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Ferien in Kenia

©  Frank Weber


"Wollen wir im Juli nach Afrika fliegen"
Julia hat das ganze Jahr zuvor entweder studiert, für die Prüfungen gebüffelt oder gejobbt. Sie fanden beide fast keine Zeit für einander, da Peter, als Journalist immer auf Abruf war. Einen Urlaub hat Julia schon länger geplant, um die junge Beziehung zu festigen. Einfach mal ein anderes Umfeld, andere Themen und Leute. Nun, sie hatten es sich einfach verdient, verdammt nochmal!
Andere lagen beim ersten Sonnenstrahl leicht bekleidet am See, hielten Händchen und aßen Eis. Das Leben war nicht fair! Bei ihrem letzten Job im Service an einem Strandcafé verdiente sie für eine ungelernte Serviertochter ziemlich gut.
"Nach Mombasa oder Nairobi auf Safari"
Wie gerne wollte sie endlich einmal mit ihrem Schatz ein paar Tage alleine verbringen. Pete hatte zwar eine Wohnung und sie fühlte sich schon sehr daheim bei ihm " verbrachte sie oftmals mehr Zeit in seiner Wohnung als im Elternhaus.
Doch zusammen den Urlaub verbringen oder eine Wohnung zu teilen, wobei man sich nur am Abend kurz sah, das war schon ganz was anderes. 24 Stunden mit dem Mann verbringen, den man liebte, was Schöneres konnte sie sich nicht vorstellen!
"Im Juli in die Wüste" Das ist doch viel zu heiß!"
Peter blickte nicht von der Zeitung hoch. Julia stellte sich hinter Peter und legte ihm die Arme um die Schultern.
"Momasa liegt am roten Meer, da kannst du baden und dich abkühlen. Die Safari muss einfach herrlich sein: Zebras, Tiger, Geparde " im Zoo tun sie mir immer leid, doch auf freier Wildbahn "
Peter legte den Zeigefinger auf eine Zeile und blickte hoch "Schatz, Kenia mag schön sein " im Herbst, wenn bei uns die Selbstmordrate steigt, weil das Wetter die sonnenhungrigen Faulenzer deprimiert!"
Voller Enthusiasmus drehte sich Julia um ihren Lover, setzte sich auf den Tisch neben das Journal und blickte Peter in die Augen " nun, wohl eher an die Augen, denn dieser war schon wieder in seinen Artikel vertieft.
"oder wie wär"s mit Jo"burg " dort gibt es die besten Weine, das Kapp der guten Hoffnung bringt immer etwas Wind mit sich, dort ist es nicht so heiss " und dennoch kriegst du etwas Farbe!"
Endlich blickte Peter von dem Blatt auf und sah Julia in die Augen. Er verzog den Mund zu einem Grinsen, ohne die, wohl angeborene leichte Scheu darin zu verlieren. Peter wirkte niemals arrogant oder hochnäsig. Das Grübchen am rechten Mundwinkel trat in Erscheinung. Julia war überzeugt, sich sofort in dieses Grübchen verliebt zu haben. Sie hätte in seinem lachenden Gesicht baden können. "Gefällt dir meine Farbe etwa nicht" Ich habe doch eine schöne Bräune. Die Sonne Afrikas verleiht meiner Haut eine hässliche Rötung, welche eine Anomalie zu meinem Teint bildet! Ich nehme die Farbe eben nicht so gut an, wie Du. Dich scheint jeder zu lieben " sogar Sol " der Sonnengott!"
"Spar dir die Poesie für die Zeitung auf"
Julie lachte vergnügt.
Am Tag darauf trödelte Julia mit zwei Studienkolleginnen nach der Schule durch Zürich. An einem Reisebüro hielt sie inne und betrachtete das Schaufenster.
Die Werbefläche schrie förmlich nach der Türkei " Sonderangebote für Istanbul, Badereisen und Kulturtripps.
Kurzentschlossen traten sie ein. Der jugendliche Reiseanbieter war gerade mit einer älteren Frau im Gespräch, welche einen kleinen, weißen Hund, weder Dackel noch Pudel an der Leine bei sich hatte. Der Verkäufer blickte kurz im Gespräch auf und deutete mit einer Handbewegung an, einen Augenblick zu warten. Also stöberten die Mädchen die Katalogständer durch.
"Paris, die Stadt der Liebe! Da habe ich Stefano, den Italiener kennen gelernt.
Mein Gott, was für ein Mann!" Freudig hielt Tina die Broschüre der Städtereisen in die Luft. Mirka kauerte mit dem gleichen Heft in der Hand am Boden und hielt den Katalog aufgeschlagen.
" und da, Nizza, da hast du deinem Stefano einen Arschtritt verpasst " warum eigentlich"
"Er hat eine andere angebaggert! Dieser Schuft " ich gehe mit ihm in Urlaub und da flirtet er mit einer Schwarzhaarigen herum. Aber ich finde ihn trotzdem süss"
"Voulez-vous coucher avec moi" hauchte Julia mit einer schmachtvollen Stimme.
Die Mädels kicherten. Die Alte mit dem gefärbten blonden Haar drehte sich in ihrem Stuhl zu den Mädchen und strafte sie mit einem vorwurfsvollen Blick.
