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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Ich weiß übrigens, was zwischen dir und Jens läuft

Von Anja Posner


Nun ist es raus und es war nicht halb so schwer wie ich es mir seit Tagen einrede, in der Hoffnung, die Fakten würden vergehen, wenn ich nur lange genug so tue, als gäbe es sie nicht. Er hat nicht funktioniert. Der Schmerz wird fast stündlich größer, also versuche ich es jetzt mit der Wahrheit. Was soll ich sagen? Es gibt nicht mehr viele Möglichkeiten. Nicht für mich. Ich stehe mit dem Rücken zur Wand.
Ich weiß, was du jetzt tust. Fast kann ich sehen, wie du mit der Hand in dein Haar langst und beginnst, winzige Locken auf deinen Zeigefinger zu drehen, so wie du es immer tust, wenn du nervös wirst. Vielleicht stülpst du deine oberen Schneidezähne über deine Unterlippe und sie hinterlassen, jetzt, wo sie deine Lippe wieder aus ihrer Gewalt entlassen, dünne weiße Druckspuren, die gleich wieder verschwunden sein werden. Ich sehe dich vor mir, und ich muss lächeln, denn es überkommt mich jene zärtliche Zuneigung, die ich für dich immer empfunden habe, empfinde, ... daran wird sich wohl nie etwas ändern, auch wenn sich plötzlich so vieles geändert hat. Jetzt legst du deine Stirn in Falten, ganz bestimmt tust du das. Ein letzter Versuch, dein Schauspieltalent darzubieten, doch es ist zwecklos. Nicht nur, weil ich nicht hinsehe, sondern auch, weil du die Fakten nicht mehr verdrehen kannst, so wie du es schon immer gern getan hast, wenn auch manchmal nur mit deiner sorgsam einstudierten Mimik. Für jede Situation das richtige Gesicht, für jeden Anlass das richtige Makeup, nur das mit dem Moralverstand, das hast du nicht so drauf. Ich habe ihn immer für dürftig gehalten. Inzwischen halte ich ihn für nicht-existent.
Auch wenn ich dir nicht gegenübersitze, sehe ich dich. Aber ich sag dir was: Es macht keinen Sinn mehr, es zu leugnen. Ich weiß, dass du was mit Jens hast, auch wenn ich es auf keinen Fall wissen sollte. Nicht am Anfang, nicht nach dem Anfang, doch seit der Mitte weißt du doch auch längst nicht mehr, wie es ohne mich weiter gehen soll, oder?
Das hier sollte eigentlich nur einer meiner üblichen Urlaubsbriefe werden, ich wollte weiterhin so tun, als wäre nichts, aber nun wird es doch ernst. So ernst, dass ich zu weinen beginne. Immer wieder. So geht es seit Tagen.
Erst wollte ich es dir gar nicht schreiben. Ich war nicht einmal sicher, ob ich mit dir überhaupt darüber reden möchte. Ich habe auch Jens gebeten, dir nicht zu sagen, dass ich über euch zwei Bescheid weiß, und ich weiß nicht einmal, ob er sich daran gehalten hat. Er und ich, wir haben uns immer alles erzählt, weißt du. Vielleicht tut er das längst mit dir. Ich habe nicht gewagt, ihn zu fragen, wie es um seine Loyalität steht. Jetzt packt mich die blanke Wut. Sabrina, ich dachte, du wüsstest, was er mir bedeutet. Und ich glaubte zu wissen, dass Jens mich liebt. Vielleicht willst du mir jetzt ins Wort fallen. Mir sagen, dass er mich natürlich immer noch liebt, sich jedoch auch in dich verliebt hat. Und dann frage ich dich: Willst du mir etwas über meinen Mann erzählen?, über den Vater meiner Kinder?, über den, mit dem ich alles geteilt habe? Zehn lange Jahre. Das ist lächerlich. Grotesk. Ich kenne ihn so gut, dass ich sogar weiß, wie sich seine Verliebtheit anfühlt.
