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Sand und Stein

Von Wolgang Scholmanns


Er liegt schon einige Jahre zurück, der Spaziergang mit meinem besten Freund. Wir hatten uns entschlossen, bei schönem Wetter ein bisschen am Rhein spazieren zu gehen. Bei strahlendem Sonnenschein, einem milden Wind und mit guter Laune machten wir uns auf den Weg. Wie so oft, unterhielten wir uns über unsere Einstellung zum Leben. Während dieser Unterhaltung, kam es plötzlich zu einer heftigen Auseinandersetzung, die mit einer Ohrfeige endete, die ich von meinem Freund bekam. Ich war schon ein wenig überrascht, bewahrte aber die Ruhe, kniete mich nieder und schrieb mit einem Stock folgende Worte in den Sand: "Heute während einer Auseinandersetzung, gab mir mein bester Freund eine Ohrfeige."
Er schaute mich verdutzt an fragte mich aber nicht, warum ich diese Worte in den Sand geschrieben hatte. Nach einer Weile, setzten wir unseren Spaziergang schweigend fort. Irgendwann wurden mir die Beine schwer und ich fragte ihn, ob er sich mit mir ein wenig ans Ufer setzen wolle, um ein bisschen auszuruhen. Er willigte ein, und so machten wir uns auf den Weg, über die wild aufgestapelten Steine, Richtung Ufer. Fast unten angelangt, stolperte ich über einen Stein, und schlug mir mein rechtes Knie auf. Mein bester Freund war in Windeseile bei mir, hob mich behutsam hoch und begann sofort damit, mein Knie zu verarzten. Er holte Verbandszeug aus seinem Rucksack, tupfte die Wunde ab und desinfizierte sie. Danach klebte er noch ein Pflaster auf die blutende Stelle. Nach dieser Erste-Hilfe-Aktion, sagte er mir, dass er nun das Auto holen werde. Ich sollte still sitzen bleiben und mein Bein möglichst wenig bewegen. Als er fort war, holte ich mein Messer aus der Tasche, und ritzte in einen vor mir liegenden Stein folgende Worte: "Ich bin heute gestürzt. Mein bester Freund war sofort zur Stelle und bemühte sich sehr fürsorglich um mich."
Kurze Zeit später kehrte mein Freund zurück, sah die Worte, die ich in den Stein geritzt hatte und fragte: "Als ich dich vorhin geohrfeigt habe, hast du deine Worte nur in den Sand geschrieben, aber jetzt, hast du sie in Stein geritzt. Warum?"
Ich antwortete ihm: "Das was ich in den Sand geschrieben habe, kann der Wind des Verzeihens schnell wieder verwehen. Aber das Gute, das du für mich getan hast, habe ich in Stein geritzt, damit kein Wind es je wieder auslöschen kann. Er schluckte ein paar Mal, und ich sah wie seine Augen sich mit Tränen füllten. Dann umarmte er mich und sagte: "Du bist so ein guter Mensch, immer wieder kann ich etwas von dir lernen. Vielleicht bin ich deshalb manchmal so schlecht drauf, weil ich deine Einstellung zum Leben bewundere und selbst gerne so sein möchte wie du."



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Eingereicht am 06. August 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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