"Hoffentlich geht diese alte Pappel nicht nach Paris, die wäre imstande, deinen Stefano ausfindig zu machen und ihn mit Haut und Haar zu verzehren " oder ihr lebender Bodenlappen " der ist ja auch so süüss!" flüsterte Mirka mit gespielter Ironie. Tina verpasste ihr einen Schlag, stimmte jedoch sofort dem Gegacker von Julia und Mirka mit ein.
Endlich verliess die ältere Dame das Tourismusbüro, wobei sie den armen Wicht hinter sich her zog. Dieser jaulte und winselte, fügte sich jedoch und folgte seiner Herrin: Nein, dieser Hund wird wohl niemanden verzehren.
Der Angestellte winkte die drei Mädchen zu sich.
"Womit kann ich ihnen helfen"
"Ich möchte gerne Ferienkataloge von Afrika. Haben sie interessante Angebote von Kenia oder Südafrika"
"Aber das haben sie doch noch gar nicht nötig" der junge Reisevertreter bemerkte den fragenden Blick und fügte hinzu "die Dame vorhin hat soeben eine Reise nach Kenia gebucht. Sie fliegt zweimal im Jahr dahin. Sie ist eine Witwe, die ihr Glück wohl nur noch dort findet! Aber ihr seid doch noch jung"
Julia war verwirrt "was für ein Glück"
"Nun, das Glück, welches die Männer eher in Bangkok suchen!"
"Ist Stefano etwa in Mombasa" Tina quittierte diese Bemerkung von Mirka mit einem weiteren Hieb. Der Reiseverkäufer wendete sich ab, um verschiedene Prospekte zusammen zu suchen.
"Ich will mit meinem Freund auf Safari gehen" Julia nahm ihm die Hefte ab und lief an ihren kichernden Kolleginnen vorbei.
"Welch ein Idiot" dachte sie bei sich.
Als Peter am Abend in nach Hause kam, wusste er schon vor dem Öffnen der Haustüre, dass Julia da war. Leise drang französische Popmusik durch die Tür. Julia liebte diese Schmuseballaden. Sie gehörten einfach zu Julia und somit liebte er diese Musik heute auch.
Als Peter die Hand auf die Türfalle legte, verweilte er einen Augenblick, um diesen Moment zu geniessen. Julia war eine wundervolle Frau. Sie war mit ihren 19 fast vier Jahre jünger als er. Er verstand überhaupt nicht, was sie an ihm fand. Sie glänzte vor Schönheit, während er sich als durchschnittlich sah. Peter hatte nach der Journalistenlehre nur mit Mühe eine Arbeitsstelle gefunden. Da Julia studierte, betrachtete er sie als hochintelligent. Er bewunderte ihre soziale Ader. Sie half jedem, der ihre Hilfe benötigte. Mit einem Achselzucken war sie immer sofort mit dem Spruch zur Hand, "Ich war auch immer eine Aussenseiterin, ich helfe gern." Ihr Mitgefühl zeigte sich nicht nur gegenüber Mitmenschen. Sie konnte einer Maus nachtrauern, welche von einer Katze zu Tode gefoltert wurde. Dennoch liebte sie natürlich auch Katzen über alles " und Peter liebte sie. Er fühlte sich als grösster Glückspilz auf Erden und trat in seine Wohnung.
"Hi, Pete" Julia sprach im Plauderton, während sie über ein paar ausgelegten Heften kniete. Sie schien mit den Katalogen dem Fussboden ein neues Kleid geben zu wollen.
"Wirbst du für ein Fotomagazin" Peter zeigte auf einen Schimpansenbild, welches vor ihr lag.
"Aber, Schatz, das bin doch nicht ich, ich bin nicht so behaart"
"Stimmt, dann muss es wohl eine Verwandte von Dir sein, den abstehenden Ohren nach."
"Ach ja" Julia betrachtete das Bild "dem coupierten Schwanz nach zu folgern, hätte ich die Verwandtschaft wohl eher bei dir gesucht"
"Wo denkst du hin" In unserer Familie ist das Wort Schwanz ein sehr dehnbarer Begriff. Ich werde es dir gleich beweisen." Er packte sie unter den Kniekehlen und den Schultern und hob sie hoch.
"Hi, Schatz" sie legte ihm die Arme um den Hals "Du bist ein Luder" er küsste sie innig, während er sie langsam auf die Beine stellte.
"Ich habe ein paar interessante Angebote für den Juli gefunden. Mit Badeferien am Meer und einer Acht-Tage-Safari. Schau dir diese Hotels an, diese Lodges und vor allem dieser Preis."
"Aber Julie, du weißt doch, das ist nichts für mich! Ich verbrenne mich andauernd.
Ich vertrage die Hitze nicht und kenianisch spreche ich auch nicht " ich kann nicht mal richtig englisch!"
"Sie sprechen Suaheli, nicht kenianisch"
"Meinetwegen, das spreche ich auch nicht. Lass uns den Sommer hier verbringen.
Im Juli ist es hier wunderbar! Ich nehme ein paar Tage frei, dann fahren wir zum Ferienhaus meiner Mutter, was meinst du"
"Deine Mutter mag mich nicht, da will ich auch nicht in ihre Privatsphäre eindringen!"
"Meine Mutter kennt dich nicht, sie würde dich bestimmt auf Anhieb lieben."
