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Für mein Frauchen (von ihrem Quinnlein)

Von Gaby Schumacher


Du hast mir geholfen. Ich habe keine Schmerzen mehr. Mir geht es gut. Als wir zum Tierarzt fuhren, weil es mir so extrem schlecht ging, schmiegte ich mich ganz doll an Dich. Die Hitze im Auto, meine Angst und mein Leiden, von dem Du zwar nicht wusstest, es aber wohl erahntest, bereiteten mir schlimme Qualen. Aber Du warst da, wie Du stets während meines langen, langen Hundelebens zu mir gestanden hattest. Du warst fast wie ein Hund. Du hast mich nie im Stich gelassen. Immer nur verwöhnt und liebevollst behandelt. Selbst in den Minuten, in denen ich 'durchgedrehte Alarmanlage' spielte. Was Dich dann natürlich auch zu Recht auf die Palme brachte. Aber ich konnte einfach nicht anders. Ich musste doch Dich, Deine Kinder und mein Zuhause beschützen. Vor allem vor dem dreisten Postboten, der doch tatsächlich jeden Morgen hier erschien. Frech das! Dann gingen Dir schon mal die Nerven durch. Und bei solchen Gelegenheiten brülltest Du mich auch schon 'mal an. Aber das war ja nur, weil ich so ein Blechdosenstimmchen hatte. Und wenn Du das zwei Minuten lang an einem Stück gehört hattest, fingen Deine Nerven an zu tanzen. Aber das Schlimmste, was mir blühen konnte, war ja bloß der blöde Klaps mit der Zeitung auf den Po. Und das tat nicht weh. Knallte nur und ich erschrak tüchtig. Davon abgesehen, warst Du nie böse zu mir. Und Deine Töchter, meine Ersatzschwestern, erst recht nicht. Sie waren höchstens darum besorgt, dass es mir auch immer gut ginge, trugen mir Kissen und sogar Leckerchen hinterher. Ich habe immer gespürt, wie lieb ihr mich hattet. Als Dank verteilte ich Vollwäschen am laufenden Band. Meine Lieblingsopfer dafür waren Du, Nicki und Tina. Ihr hattet da viel auszuhalten!
Ich danke Dir für mein schönes Hundeleben. Für die tollen Spaziergänge, auf denen ich mit ganz vielen Freundinnen und Freunden toben durfte. Für die vielen Schweineöhrchen, Kaustangen, Salzstangen, Goldfischlis und Kuchenkrümel, die Du mir spendiert hast. Nicht zu vergessen die vielen Pommes und Nüdelchen. Und auch für die Schokoladenstückchen, die mir meine Ersatzschwestern zugesteckt haben. Schmatz ... schmalz!! Und fürs schöne Spielen: Wenn ich da ans "Bällchen" oder an unser Fangenspiel denke ...! Ach, es war so schön ...
Aber, mach Dir keine Sorgen um mich. Obwohl ich ja manchmal auch ein kleiner Lümmel war, bin ich im Hundehimmel gelandet. Und weißt Du, wen ich hier als Erstes getroffen habe: Mein Feechen. Die saß ganz neugierig hinter der Eingangstür, um zu beobachten, wer denn da wohl käme. Wir sind mindestens eine Viertelstunde lang vor Freude wie die Verrückten umeinander herum getanzt, konnten uns gar nicht wieder einkriegen. Feechen lässt Dir bestellen, dass sie Dich nach wie vor furchtbar lieb hat und von hier oben immer ein Auge auf Dich wirft. Du sollst wissen, dass du die ganz große Liebe ihres Lebens warst. Aber, ich glaube, Frauchen, das weißt du sowieso. Und den kleinen Balu habe ich schon begrüßt. Zwar auch ein Junge, aber hier im Himmel spielt das keine Rolle mehr. Ich fand ihn auf Anhieb sympathisch. Zumal ich wusste, dass er der Hund meiner Tierärztin war, die Du und ich so gern mögen.
Typisch Feechen: Die ist noch genauso verfressen wie auf Erden. Schlägt uns gerade vor, die himmlische Brottrommel vom Manna zu befreien und anschließend die Weihnachtsbäckerei heimzusuchen. Bei den Engeln ist sie schon für ihre Klauereien bekannt. Doch - die mögen sie einfach alle unheimlich gern. Na ja, ich war ja auch ziemlich in sie verknallt, eigentlich immer noch. Übrigens, mit "Eulespielen" macht sie auch hier jeden schwach. Der verzeiht man hier alles. Ob ich das auch schaffen werde?
Also, Frauchen, hab Dank, dass Du genau im richtigen Moment für mich die richtige Entscheidung getroffen hast. Doch ich wusste es immer ganz tief in meinem kleinen Hundeherzen, dass Du das tun würdest. Weil Du mich so lieb hattest.
Ich bin für ewig bei Dir!
Dein Quinnylein
(27.Juni 1989 - 17.August 2004)
19.August 04



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Eingereicht am 20. August 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.


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