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Das Schicksal der Tranja Tagelöhner

Von Diederich von der Hain


Junker Andreas war sehr gelehrig und bezahlte mich für meine Einweisungen.
Er fuhr oft nach Magdeburg oder Halle um an den Universitäten zu studieren.
Mir brachte er dann neueste Erkenntnisse mit. Was ihn ganz besonders interessierte waren die Hexenprozesse und die gab es hier zur Genüge. Fast täglich waren Meldungen aus der Umgebung bekannt geworden. Wieder wurde eine Hexe überführt. Die Verfolgung wurde konsequent durchgeführt. Der Ruf unseres Bischofs Heinrich-Julius dahingehend war weit über die Grenzen hinaus bekannt. So kamen viele Leute nach Halberstadt oder Braunschweig um zu lernen, wie die Hexenverfolgung ordentlich zu absolvieren war. Die Hexenverfolgung war eine wichtige Angelegenheit in unserer Zeit. Es kam immer wieder dazu, dass es Ereignisse gab welche nicht zurückzuverfolgen waren, als dass eine Hexe ihr Unwesen trieb. Auch war mancher in Unwollen gefallen, also dann wenn jemand einem anderen missfiel dessen Wohlwollen verspielte. Von einem solchen Fall möchte ich Euch heute berichten. Junker Andreas hörte davon und so kann ich Euch genaueres berichten. Also höret:
Der Fall spielte sich ab, als die älteste Tochter eines Tagelöhners sich in Anstellung der reichen Gutsfamilie befand. Die Küchenmagd war bereits seit mehreren Jahren dort angestellt und gute 25 Jahre. Sie galt als sehr fleißig und gab der Gutsfrau keinerlei Anlass zur Schelte. So gab die Gutsfrau ihr auch immer etwas für die Familie der Tranja, so hieß die Küchenmagd, von dem übergebliebenen Essen mit. Tranja war unverheiratet und hatte neben ihrem Vater noch weitere Geschwister zu ernähren. Also war Tranja sehr bemüht, immer für die Gutsfamilie da zu sein. Dafür gab es eben etwas ab, von dem was die Familie überließ. Nicht Ungewöhnliches. Aber der Pferdeknecht Paul hatte ein Auge auf die Tranja geworfen. Er war ein grober unbeholfener Kerl. Der wohl in der Lage war jedes Pferd zu Boden zu werfen.
Jedoch nicht der Mann, in den sich eine Frau verlieben konnte. Wobei wohl gar nicht so sehr das grobe Aussehen oder seine Statur abschreckten, als vielmehr seine ungepflegte Art. Sein Geruch der von ihm ausging und sein unflätiger Wortlaut. Dabei fluchte er und beschimpfte alle und alles. Wen wundert es, dass Tranja sich ihm verweigerte. Also ließ Paul nicht ab bis er eines Tages bemerkte, dass der älteste Sohn der Gutsfamilie ebenso Geschmack an der Tranja fand. Er war zwar erst 16 Lenze aber schon ein stattlicher Mann. Er konnte gut zu Pferde und die Waffen schwang er außerordentlich.
Manch älterer musste auf der Hut sein. Er war aber noch sehr ungestüm. Nach einem erfolgreich absolvierten Turnier feierte der Junge Herr Thomas mit Freunden und sprach dem Alkohol sehr zu. Um Nachschub zu holen, begab er sich in die Küche und begegnete der Tranja, Sie war gerade dabei, den Boden zu reinigen, als der junge Mann die Küche betrat. Na jedenfalls fanden beide Vergnügen aneinander. Sicher war der Thomas nicht solch ein grobschlächtiges Ungetüm wie der Paul, zum anderen aber eben auch noch unerfahren. Das sollte sich durch die Lehre der Tranja anders werde. Leider bemerkte Paul was sich gelegentlich in der Küche abspielte. Er musste einmal durchs Küchenfenster zu geschaut haben und berichtete dann der Gutsfrau, dass er gesehen hätte wie die Tranja sich an der Hose das Herrn Thomas zuschaffen machte und wie sie ihren Kopf in die selbige steckte. Auch soll die Tranja ihrerseits sich auf das Gesicht des Herrn Thomas gesetzt haben.
Für die Gutsfrau war dies ein gewaltiger Schock. Am selben Abend noch berichtete sie ihrem Gemahl von dem Vorfall, dieser jedoch schüttelte sich vor Lachen, und lobte seinen jungen Sohn. Darüber konnte aber die Gutsfrau nicht glücklich werden. Insgeheim befürchtete sie dass ihr Gemahl wohl an dieser Magd auch noch entzücken finden würde. Kurzentschlossen warf sie die Magd vom Hof. Sie solle auch den Ort verlassen, denn es sei ja kein Mannsbild mehr vor ihr sicher, wenn diese von den Verführungen der Magd erfuhren wären sie schon erlegen. Ob es nun neben dem Alkohol auch schwarze Magie im Spiel war steht zu ermitteln, jedenfalls war der Sohn in Liebe zu der Tranja entbrannt und wollte sie ehelichen. Ein Gespräch zwischen ihm und seinem Vater fand statt. Der Vater legte zwar dar dass es nicht unnormal sei dass ein junger ungestümer Mann seine Hörner und vor allem sein eines gelegentlich mal abstoßen sollte. Auch später könne das mal geschähen, aber alles solle seine Grenzen haben. Diese waren bei der Ehe gegeben. Der Sohn sollte das gut eines Tages übernehmen und da war so eine wie die Tranja völlig unpassend. Da sollte eine Tochter aus anderem Gutshaus oder aus dem Adel her.
Der Vater hatte damit neben dem Reichtum auch Stand vorgesehen. Aber der junge Mann ließ sich nicht sich nicht beirren. Wie es kommen musste, die Gutsfrau klagte gegen die Küchenmagd dass sie mit Magie den Herrn Thomas verwirrt hat um sich an ihn heran zu machen. Und sich in die Gutsfamilie ein zu heiraten. Auch zeigte sie die teuflische Art der Verführung an. Damit war natürlich die Kunde von der Hexe Tranja bis nach Halberstadt zum Bischofssitz gedrungen, denn der Bischof war dazu mal Landesfürst. Alsbald ging es nicht mehr darum die Magd aus dem Ort oder Lande zu verbannen, nein dieser Fall musste genauestens untersucht werden. Darum wurde eine Untersuchung eingeleitet. Nun bekam ich den Auftrag diesen Fall als Advokat zu betreuen. Ich studierte mit dem Junker Andreas diesen Fall gemeinsam und genauestens. Zuerst mussten wir uns ein genaues Bild von dieser Tranja machen. Dazu begaben wir uns zum Kerker, in welchem die Unzüchtige gehalten wurde. Sie hatte wallendes rotes bis kastanienbraunes Haar. Es wird gewiss wenn es frisch gewaschen wurde glänzen und die Sonnenstrahlen widerspiegeln. Ihr Gesicht war nur mit wenigen Sommersprossen bedeckt, aber die wohlgeformte Linienführung der Gesichtzüge ließen verstehen warum der junge Herr ihr verfiel.



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Eingereicht am 20. Juli 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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