"Und warum hat sie mich noch nie gesehen" Du hast sie doch schon öfter eingeladen.
Deinetwegen hat sie wohl kaum jedes Mal abgesagt. Nach deinen Schilderungen ist sie wohl auch nicht ganz vorurteilsfrei, was deine Beziehungen angeht."
"Sie kennt dich nicht und kann dich dadurch gar nicht nicht mögen. Eventuell kommt sie ja auch mit in die Berge, dann könnt ihr euch kennen lernen."
"Ich merke, wenn ich nicht erwünscht bin und habe genug Feingefühl, das zu akzeptieren! Afrika ist auch für dich neu und kann deinen Horizont erweitern.
Schau hier" Julia griff nach einem Prospekt "unbekannte Tierarten, fremde Kulturen, andere Völker. Das sind Dinge, welchen einem Starreporter wie dir das Herz höher schlagen lassen müsste. Kommt da nicht der Abenteurer in dir hoch"
Peter nahm die Hände von Julia in die seinen und schaute ihr mit gesenktem Kopf in die Augen "Ich dachte immer, Fische wären nicht so stur, wie Löwen. Das ist doch eine verrückte Welt: ich, ein Löwe möchte nicht in die Wüste, du, ein Fisch jedoch schon. Was ist nur aus der Welt geworden, die ich einst kannte"
"Wir fahren also nach Afrika" schrie Julia auf. Ihre Stimme vibrierte vor Begeisterung. Sofort drehte sie sich um, kniete sich auf den Boden und schob wie ein besessener Maulwurf auf einem Betonbelag die Kataloge beiseite, bis sie den richtigen fand. Sie schlug ein paar Seiten um "Dieses Hotel sieht doch traumhaft aus. Es ist direkt am Meer. Und hier"
ein paar Seiten weiter "die Safari muss einfach Spitze sein"
Nun war es Peter unmöglich zu widersprechen.
"Doch, Mam", wir fliegen nach Kenia. Sie war so glücklich, du hättest sie sehen sollen. Wie hätte ich da widersprechen können" Was passt dir eigentlich nicht an Afrika" Warst du schon mal in Kenia"
"Pete, ich war schon da, du weißt doch, dass ich soziale Werke unterstütze.
Ich war schon in Kulturen, da verhungern täglich Leute. Willst du wirklich an einen Ort in Urlaub, dich wie ein idiotischer Tourist in einem teuren Hotel niederlassen, in Saus und Braus leben, während nebenan die Kinder dem Hungertod erliegen"
"Ob ich nun da in den Ferien bin oder nicht, den Leuten geht"s deswegen nicht schlechter. Und ich kann vielleicht, wie du, etwas Unheil mildern. Seit dem Tod von Papi bist du auch immer unterwegs, um Spendegelder zu sammeln und schaust dir dann Projekte im Ausland an, um zu helfen, warum soll ich da nicht auch helfen können"
"Ferien sind nicht da, um Armut zu ertragen. Was willst du dir unnötige Schmerzen antun, wenn du doch nichts ändern kannst" Gehe doch mit Judith, was weiß "
"Julie, Mam" sie heisst nicht Judith"
"Meinetwegen, geh mit ihr doch nach Spanien, Spanien muss schön sein Ende Juli. Das Mittelmeer ist dann wunderbar warm. Oder fahr in die Berge " in unser Ferienhaus meinetwegen."
"Das habe ich auch gesagt, sie sagt, du wollest das bestimmt nicht, da du sie nicht ausstehen könntest, sie möchte dir nicht zur Last fallen"
"Aber das tut ihr doch gar nicht, ich bin die letzten zwei Juliwochen wieder auf Achse für ein Projekt in Brasilien. Ihr habt das Haus ganz für euch alleine!
Kannst du dir so einen Afrikatripp überhaupt leisten" Du hast doch gesagt, sie studiere, also hat sie wohl kaum Geld. Geht also in die Berge, du hast ja den Hausschlüssel."
"Ja, Mam, du hast recht. Ich muss jetzt Schluss machen, ich habe noch ein paar Berichte zu schreiben, die müssen vor sechs Uhr zum Druck bereitliegen.
Danke Mam. Ich ruf dich bald wieder an, okay" Tschüss."
"Tschüss, mein Schatz."
"Mam hat recht" dachte Peter bei sich. Er war momentan wirklich knapp bei Kasse, die Wohnungsmiete war für seine Verhältnisse extrem hoch und die Lebenserhaltungskosten für einen jungen Journalisten auch nicht ohne. Julie würde es schon verstehen.
Klar, das Hotel war relativ günstig. Alles in allem würde die Reise dennoch über Fr. 4'000."kosten. Vier Tausend " das entsprach mehr, als Peter im Monat verdiente. Immer wieder liess er die Zahl auf der Zunge zergehen " ein Vermögen!
Der Bericht. Er musste jetzt an den Bericht denken. Er machte sich also wieder an die Arbeit und dachte nicht mehr an die Ferien.