Ich könnte Trost gebrauchen, weißt du? Was soll ich denn jetzt tun? Mich haben die beiden Menschen verraten, die mir so oft der größte Trost waren. Und ich? Ich bin der Loser des Monats, die mit den Hörnern, die, die sich abgenutzt hat, die, in die sich Jens nicht noch einmal verlieben würde, weil er jetzt mal auf einen anderen Typ Frau steht. So einfach ist das.
Ich habe es auf eine so beschissen klischeehafte Weise rausgefunden, dass ich lachen würde, wenn es doch nur nicht so traurig wäre. Und traurig, das bin ich immer wieder, wenn ich an deine Notiz denke, die ich in Jens' Sakkotasche gefunden habe. Neulich, ein paar Tage vor unserer Reise. Du weißt nicht was für eine Notiz ich meine? Ich meine die hier: "Es war wunderbar, du bist wunderbar. S." Deine Schrift. Und jetzt frage ich mich, ob du, hätten wir miteinander geredet, mich wirklich genötigt hättest, dir deine eigenen Worte wieder zu geben. Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich hat sogar deine Geschmacklosigkeit Grenzen. Wie auch immer. Jens schien fast erleichtert, als ich ihn zur Rede gestellt habe. Vielleicht bist du es ja auch. Immerhin müsst ihr jetzt nicht mehr darüber nachdenken, wir ihr es mir am besten sagt. Vielleicht freut es dich in diesem Augenblick sogar, dass ihr euch nicht mehr zu verstecken braucht. Nun. Manches erledigt sich in der Tat von selbst. So wie lästiges Rückgrat-beweisen vor der ehemals besten Freundin, auf die man scheinbar gern verzichtet, wenn man dafür die Liebe seines Lebens bekommt. Oder? Jetzt sag mir nicht, dass Jens nicht die Liebe deines Lebens ist. Wenn du nicht wenigstens glaubst, ihn zu lieben, dann macht das aus einer Sauerei die erbärmlichste aller Aktionen, die von Frauen vollführt werden, um ihrem ausgehungerten Ego mal wieder auf die Füße zu helfen. Über Tische und Bänke, und am Ende ist es der Typ, der ja auch nein hätte sagen können.
Ich bin so wütend. Wütend, wann immer ich mich frage, warum es gerade Jens sein muss, mit dem du etwas anfängst, warum es gerade Sabrina sein muss, mit der mein Jens rummacht. Jens, der Mann, mit dem ich seit zehn Jahren verheiratet bin, Sabrina, die meine Freundin ist, seit wir in der Sechsten zusammen nachsitzen mussten. Und jetzt fällt mir nicht einmal mehr ein, warum wir damals nachsaßen. Aber ich hab es gern getan, denn es brachte mir dich ein. Sabrina, warum habt ihr mir das angetan?
Ich erinnere mich an den Tag, als ich euch einander vorstellte und meine allergrößte Angst war, dass ihr euch nicht mögen könntet. Aber ihr mochtet euch. Zwar auf eine verhaltene Weise, aber für mich war das ein Anfang. Kannst du dich erinnern? Du fandest ihn nett, doch er war nicht dein Typ, sympathisch, doch wenig attraktiv. Das gab mir irgendwie ein gutes Gefühl. Eine Art zusätzliche Sicherheit neben dem Vertrauen, dass ich dir immer gern geschenkt habe.
Heute frage ich mich, wann sich deine Gefühle für Jens verändert haben. Wann hast du begonnen, meinen Mann attraktiv zu finden? Seit wann ist er dein Typ? War es, als er dich nach einem unserer Skatabende nach Hause fuhr, weil du zu viel getrunken hattest? Oder hast du dich in ihn verguckt, als wir Schwimmen waren? Meine Güte, Sabrina. Wann hast du beschlossen, mich zu verraten? Wann wurde dein Verlangen nach Jens so viel wichtiger als das, was unsere Freundschaft dir bedeutet? So viel wichtiger als das, was ich empfinde. Für dich. Und für ihn.
