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2:1 für Paul

Von teccla


Pia und Paul sind Geschwister. Paul ist fünf Jahre alt und seine Schwester vier.
Seit ein paar Tagen liegen sie im ständigen Konkurrenzkampf und bringen ihre Mutter Inge damit schier zur Verzweiflung.
An einem Vormittag, als Inge vom Einkaufen zurückkommt, inspiziert Pia sofort neugierig die Plastiktüten und angelt sich einen Apfel heraus.
"Halt! Stopp!" mahnt die Mutter "Erst abwaschen!"
Da greift sich Paul ein Brötchen. Scheinheilig und mit einem triumphierenden Blick auf Pia fragt er: "Stimmt's Mami, das Brötchen muss ich nicht abwaschen?"
"Nein Paul, ganz sicher nicht", schmunzelt Inge.
1:0 für Paul.
Pia senkt den Blick und isst ihren Apfel.
Nach dem Essen will Mutti Inge den Kuchen backen. Sie hat ein neues Rezept bekommen, das sie ausprobieren will. Ein Apfelkuchen mit Rosinen und Pudding.
Pia und Paul hocken auf den Küchenstühlen, warten auf jede sich bietende Gelegenheit vom Kuchenteig zu naschen. Kuchenbacken mit Inge macht immer Spaß, da hält sie nichts im Kinderzimmer.
In der Küche geht es fröhlich her. Pia stibitzt die Rosinen und knabbert sie auf. Paul knetet ein Teigstückchen.
Als Inge die gefüllte Kuchenform in den Backofen schiebt, stellt sich Paul wie ein großer Kenner daneben, stemmt die Hände in die Hüften und meint: "Mami, warum stellst du den Schalter auf die 3 und nicht auf die 6? Dann wird doch der Kuchen größer?"
Endlich zahlt sich sein Wissen aus der Vorschule aus. Jetzt wird Pia anerkennen müssen, wie schlau er ist.
Doch Inge lässt sich nicht beirren und schaltet auf die "Drei".
Sie erklärt ihm lächelnd, dass die Zahl "6" zwar größer ist als die Zahl "3", der Kuchen aber dann verbrennen würde. Pia schüttelt ihr Lockenköpfchen.
"Das weiß doch jedes Kind, Paul. Das ist doch piepe-einfach", ruft sie.
Punkt für Pia.
Am Nachmittag ist der köstlich duftende Kuchen fertig. Er ist wirklich gelungen. Es gibt auch Kakao dazu. Inge, Papa Klaus, Paul und Pia, alle versammeln sich um den Esstisch im Wohnzimmer. Pia und Paul haben geholfen den Tisch zu decken. Inge schenkt den Kakao ein und verteilt auf jeden Teller ein Stück leckeren herrlich frisch duftenden Apfelkuchen.
Nun nimmt Paul einen erneuten Anlauf.
"Pia, ich komme bald in die Schule, viel früher als du. Dann kann ich alle Bücher lesen, die Mama im Schrank hat!"
"Na und! Ich kaufe mir einen Piuter, dann kann ich alles, was ich lesen will im Innernett haben.", entgegnet Pia und beißt genüsslich vom Kuchen ab.
"Phhh", kontert Paul, "du kriegst nur einen Kommputer für den Tag! Ich aber! Ich kriege einen Commputer wie Papa hat!"
Er schaut zu Papa und ist sich seiner Zustimmung ganz sicher.
Männer halten immer zusammen.
Paul hebt belehrend die Kuchengabel wie einen Zeigefinger und erklärt: "Ich darf dann wie Papa nachts, wenn du schläfst, aufstehen und Bilder angucken! Ätsch!"
Er schaut triumphierend und siegesgewiss zu Papa.
Pia schaut Papa an.
Mama schaut Papa an.
Aber der schaut nicht auf, sondern isst schweigend den Kuchen, verschluckt sich und hustet.
Paul überlegt kurz und holt nun zum absoluten Finale aus: "Und!", verkündet er die Stimme hebend, "dann kann ich auch mit dem Onkel abends im Kommputer reden, wie Mama! Ätsch! Und Du nicht!"
Er musste nicht einmal die Zunge herausstrecken. Das hat gesessen.
Er sieht Pia tief in die Augen.
2:1 für Paul!
Jetzt hustet Mama ...



Eingereicht am 30. Oktober 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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