An den kommenden zwei Tagen sah er Julia nicht. Am Freitag begab er sich nach der Arbeit sofort in die Küche und bereitete eine Lasagne vor. Peter wusste, Julia würde später vorbeikommen und freute sich auf sie. Er pfiff ein rasantes Lied aus einem Italowestern während er die Auflaufform Schicht um Schicht füllte. Als er das Nudelgericht mit Parmesan bestreute um sein essbares Kunstwerk zu vollenden, hörte er das unverkennbare Quitschen der Eingangstüre. Verwundert schaute er auf die Uhr. Tatsächlich war es schon halb sieben. Peter hatte erst in etwa einer Stunde mit ihr gerechnet und dachte, er könne noch unter die Dusche, während das Abendessen im Backofen stand. Nachdem er das Essen sachte in den Ofen geschoben hatte, putzte Peter sich die Hände ab und lief den kurzen Gang entlang, seiner Geliebten entgegen.
Julia strahlte über das ganze Gesicht. In ihrer Hand hielt sie drei Rosen.
"Du bringst mir Rosen mit" Wie habe ich das verdient" mit gespieltem Ernst griff er zu seiner Agenda und blätterte darin. "Nein, Geburtstag habe ich nicht" er richtete den Blick zur Decke und zuckte zusammen "oder habe ich etwa unseren Hochzeitstag vergessen"
"müssten wir hierfür nicht erst heiraten" lachte sie "Stimmt, das kann es auch nicht sein" wieder hatte er den Punkt in der Ecke über dem Türflügel fixiert "Geburtstag habe ich nicht, Vatertag ist nicht, zudem bin ich nicht Vater, kein Hochzeitstag ohne Hochzeit, was könnte es nur sein"
"Ach, Romeo, braucht es immer einen Grund, um von seiner holden Julia beschenkt zu werden"
Peter liess sich auf ein Bein nieder und schwang das Küchentuch, womit er sich die Hände abgerieben hatte, wie eine Fahne eines Ritters "Oh, Julia, du trübst mich mit deiner Seelengüte. Wie kann ich die lieblich duftenden Blüten annehmen, wenn ihr Griff mit Dornen versetzt ist" Die Röte der Knospe erblasst in der Schönheit deiner selbst. Wie soll eine Pflanze die Schönheit eines Engels erhellen" Sie vermag sie höchstens mit seinem Versuch zu beleidigen. Drum, oh holde Julia, könnt ich euch nie mit Geränken beglücken, da sie einen Schmach eures tugendhaften Glanzes darstellen tät"!"
Julia lachte, lief an dem knienden Romantiker vorbei und holte ein Bierglas aus dem Küchenschrank, um die Rosen einzustellen.
"Mmmh, wie das duftet. Was ist das " oh, Lasagne"
Peter folgte Julia in die Küche
"Die Speise vermag zwar den Bauch zu wärmen um den Hunger zu stillen. Die Liebe jedoch ist ein einzig Feuer, welch niemals fordert und nicht nur die Eingeweide erhitzt, sondern auch die Herzen in höhere Ebenen der Himmelstreppen wandern, nein, nicht wandern schweben, fliegen lässt. Es vermag ihr keine Apollo, welche je gebaut, folgen!"
"Ich habe übrigens unsere Ferien gebucht " Julia war gerade dabei, die behelfsmässige Vase mit Wasser zu füllen.
"Was" Aber " aber das können wir uns doch gar nicht leisten!"
Überzeugt, er spiele sein zänkisches Spiel fort, schaute sie ihn über ihre Schulter an, wie eine Mutter ihren Sohn betrachtet, der eine Dummheit getan hat.
"Aber Dummerchen, du verdienst mit deiner Poesie Millionen und ich habe auch ein paar Franken beiseite gelegt. Du hättest mich damals im Service sehen sollen, wie die Passanten mit mir geflirtet haben. Nur gut, dass ich nur dich liebe! Soll ich schon mal den Tisch decken" Wie lange braucht das Essen noch"
"Aber Schatz, Julie, mal im Ernst: Mit meinem Lohn und deiner Temporärarbeit können wir uns solche Sprünge nicht leisten! Vielleicht nächstes Jahr, okay, oder besser in zwei, dann bist du mit dem Studium fertig und verdienst eine Menge mehr als ich. Ich denke unser Budget spricht da mehr für das Ferienhaus in den Bergen. Ich habe schon mit meiner Mam geredet. Sie sagt, wir können für unseren Urlaub das Chalet haben. Denk doch vernünftig."
Während sie die Teller auf den Tisch stellte, drehte sie sich langsam zu ihm um. Ihre Augen waren drohende Schlitze, ihre Stimme war leise. Sie sprach langsam.
"Ich soll vernünftig denken" Wir haben das letzte Mal hier, in dieser Wohnung darüber gesprochen und waren einer Meinung. Du hast also mit deiner Mutter gesprochen. Gut. Hast du eigentlich auch eine eigene Meinung" Mom sagt dies, Mom sagt das. Wir können es uns leisten und wir werden es uns leisten. Es ist ein speziell günstiger Tarif und ich musste eine Anzahlung leisten. Diese Tickets sind gebucht und nicht abänderbar! Uns bleibt also gar nichts anderes übrig, als zu gehen. Und wenn du nicht willst, ach, dann geh ich allein."
Julia legte das Küchentuch, womit sie die Teller abgerieben hatte über den Stuhl und machte sich auf, das Haus zu verlassen.