Ich habe mal etwas über Migränepatienten gelesen. Dass sie sich, wenn der Schmerz unerträglich wird, tiefe Schnittwunden beibringen, einfach um, nur für den Moment, den Schmerz zu vergessen, von dem sie befürchten, er könnte ihnen den Verstand nehmen. Ihr beide, du und Jens, ihr seid meine Migräne, mein unerträglicher Schmerz. Und vorgestern habe ich begonnen, nachts durch den Wald zu laufen, um euch in der Angst vor der Dunkelheit für einen Moment zu vergessen, euch und die bleierne Traurigkeit. Euch, das seid ihr beide, du und Jens - nicht mehr ich. Aber vielleicht war es ja genau das, was du nicht ertragen konntest. Wolltest nicht mehr daneben stehen, wolltest mitten drin sein - um jeden Preis - wie es scheint, denn nun bist du es ja. Und der Preis? Mag sein, dass er hoch ist, aber warum soll es dich kümmern? Du zahlst ihn nicht, weil ich ihn zahle. Ich zahle die ganze beschissene Rechnung und verlasse die Szene, lange nachdem ihr zwei Turteltauben, wohin auch immer, abgegangen seid. Ich bin die, die gleich zwei Menschen verloren hat und nichts gewonnen. Nichts außer der traurigen Erkenntnis, dass auf Gefühle kein Verlass ist. Auf niemandes.
Und wie soll es nun weitergehen? Ich gehe davon aus, dass ihr Pläne habt. Ihr habt sie doch? Warum sonst solltet ihr beide mir die Würde nehmen? Doch hoffentlich wegen nichts geringerem als Zukunftsplänen. Warum solltest ihr beide etwas in Stücke reißen, das für mich ein Ganzes war?: mein Leben. Warum würdet ihr all das tun, wenn ihr euch nicht wenigstens Hals über Kopf ineinander verliebt hättet?
Sag mir nun, Sabrina, wie es gehen soll. Möchtest du, gemeinsam mit meinem Mann, jedes zweite Wochenende die Kinder abholen, um dann Familie zu spielen? Ich meine, nicht dass die beiden nicht begeistert wären. Du weißt, wie sehr sie dich lieben. Wie kann man dich nicht lieben? Ich weiß ja nicht einmal, wie ich das anstellen soll. Aber sie wissen auch nicht, welchen Teil der Rechnung sie zu bezahlen haben, und ich werde einen Teufel tun, es ihnen zu sagen. Das müsst ihr schon erledigen. Oder habt ihr euch noch gar keine Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll? Lebt das Leben zweier unbeschwerter Verliebter, denn den Glücklichen schlägt keine Stunde. So sagt man doch.
Umso bleierner ist die Zeit für jemanden wie mich. Die Stunden ziehen sich wie Melasse. Wenn ich daran denken, dass nur die Zeit mir helfen kann. Wenn ich nur einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, dass sie schneller vergeht und sich die traurigen Minuten nicht mehr wie Ewigkeiten anfühlen. Dann würde es bald besser werden. So viel ist verloren für mich. Du bist es und Jens und all die gemeinsamen Erinnerungen, denen nun etwas Verräterisches innewohnt. Etwas Heuchlerisches. Etwas, das irgendwann begann ganz anders zu sein, als ich es empfand und niemand, der mir sagen will, wann es angefangen hat.
Nein, ich fühle mich nicht nur gedemütigt. Das hättest du wohl gern. Ich fühle mich auch gedemütigt. Ansonsten ist mein Herz gebrochen und ich weiß nicht, wohin mit dem Schmerz. Ich könnte dir ja sagen, dass ich wunderbar ohne Jens klar komme. Dass mein Leben ohne dich viel schöner ist, aber das wäre nicht nur nicht wahr, es würde dir auch ersparen, um mein Unglück zu wissen, und ich habe gar keine Lust, dir auch nur irgendetwas zu ersparen. Fahr zur Hölle, Sabrina. Und nimm Jens gleich mit. Jens, den du immer so farblos fandest. Jens, der zu mir gehörte, lange bevor du wusstest, dass du ihn haben willst.
