www.online-roman.de


  Lust am Lesen     Lust am Schreiben  




Der Mann aus Simbawe

Von Heidi Görgen


Im Schatten der Bäume, in der Sonne des Flussufers auf einem steinigen Pfad, wich ich dem glücklich drein schauenden und zugleich fragenden Blick eines Afrikaners aus. Dennoch war da etwas, was mich zwang, etwas zu sagen. Doch er kam mir zuvor.
"Warum heißt der Rhein DER Rhein? Warum ist der Rhein männlich? Es gibt bei uns in Simbabwe eine Lebensphilosophie", höre ich ihn sagen, "die da lautet: Alles in der Natur, was uns Menschen zu Essen gibt bzw. uns ernährt, ist weiblich, ist die Mutter, also müsste DER Rhein doch DIE Rhein heißen, denn auch jeder Fluss ernährt uns." Mit dieser logischen und überzeugenden Weisheit konnte ich nicht mithalten, denn nun stellt sich auch für mich die Frage, warum DER Neckar, DIE Isar, DIE Ruhr … Freude leuchtete in seinen Augen, als wir feststellten, wie kompliziert die deutsche Sprache ist und umso mehr war ich überrascht, wie gut er sie beherrschte. Christoph - ein nicht gerade afrikanisch anmutender Name - heiße er und lebt schon seit 20 Jahren in Deutschland.
Als in den 80-ern der Krieg in Simbabwe, dem früheren Rhodesien, ausbrach, nutzte er die Flucht über Holland nach Deutschland, um diesen Kriegswirren zu entkommen. Durch das große Glück, in Deutschland Arbeit und Brot gefunden zu haben, war er in der Lage, seine Familie, die in Simbabwe geblieben ist und überlebt hat, finanziell zu unterstützen.
Sein Instinkt für das Richtige, Logische und Sinnvolle war so herzerfrischend, dass ich noch Stunden am Ufer des Rheins hätte verweilen können, diesem Christoph hätte zuhören können. Wir waren uns einig, dass alle Idioten, Trottel, Gimpel, Simpel, Schwachköpfe und andere Hornochsen auf dieser Welt, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Bürokratie oder wo auch immer nichts mit uns gemeinsam haben konnten, nämlich irdisches Glück in den einfachen Dingen des Lebens genießen zu können. Mit diesen Wünschen, dass es so bleibt, trennten sich unsere Wege und noch heute erinnere ich mich gerne die diesen wunderschönen Tag und an den Mann aus Simbabwe, der so einen langen Weg ging, um herauszufinden, wie kompliziert das Leben in Deutschland sein kann.




Wenn Sie einen Kommentar abgeben möchten, benutzen Sie bitte unser Diskussionsforum. Unser Autor ist sicherlich genau so gespannt auf Ihre Meinung wie wir und all die anderen Leser.

»»» Kurzgeschichten Alltag «««

»»» Kurzgeschichten: Überblick, Gesamtverzeichnis «««

»»» HOME PAGE «««



Eingereicht am 17. Oktober 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.