"Schatz, so war das nicht gemeint" An der Haustür erreichte er Julia noch bevor sie die Türe öffnen konnte. Er drehte sich zu ihr hin, während sie sich loszureissen versuchte. Als er sie soweit gedreht hatte, dass er ihr in die Augen sehen konnte, sah er Träne in ihren Augen. Beschämt riss sie sich von ihm los.
"Ach hör doch auf." Sie versuchte grob zu klingen. Dennoch war das Beben in ihrer Stimme klar zu hören. Peter nahm sie in den Arm.
"Liebling, es war wirklich nicht so gemeint." Er sprach ruhig und tröstend, warm wie ein Hypnotiseur, der seinen Patienten in den Schlaf wiegte. Sie verdeckte ihr Gesicht an seiner Brust.
"Wir gehen ja nach Kenia. Ist ja gut, mein Schatz, ist ja gut. Ich liebe dich" er wiegte sie leicht in seinen Armen und küsste sie aufs Haar. Sie schluchzte noch immer, jedoch unhörbar. Peter spürte das leichte Beben durch seine Hände.
"Es ist alles gut, wir gehen nach Kenia. Alles ist gut."
Sanft drückte sie sich von ihm los und wischte sich mit dem rechten Arm die Augen ab. Sie lachte künstlich auf, um ihre Gefühle zu überdecken, dennoch verlor sie die Vibration nicht aus der Stimme.
"Du kannst dich einfach nie entscheiden. Wann wirst du mal erwachsen." Sie küsste ihn auf den Mundwinkel. Er spürte die warme Träne auf seiner Wange, was sehr intim war. Wieder überkam ihn das Gefühl, diese Frau einfach nicht verdient zu haben.
"Lass uns eine Flasche Wein öffnen" mit leichtem Erstaunen stellte er fest, dass nun auch seine Stimme vibrierte. Ob das wohl ansteckend ist, fragte er sich und hätte beinahe gelacht, was die Stimmung wohl zunichte gemacht hätte. Er zog sie sanft zurück in die Wohnung und setzte sie wie ein Stoffpüppchen an ihren Platz und beeilte sich, das Getränk aus dem Kühlschrank zu holen und die Gläser aufzutischen. Eine endlose Kürze sassen sie da, ohne ein Wort zu verlieren, dafür sahen sie sich tief in die Augen. Wenn sie nicht gerade das Glas hielten, waren ihre Hände ineinander gelegt.
Noch bevor der Wecker des Herdes klingeln konnte, kam Peter frisch geduscht aus dem Badezimmer und trocknete sich die Haare ab. Nach einem wunderbaren Mahl bei romantisch französischer Musik (es war die CD, welche Julia immer anhörte, wenn sie allein bei Peter war), begaben sie sich zu Bett und liebten sich innig. Wieder fühlte sich Peter als der glücklichste Mensch der Welt.
Frau Borgward ging mit Goliath, ihrem ständigen Begleiter die Straße entlang.
Ihr Gesicht war von einem breiten Grinsen gezeichnet, was die Falten zwar hervortreten, sie dennoch jünger erscheinen liess. Sie hatte allen Grund zur Freude. Bald wird sie Harun, ihren kenianischen Liebhaber, wieder sehen.
Die Reise nach Mombasa war gebucht und die Reisedokumente in ihrer braunen Ledertasche. Nun konnte ihrem Glück nichts mehr im Wege stehen. Goliath, der weiße Streuner zog kräftig an der Leine und wedelte mit dem Schwanz.
Er schien von der Freude seiner Herrin angesteckt. Nur noch zwei Wochen, dann ist sie endlich wieder bei ihrem Liebhaber. Sie war auf dem Weg zum Arzt zur Steppvisite. Die Malariaimpfung musste sie nicht mehr machen, die nahm sie seit dem Tod ihres Mannes vor zweieinhalb Jahren regelmässig ein, da sie zweimal im Jahr den Osten Afrikas bereiste. Nach dem Arztbesuch werde sie, wie immer, wenn sie den schwarzen Kontinent bereiste, die alten T-Shirts und Strümpfe zusammensuchen. Die waren in Kenia sehr begehrt und immer ein willkommenes Geschenk. Ach ja, und zum Friseur wollte sie auch noch. Immerhin waren das nicht nur einfach Ferien. Glücklich summend schlenderte die alte Dame vor sich hin. Sie war in ihre Gedanken versunken.
"Hast du die Badehose"
"Sicher, Schatz, die liegen auf dem Bett."
"Sonnencreme" Wo hast du den Sonnenschutz"
"Der muss auch da irgendwo auf dem Bett sein."
"Das grosse Badetuch brauchst du nicht, das braucht zuviel Platz im Koffer."
"Und wie soll ich mich abtrocknen"
Peter kam mit nassen Haaren aus dem Bad ins Schlafzimmer. Julia stand vor dem Bett mit einem riesigen Lederkoffer und packte die Utensilien für ihre Reise ein. Das Visum für Kenia hatte Julia damals, vor vier Wochen über das Reisebüro geordert. Jetzt verwahrte sie die Papiere mit den übrigen Reisedokumenten in ihrer Handtasche auf.