Ich bin immer mit meinem Kinn an seinem Schulterblatt eingeschlafen und jetzt gibt es keinen mehr, den es auch nur einen Dreck kümmert, dass ein Schulterblatt gegen meine Schlaflosigkeit die beste Medizin ist. Weißt du, in letzter Zeit kann ich heulen, ohne dass ich mein Gesicht verziehen muss. Warum soll ich nicht auch lernen können, ohne Jens` Schulterblatt einzuschlafen? Das schaffe ich schon. So wie Einatmen und Ausatmen. Das geht ja auch. Wenigstens das, bis wieder auch etwas anderes geht, ohne dass ich mich vor Schmerz aufbäumen möchte. Warum musstest du mir den nehmen, der mich am allerbesten kennt? Hast du es nicht mehr ausgehalten, dass ich etwas habe, das du nicht hast? Ich glaube, du weißt nicht einmal, was es überhaupt bedeutet, jemanden zu lieben. Du hast es doch all die Jahre nicht geschafft, deine vielfachen Verliebtheiten in so etwas wie Liebe zu transformieren. Du hattest nie Lust, lange zu verweilen, hast immer gesagt, du könntest es nicht. Deine Liebe hätte nun einmal kürzere Halbwertzeiten, das war dein erbärmlicher Erklärungsversuch, als mal wieder etwas endete, bevor es überhaupt angefangen hatte. Und jetzt? Wie wird das mit Jens, dem Mann deiner Freundin? Wird es wieder etwas kurzes, heftiges, etwas mit geringer Halbwertzeit? Etwas, bei dem du die Gelegenheit ergreifst, der Welt zu demonstrieren, was eine stürmische Eroberung alles verändern kann? Oder hat am Ende sogar Jens dich erobert? Jens, der Mann, der mit den Jahren für vieles einfach zu müde geworden ist. Ihr kotzt mich beide so an. Ich frage mich, wie viele Fakten, die du aus meiner Beziehung kennst, du gegen mich verwenden musstest, nur um mir und auch dir selbst weiterhin in die Augen sehen zu können. Das war mein Eigentor. Das ist wohl so. Ich hatte immer Bedenken, ob es fair ist, so viel von Jens und mir mit dir zu teilen. Doch du hast auch immer viel gegeben von dem Bisschen, das du hattest, und da wollte ich mich nicht lumpen lassen. Ich wollte dir auch etwas geben, und ein bisschen gefiel mir der Gedanke, du könntest mich um das eine beneiden, das du nicht hattest. Wo du doch sonst immer die Nase vorn hattest. Mein Familienglück mit all seinen Schönheitsfehlern in der Waagschale gegen Schönheit, Kariere und tadellose Umgangsformen in jedweder Gesellschaft. Du hast ja keine Ahnung, wie oft ich mich unzulänglich gefühlt habe, wenn du auf einen Sprung vorbeikamt, im Kostümchen, und ich dir die Tür aufgemacht habe, in Jeans und Turnschuhen, ungeschminkt und abgekämpft. So eine beschissene Ironie. Ich würde schallend lachen, wenn es nicht so traurig für mich wäre. So traurig, und langsam wird sogar mein Selbstmitleid für mich unerträglich. Das mit dir und mir, das ist wie David und Goliath, und wer Goliath ist, das werde ich dir nicht sagen müssen. Hättest du dir nicht einen der vielen nehmen können, die dich immer wollten? Hättest du nicht eine ausstechen können, die dir in deiner Weise gewachsen gewesen wäre? Warum musste es Jens sein? Warum mussten wir es sein. Ich habe die Hochs und Tiefs meiner Beziehung oft mit dir geteilt, hab mich bei dir ausgeweint, mich von dir trösten lassen, in der Zeit als es zwischen Jens und mir fast gar nicht mehr lief. Wann hast du eigentlich beschlossen, dein Insiderwissen gegen mich zu verwenden? Wann hast du begonnen, mir aus den Gegebenheiten meines Beziehungsalltags einen Strick zu drehen? Andererseits, wie nah muss man einer verheirateten zweifachen Mutter stehen, um sich vorstellen zu können, woran es dem dazugehörigen Mann möglicherweise mangelt? Ich meine, nicht sehr nahe. Sicher weiß man als Frau instinktiv, dass ein solcher Mann, trotz familiärer Bindung eine lächerlich leichte Beute sein kann, für eine wie dich ... mit deinen langen Beinen und diesem Augenaufschlag, den ich früher manchmal heimlich versuchte zu imitieren, lange bevor ich Jens traf, der eines Tages ganz nebenbei sagte, dein Blick hätte das gewisse Etwas. Verfluchter Scheißtyp. Und ich war ein Schaf, ich habe nicht einmal aufgehorcht. Zu sehr hab ich mich auf ihn und auf dich verlassen. Ach, was heißt verlassen, ich habe gar nicht darüber nachgedacht, dass ihr zwei mich verraten könntet. Ich habe euer beider Loyalität für unumstößlich gehalten und nicht die geringste Idee, wann sich eure Wege gabelten und ihr anfingt euch entgegen zu gehen.
