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Volksverdummung

Von Wolgang Scholmanns


Endlich Wochenende. An diesem Samstagmorgen, hatte ich mir vorgenommen, sehr früh aufzustehen, um einen Spaziergang zu einem ganz in unserer Nähe liegenden Fluss zu machen. Nach der Morgentoilette und einem kräftigenden Frühstück ging es dann endlich los. Es war ein wunderschöner Sommermorgen, die Sonne lachte von einem strahlendblauen Himmel, und der milde Duft der bunt schillernden Sträucher, Blumen und Bäume, erfüllte die Luft. Mein Weg, führte an dem mir gut bekannten alten Flößerhafen vorbei, an dem ich mir ein bisschen Rast gönnte, um die mich immer wieder beeindruckenden Naturschauspiele zu beobachten. Am gegenüberliegenden Ufer, sah ich einen Fischreiher, der bewegungslos im flachen Wasser stand, und darauf wartete, dass ein vorbeischwimmender Fisch ihm als morgendliches Frühstück dienen würde. Aus dem dichten Schilfgürtel tauchte auf einmal eine Entenmutter auf, die ihre sieben Jungen zu einem morgendlichen Spaziergang ausführte. Regenbogenfarbige Libellen surrten durch das Schilf und zeigten im Licht der strahlenden Sonne ein wunderschönes Farbenspiel. Alles war wunderbar friedlich und still, nur manchmal drang aus der Ferne das lustige Konzert der Frösche oder das Aufklatschen eines aus dem Wasser springenden Fisches an mein Ohr. Nach dieser kurzen aber erholsamen Pause, in der ich so viele schöne Dinge beobachten konnte, machte ich mich weiter auf den Weg, Richtung Fluss. Es war nicht mehr weit und ich freute mich schon darauf, sein sanftes Rauschen zu hören, den im Wind spielenden Wellen zuzusehen und unter der riesigen, alten Weide all diese wunderbaren Dinge genießen zu können. Nur noch wenige Meter trennten mich von meinem Ziel, als mir ein beißender Geruch in die Nase stieg. "Wo dieser seltsame Geruch wohl herkommt?", dachte ich. Am Ufer des Flusses, angekommen, bot sich mir ein erschreckendes Bild. Unzählige tote Fische trieben auf dem Wasser. Ich war entsetzt, mir stockte der Atem und Wut stieg in mir auf, als ich daran dachte, dass vor einigen Jahren ein ca. 70 km entferntes Chemiewerk, welches in unmittelbarer Nähe des Flusses liegt, seine Schleusen geöffnet hatte, um einige giftige Flüssigkeiten bequem entsorgen zu können. Auch damals starben durch diese Verunreinigung des Flusses Hunderttausende von Fischen. Was aus dieser Geschichte geworden ist, drang nie an die Öffentlichkeit. Aber mir stellte sich jetzt die Frage: "Sollten sie es wieder gewagt haben?" Ich musste spontan handeln, lief eilig zu einem Freund, der in der Nähe des Flusses wohnt und schilderte ihm den Fall. "Du rufst jetzt sofort, die Wasserschutzpolizei an, und berichtest ihnen von dieser Katastrophe", sagte er. Er gab mir das Telefon, suchte die Nummer aus dem Telefonbuch heraus und hielt sie mir unter die Nase. Ich rief also an, und es dauerte nicht lange, bis sich jemand meldete: "Wasserschutzpolizei, was kann ich für Sie tun?" Immer noch in großer Aufregung, erzählte ich dem Beamten von meiner entsetzlichen Entdeckung, von dem beißenden Geruch und von den unzähligen toten Fischen, die auf meinem wunderschönen Fluss trieben. Ohne mich zu unterbrechen, hörte er zu, und gab nachdem ich ihm alles geschildert hatte, folgende Erklärung dazu ab: "Wir hatten heute Morgen schon einige Anrufe bezüglich dieses Fischsterbens. Bedingt durch die anhaltende Hitze und den niedrigen Wasserstand des Flusses ist das Wasser gekippt, was zur Folge hat, dass der Sauerstoffgehalt des Flusses für einige Zeit gleich Null ist. Die Fische und einige andere im Wasser lebende Tierarten werden dadurch nicht mit genügend Sauerstoff versorgt, was dann zu einem Massensterben dieser Tiere führt. Ich hoffe, dass ich Sie mit dieser Information ein wenig beruhigen konnte". Er wünschte mir noch einen schönen Tag und verabschiedete sich von mir. Ich war noch ganz verdutzt, alles ging so schnell. Mein Freund bemerkte dieses und fragte: "Na, was hat man dir zu diesem Vorfall gesagt?" Als ich mich wieder ein bisschen gefasst hatte, erzählte ich ihm, was mir der Beamte der Wasserschutzpolizei mitgeteilt hatte. "Dann können wir ja beruhigt sein. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze und wird durch dieses Fischsterben einen gewissen Ausgleich in der Fischfauna geschaffen haben", meinte er. Ich erwiderte mit ernster Miene: "Ja, ganz bestimmt und diese Gesetze unterstützt sie dann mit einem Mittel, das in unseren Nasen ein unangenehmes Beißen hervorruft.



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Eingereicht am 11. August 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.


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