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Das einsame Mädchen

Thomas Reiners


Sie ist wieder ganz alleine, das kleine Mädchen. Niemand spielt mit ihr.
Sie weiß nicht was sie tun soll, zu dieser kalten Jahreszeit.
Oft geht sie die langen Straßen hinab und sieht andere Kinder im Schnee toben.
Sie fragt sich jedes Mal, warum niemand mit ihr spielen will.
Sie versucht vergeblich eine Antwort zu finden.
Sie macht sich viele Gedanken, doch kommt nie zu einem Ende.
Immer und immer wieder will sie den Grund wissen.
Doch ihr bleibt nichts anderes übrig, als traurig und einsam die langen und kalten Straßen entlang zu gehen. Sie weiß nicht wohin sie gehen soll. Sie hat weder eine Familie noch ein Zuhause.
Was soll sie also tun? So geht sie also Straße für Straße hinab, bis es schließlich dunkel wird.
Es wird schlagartig kalt. Sie versucht sich irgendwo aufzuwärmen, doch wo?
In dieser dunklen und kalten Nacht geht sie trotzdem weiter, auf der Suche nach einer Stelle, wo sie sich erwärmen kann. Sie findet nichts.
In ihr wird es immer kälter.
Die Gedanken und Sorgen rasen ihr durch den Kopf.
Mit Angst erfüllt geht sie schnellen Schrittes weiter. Sie rennt immer schneller ohne zu wissen wohin.
Plötzlich spürt sie was. Was könnte es sein? Sie schaut sich um - nichts zu sehen.
Doch sie spürt es genau.
Sie ruft ängstlich: "Wer ist da?"
Doch keine Antwort. Sie schaut sorgfältig überall nach. Dann sieht sie etwas.
Aus einem Gebüsch glitzert es. Sie geht langsam hin. Ihr Herz schlägt immer schneller.
Vorsichtig schiebt sie den Busch zur Seite. Doch die Sorge ist umsonst.
Es ist nur eine Katze, dessen Augen im Mondlicht leuchten. Sie dreht sich wieder um und geht weiter.
Ihr kommt ein Mann entgegen. Er ist groß, schmal und trägt einen schwarzen Mantel.
Man sieht nicht das Gesicht des Mannes. Erneut beginnt ihr Herz zu klopfen.
Wer ist dieser Mann?
Er kommt immer näher. Schließlich steht er vor ihr.
Er schaut auf sie herab und fragt mit einer tiefen Stimme: "Was machst du hier?
Es ist sehr kalt, geh lieber wieder nach Hause."
"Aber, ich habe kein Zuhause, wo ich hingehen kann", sagt das kleine Mädchen ängstlich.
"Kein Zuhause? Wieso?", fragt der Mann verwundert.
Das Mädchen erwidert: "Ich weiß es nicht. Ich wurde ausgesetzt."
"Oh, willst du mit zu mir kommen? Meine Frau kann uns etwas Tee zubereiten."
Sie denkt nach. Sie weiß genau, dass man nicht mit Fremden mitgehen sollte, doch es war kalt.
Wieder neue Probleme, die sie nun hat. Soll sie etwa mit dem fremden Mann mitgehen?
Oder doch lieber in dieser Kälte weiter auf die Suche nach einem warmen Platz gehen?
Sie schaut den Mann nachdenklich an und erkennt dabei das Gesicht des Mannes.
Es sind viele Falten zu sehen und graue Haare hängen herunter.
"Na gut, ich komme mit", sagt das Mädchen nachdenklich.
"Gut, dann folge mir", erwidert der Mann.
Gemeinsam gehen beide die lange Straße wieder hinauf.
Am Haus des Mannes angekommen, schaut das Mädchen das Haus genau an.
Stück für Stück nimmt sie es unter die Lupe.
Sie sieht am Fenster eine Frau rausspähen.
Das muss die Frau des Mannes sein, denkt sich das Mädchen.
Plötzlich verschwand die Frau vom Fenster und die Türe ging auf.
Mit weit geöffneten Augen blickt das Mädchen zur Tür.
Was erwartet sie im Inneren des Hauses?



Eingereicht am 25. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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