www.online-roman.de       www.ronald-henss-verlag.de
Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Letzter Traum

Vanessa O


Sie saß auf dem Fußboden ihres Zimmers, den Rücken an die Wärme spendende Heizung gelehnt und in der linken Hand einen Becher winterlich duftenden Tee.
Über ihren Füßen war ein süßer wunderschön weicher Kuschel-Elch gelegt und ihr Körper war in eine riesige wollig weiche Decke gehüllt.
Doch sie zitterte. Etwas war nicht in Ordnung. Langsam Schluck für Schluck trank sie ihren Tee. Sie hatte die Augen etwas geöffnet, doch sie waren völlig ausdruckslos. Es schien als wäre sie gar nicht hier sondern irgendwo anders, in einer anderen Welt.
Sie wusste selber nicht was mit ihr oder besser gesagt in ihr geschah, aber sie ließ es geschehen. Ließ sich führen durch diese ihr fremde Welt. Bilder rauschten an ihr vorbei.
Ein kleines Mädchen an der Hand ihrer Mutter. Sie riss sich los und rannte plötzlich blind vor Tränen in den Augen davon. Autoreifen quietschten. Ein Schrei. Dann Stille gefolgt von einem Menschengewirr. Eine heulende Sirene ertönte in der Ferne und kam näher. Die Mutter kniete neben ihrem Kind. Weinend nahm sie die Mitleid ausstrahlenden Worte der Rettungssanitäter wahr. Ihr einziges Kind war tot.
Ein lautes Klimpern holte Kessy in die reale Welt zurück. Was war das gewesen? Sie sah langsam wieder klar und entdeckte ihre kleine Katze Tinkabell auf dem Klavier herum springend. Langsam stand sie auf. Verwundert, eine Teetasse in der Hand zu haben. Sie stellte die Tasse ab und nahm Tinkabell in den Arm. Sie versuche darüber nachzudenken, was sie gesehen hatte, doch die Erinnerungen waren schwach. Sie beschloss, nachdem sie aus dem Fenster gesehen hatte spazieren zu gehen.
Es war ein trüber aber wolkenloser Nachmittag. Sie ging an Schaufenstern vorbei und lief einfach in irgendwelche Richtungen ohne über diese nachzudenken. Sie hörte Menschen reden und Eltern zu ihren Kindern sprechen. Dann plötzlich ein Rauschen. Ein Kind weinte. Sie schaute sich um. Ein kleines Mädchen rannte. Es wollte direkt an ihr vorbei rennen und hatte den Blick rückwärts zu seiner Mutter gerichtet.
In Kessy´s Kopf spielte sich in Sekundenschnelle der Tagtraum ab.
Ein kleines Mädchen an der Hand ihrer Mutter. Sie riss sich los und rannte plötzlich blind vor Tränen in den Augen davon. ....
Kessy zuckte zusammen. Streckte plötzlich ihre Arme aus und fiel im nächsten Moment auf den harten Steinboden. In ihren Armen lag ein Kind. Das kleine Mädchen und ein großes Laster rauschte auf der Straße vorbei. Ihr Kopf dröhnte. Kurz bevor sie ohnmächtig wurde lächelte sie.



Eingereicht am 25. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.


Wenn Sie einen Kommentar abgeben möchten, benutzen Sie bitte unser Diskussionsforum. Unser Autor ist sicherlich genau so gespannt auf Ihre Meinung wie wir und all die anderen Leser.

»»» Kurzgeschichten Alltag «««
»»» Kurzgeschichten: Überblick, Gesamtverzeichnis «««
»»» HOME PAGE «««