren fanden die Beamten einen Geldbetrag in Höhe von 2300 DM, die er in dem aufgetrennten Futter seiner Jacke versteckt hatte. Bei dem Langen wurde dann noch eine Pistole entdeckt, die verdammt echt aussah. An der Stelle, wo er sich vorhin nieder gehockt hatte, wurden später übrigens noch vier Patronen des Kalibers 9mm gefunden. Die drei wurden abgeführt und in eines der Polizeifahrzeuge verfrachtet. Einer der Polizisten, kam jetzt zu uns und meinte, dass wir Glück gehabt hätten. Diese drei jungen Männer hätten vor ca, zwei Stunden, eine Imbissstube überfallen und die Angestellten mit einer Waffe bedroht. Wir könnten froh sein, dass sie sich uns gegenüber so friedlich verhalten hätten. Und wie froh wir waren. Zwar kamen uns diese drei Gestalten schon ein wenig seltsam vor, aber dass wir es mit Schwerverbrechern zu tun hatten, darauf wären wir wohl nicht gekommen. Außerdem hatten einige von uns auch noch mit unangenehmen Fragen seitens der Polizei gerechnet, die unserer kleinen Veranstaltung in einem öffentlichen Park gelten würden, aber die Beamten hatten wohl im Moment andere Sorgen als sich mit solchen Kleinigkeiten zu beschäftigen.



Eingereicht am 31. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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