Früher habe ich mich manchmal regelrecht geschämt, wenn ich so etwas wie Konkurrenz zwischen dir und mir empfand. Ich dachte, das darf gar nicht sein zwischen Freundinnen. Dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Sagt man nicht so? Was für ein Irrtum. Und du? Dir ging es doch auch nicht anders. Du hast es nicht ausgehalten, dass ich etwas hatte, das du nicht hattest. Mensch Sabrina, wie zerfressen vom Neid bist du eigentlich gewesen? Wie viel schlimmer als mich muss dich dieses Gefühl erwischt haben? Aber vielleicht hätte ich mir auch etwas von dir genommen, wenn sich nur die Gelegenheit dazu geboten hätte. Ich weiß es nicht. Natürlich möchte ich nein sagen, möchte so eine Schweinerei strikt von mir weisen, aber ich will ehrlich sein. Zu dir, zu mir, zum Leben. Ich hab schließlich nichts mehr zu verlieren - gar nichts mehr. Also bin ich ehrlich, und gebe zu, dass ich es wohl genau so gemacht hätte wie du. Ich hätte dir vielleicht auch etwas genommen, hätte ich die Gelegenheit gehabt, was mich wiederum innehalten lässt, denn ich dachte immer, das mit uns, das wäre etwas ganz besonderes. Ich meine, in positiver Weise.
Draußen ist es inzwischen dunkel geworden. Die Kinder schlafen längst und ich werde noch eine Runde mit dem Hund drehen. Vorhin hat Jens mit seiner Mutter telefoniert. Er hat ihr gesagt, dass wir gut zuhause gelandet sind. Sie weiß noch nichts und wir haben keinen Plan, wie wir ihr sagen sollen, dass es uns nicht mehr gibt.
Dass zwischen dir und Jens was läuft, das wusste ich schon, bevor wir weggefahren sind. Doch irgendwie hatte ich gehofft, es würde sich einrenken. Ich sah eine Chance für Jens und mich, wenn ich es nur schaffen würde zu schweigen und die Bitterkeit, die ich fühle runter zu schlucken. Aber es ist mir nicht gelungen. Weder hab ich es geschafft zu schweigen, noch habe ich die Bitterkeit überwinden können. Jens hat gesagt, er sei verliebt. Das macht es nicht besser.
Das Schlimmste ist, ich kann dich nicht einmal hassen. Weder dich noch Jens. Ich kann nicht einmal aufhören, euch zu vermissen. Jetzt schon. Dass ich euch beide verloren habe, das macht mich einsamer, als ich jemals sein wollte. Das, liebe Sabrina, habe ich gemeint, als ich gesagt habe, dass ich es bin, die den größten Teil der Zeche bezahlen muss, die ihr beide gemacht habt.
Ich werde euch nicht den Gefallen der kalten Schulter tun. Ich habe gehört, die kalte Schulter sei ein Zeichen überwundenen Kummers. Wenn das so ist, dann könnt ihr meine kalte Schulter vielleicht nächstes Jahr sehen. Bis dahin müsst ihr euch einreden, ich sei eingeschlafen und träume davon, wie mein Leben wäre, wenn...
Nun leb wohl oder verrotte. Tue was auch immer, ich will dich nicht mehr.

Anna



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Eingereicht am 02. September 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.


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