"In den Hotels stellen sie die Tücher zur Verfügung. Dummerchen"
Er stellte sich, nur mit der Unterhose bekleidet, das Handtuch über der Schulter, nahe an Julia und sprach leise in einem tiefen Tonfall "und wenn sie uns nun keine Tücher geben"
" dann lassen wir uns von der Sonne trocknen. Wo ist nun die Sonnencreme, die habe ich noch immer nicht gefunden. Ich will doch nicht, dass sich mein armer Schatz verbrennt. Wer will schon einen Krebs zum Freund"
Peter legte die Tuchenden über Julias Schulter, fasste sie an der Taille und küsste sie. Erst liess sie sich das gefallen, doch dann riss sie sich los.
"Wir müssen vorwärts machen, es gibt noch viel zu tun!"
"Was denn" Es ist jetzt fünf Uhr abends. Unser Flieger geht morgen um sechs Uhr früh. Wir haben also noch 13 Stunden Zeit."
"Pete, glaub mir, es gibt noch viel zu tun. Ich möchte noch den Blumen Wasser geben, mit deinen Nachbarn reden wegen deiner Post und ausserdem wolltest du doch heute schon zum Flughafen fahren, um das Gepäck einzuchecken. Bringt uns morgen deine Mutter zum Airport"
"Nein, sie ist doch in Brasilien, wegen ihrer Projekte. Ich habe Dave aus der Firma überredet, uns zu fahren, er ist ein Frühaufsteher und möchte in der Gegend noch einen Bericht schreiben."
"Ach, schade, dann hätte ich endlich einmal die Frau kennen gelernt, die bei dir das Sagen hat."
"Ist doch gar nicht wahr. Sie war dagegen, dass wir in den Dschungel fahren und dennoch reisen wir dahin."
"Hat sie eigentlich nichts mehr gesagt, nachdem wir die Reise gebucht haben"
Sie muss ja wie eine Furie gegen unseren Trip gewesen sein."
Peter setzte wieder sein neckisches Grinsen auf "Wer sagt denn, dass sie überhaupt weiß, dass wir nach Kenia reisen"
Julia hielt mit dem Einpacken inne
"Was hast du ihr denn erzählt"
"Toggenburger Ferienhaus"
"Wozu" Warum kannst du ihr nicht sagen, wohin wir in Urlaub fahren"
Er drehte sich halbwegs ab
"Sie hätte noch das viel schlechtere Bild von dir. Sie hat eh schon das Gefühl, ich wäre unter deinem Hammer und könne keine eigene Meinung mehr haben. Da wir uns gegen Kenia ausgesprochen haben, konnte ich ihr nicht sagen, wir fahren nun doch dahin."
"Keine eigene Meinung heisst bei ihr wohl, nicht ihre Meinung. Und was erklärst du ihr, wenn du braungebrannt zurückkommst"
"Na, dann sage ich, die Sonne in den Alpen war dieses Jahr ungewöhnlich stark.
Wir werden auf Bergtour gewesen sein und Berglöwen beobachtet haben"
"Und Bergzebras, Berggiraffen und, ach ja, Hanibal mit seinen Bergelefanten werden wir wohl auch begegnet sein" Julia kicherte.
Die Flugzeugstühle waren in der Touristenklasse viel zu eng. Sie wusste, dass sie etwas übergewichtig war, doch nach ihrer Meinung hätte darin auch eine schlankere Frau keinen Platz gefunden. "Wer keinen Luxus bezahlen will, kann auch keinen Luxus erwarten" dachte sie bei sich und war dennoch beschämt.
Bei ihrer Ankunft würde sie dafür königlich empfangen, was alle Strapazen wieder aufheben wird. Immerhin war die Reise schon viel bequemer, als noch vor zwei Jahren. Damals hatte sie noch Goliath auf den Knien dabei. Da er jetzt für die Personenkabine zu gross war, hätte er im Gepäckraum reisen müssen. Sie hätte es nicht übers Herz gebracht, ihren kleinen Liebling in der Fracht zu wissen, deshalb gab sie Goliath wenn sie auf Reisen ging ins Tierheim. Klar, das Tierheim war nicht der ideale Ort, doch bestimmt erträglicher für Goliath, als diese Reisestrapazen. "Immerhin muss er sich nicht in einen solchen Kindersitz zwängen", ging ihr während dem Flug durch den Kopf.
"Danke, Dave, du bist ein Schatz"
"Nun geht schon. Ich muss noch eine Menge Arbeit nachholen, welche Peter verschlampt hat. Da kommt noch einiges auf mich zu!"
Sie beugte sich von hinten zwischen den Sitzen nach vorne und drückte Dave einen Kuss auf die Wange "He, he, könntest du mich bitte betrügen, wenn ich nicht dabei bin" Vielleicht stört es mich, wenn meine Mitarbeiter mit meiner Freundin herumknutschen!"
"Du hast eine solche Frau sowieso nicht verdient, ich sage dir schon lange, diese Frau wäre bei mir besser aufgehoben!"
"Schnell, Julie, steigen wir aus, sonst vergesse ich, dass Dave einmal ein Freund war und Dave vergisst, dass er einen goldenen Ring an der rechten Hand trägt"
"Bye, Kumpel, bring mir ein Kamel mit"
Peter drehte sich zu Julia
"Gibt"s in Kenia etwa auch Kamele"
"Klar, doch und morgen wird"s noch eins mehr sein!"
Peter war empört "Ich würde dich doch nie als Kamel bezeichnen. So, lass uns aufbrechen. Dave ist zwar bekannt für seine Geschwindigkeit, dennoch sind wir spät dran. Scheinbar ist er nicht überall der Schnellste"
"Ich bin der Schnellste, man muss nur die Prioritäten richtig setzen. Habt ihr alles"
"Klar doch, bei einem solchen Feldweibel" Peter zeigte mit dem Daumen auf Julia "kann einfach nichts vergessen gehen!"
"Nun denn, Tschüss ihr zwei, schöne Ferien."
Kaum hatten sie die Türen geschlossen, brauste Dave auch schon davon.
"Hmmm, er ist wirklich schnell"
"Tja, wenn"s um die Arbeit geht, hält ihn nichts auf. Der Ausdruck "rasender Reporter" ist extra für ihn erfunden worden." Peter nahm Julia in den Arm und trottete in die Abflugshalle.
"Meine Damen und Herren, hier spricht noch mal ihr Pilot. Wir haben mit dem Landeanflug begonnen und werden den Flughafen Mombasa in etwa 20 Minuten erreichen. Darf ich sie bitten, sich anzuschnallen und angeschnallt zu bleiben, bis das Zeichen erlischt. Besten Dank. In Mombasa ist es nun zehn Uhr zwölf vormittags. Es ist leicht bewölkt bei 32 Grad Celsius. Im Namen der ganzen Besatzung wünsche ich ihnen einen erholsamen Urlaub, danke ihnen, dass sie mit uns geflogen sind und freue mich, sie recht bald wieder mal in einer unserer Maschinen begrüssen zu dürfen. Ladies and gentlemen, "
"Wow, 32 Grad. Wie warm wird es wohl, wenn die Sonne voll auf uns niederbrennt"
"Zu heiss!"
"Pete, denk" doch nicht immer so pessimistisch, freue dich doch. Sonne, Meer, Abendteuer und das alles mit mir"
"Oh, ja, die wilden Biester können es mit dir niemals aufnehmen. Du bist und bleibst die grösste Bestie!"
"Grrrrrrr! Schau mal. Von hier aus kann man das geschäftige Treiben der Ameisen beobachten. Mit ihren Spielzeugautos auf LandkartenStraßen!"
"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein!"
"Schau hier, die Landebahn mit ihren vielen Lämpchen"
Das Fahrgestell wurde ausgeklappt und die Landeklappen aufgestellt. Das Flugzeug schien leicht ins Schwimmen zu geraten. Mit einer sanften Wucht setzten die Räder auf dem Boden auf. Der Pilot begann unverzüglich zu bremsen, was den Reisenden die Sicherheitsgurte an die Brust drückte. Ziemlich schnell verlor das Flugobjekt an Geschwindigkeit, bis es nur noch im Schritttempo dahinrollte.
Nachdem sie die Maschine verlassen hatten, fanden sich die zwei in einem Taubenschlag wieder: Das geschäftige Treiben stand in keinem Verhältnis zum Zürcher Flughafen. Hier herrschte eine wilde Hast. Nachdem sie die Koffer gefunden und den Transitbereich verlassen hatten, empfing sie ein dunkelhäutiger Reisebegleiter mit einem Schild ihres Reiseunternehmens.
"Jambo. Jambo"
"Ich bin Peter. Sprechen sie deutsch"
Yeah, ein bisschen. I"m Rama. Ik bin ihr Tourguide. In Kenia, wir sagen Jambo for hello!"
"Oh, Jambo"
Als sich endlich eine kleine Gruppe von Touristen zusammengefunden hatte, geleitete Rama die Gäste zu einem Minibus, welcher für zwölf Leute Platz fand. Ein Porter kletterte wie ein Wiesel auf das Dach. Ein anderer hob ihm die Koffer hoch. Das ganze Gefährt schaukelte, was den Herrn auf dem Dach nicht zu stören schien. Endlich waren alle Gepäckstücke geladen und die Fahrt konnte beginnen.
Die zweistündige Reise führte durch Wüstenlandschaften, kleine Dörfer mit Wellblechdächern und, in etwa der Mitte der Strecke über einen schmalen Fluss.
Um das Wasser zu überqueren, fuhren sie auf eine Fähre, welche voll beladen mit Safaribussen, Personenwagen, Reisecars, Fahrradfahrern und einer horde Fussgänger war. Rama nahm hie und da das Mikrofon zur Hand, um ein paar Erklärungen über die Kultur abzugeben. Vier mal fuhr die Gesellschaft auf einen Hotelkomplex, um ein paar Passagiere abzuladen. Nach dem dritten Hotel waren nur noch Peter und Julia mit dem Fahrer und dem Reisebegleiter im Bus. Keine viertel Stunde später erreichten auch sie ihre Unterkunft. Julia war überzeugt, dass sie die schönste Hotelanlage erwischt hatten. Der Hotelportier stand dem Porter am Flughafen um nichts nach. Er huschte in der gleichen grazilen Art auf das Dach und holte die letzten Koffer herunter. Peter wollte sie in empfang nehmen, was ihm mit einer höflichen Geste verwehrt wurde. Sie traten aus der Hitze in die kühle Aula des Hotels. Der Raum war grosszügig gebaut und liebevoll mit diversen Holzschnitzereien versehen.
Während sie die Hotelformulare ausfüllten wurde ihnen ein zähflüssiger Fruchtsaft serviert. Jetzt fühlte sich selbst Peter in den Ferien.
"Ich habe schon ein grossartiges Leben: Ich bin jung, gesund, im besitze geistiger und körperlicher Kräfte, habe die beste Frau der Welt und wunderbare Ferien. Ich könnte die ganze Welt umarmen" dachte Peter bei sich, während er Julia zuschaute, wie sie das kleine Papier ausfüllte. Die Luft schien süsslich und salzig zugleich zu riechen und Peter war sich nicht ganz sicher, ob die Geräuschkulisse aus einem Tonträger stammte, oder ob das Rauschen des Meeres, harmonisch abgestimmt mit leisem Vogelgezwitscher, untermalt mit Klängen aus, nun Peter hätte es als aus dem Urwald bezeichnet, original war. Es drängte ihn, sich sofort in die nächsten Wellen zu stürzen.
Sie standen auf um die Formalitäten der Rezeption abzugeben. Ein Porter führte die zwei Feriengäste durch ein Labyrinth von Bungalows, bis sie vor einem inne hielten. Der Angestellte schloss die Tür auf und bat das junge Pärchen einzutreten, um die Tür hinter ihnen wieder zu schliessen.
Peter warf sich sofort auf das Bett neben dem kleinen Balkon.
"Lass uns doch gleich schwimmen gehen. Es ist herrlich warm."
"So, scheint es dem Herrn hier plötzlich doch zu gefallen" sie legte die Koffer auf ihr Bett, öffnete diese und begann die Kleider auszusortieren und im grossen Einbauschrank zu versorgen. Peter schnappte sie an der Hand, als sie gerade ein schwarzes Oberteil dem einen Koffer entnahm.
"Schatz, lass uns baden gehen. Das können wir auch später noch machen."
"Nein, das können wir nicht. Hast du den Irrgarten gesehen, durch welchen wir durchgeführt wurden" Was ist, wenn wir nie mehr zurückfinden"
"Dann spielt es auch keine Rolle, ob die Kleider im Schrank verloren gehen, oder auf einem Bett liegen, welches wir nie wieder finden, oder" Nun komm schon!"
Julia liess sich von Peters Enthusiasmus anstecken "Also gut, ich ziehe meinen Bikini an, dann kann"s losgehen."
Beide zogen sich um, Julia setzte sich einen Strohhut und Sonnenbrille auf und band sich ein Tuch um die Taille, welches als Rock diente, packte zwei Tücher aus dem Bad sowie Sonnencreme und den Zimmerschlüssel in die Tragtasche und verliess das Bungalow. Peter folgte ihr wortlos. Beim Hinaustreten realisierte er den Wärmeunterschied, trat nach einer kurzen Denkpause wieder ins Zimmer um die Klimaanlage einzuschalten und kam wieder heraus.
"Nur damit es schön kühl im Zimmer bleibt."
"Aber es ist doch schon kühl im Raum, auch ohne Klimatisation." Julia küsste Peter.
Am Meer angekommen wurden die beiden sofort von Beachboys umzingelt, welche ihre Ware feilboten.
"Bis du aus deutsland"
"Nein, aus der Schweiz"
"Oh, zwizerdüütsch, ik kenne Sweits, von Basel oda Zurich"
"Aus Zürich, bitte, wir sind erst angekommen und wollen ein Bad im Meer nehmen!"
"Jambo, ik Mahlo, ik Professor. Wie du heisse"
"Ich bin Peter. Dürfen wir jetzt mal bitte ins Meer"
"Hi Pita. Das deine Frau" Schöne Frau. Wie du heisse"
Mahlo, der selbsternannte Professor drückte beiden die Hände. Julia kicherte kurz auf.
"Was lachst du denn"
"Nur so" sie schmunzelte vergnügt.
"Nur kurz zeigen von schöne Schnitzerei. Habe Fabrik. Komm, Pita, komm, du schöne Frau"
"nein, wir wollen jetzt nicht, später vielleicht. Okay"
"Nei, jetzt, jetzt" Mahlo versuchte die beiden hinter sich her zu ziehen.
Die beiden leisteten jedoch Widerstand.
"Weiß, wenn jetz mitkomme, dann niemand mehr stören euch. Wir alle zusammen und wenn du kaufe jetzt, Rest von Ferie nieman störe euch"
"Nein, wir wollen jetzt wirklich nur baden gehen."
"komme, komme" wieder versuchte der Strandjunge die beiden mitzuschleppen.
Langsam gab Julia dem Zwang nach und folgte dem Eingeborenen.
"Komm, Pete, dafür lassen sie uns nachher in Ruhe"
Peter konnte ganz schön stur sein, doch seiner Lieben zu widersprechen, dazu war er nicht fähig.
"Also, warum hast du vorhin so gekichert"
"jemand hat mir erzählt, es gibt Frauen, die kommen nur hier her, um sich einen solchen Beachboy zu angeln. Das ging mir durch den Kopf, als uns diese Meute angesprungen hat."
"Du willst also einen der Jungs als Souvenir"
Julia lachte auf. Sie waren noch immer im Schlepptau von Mahlo "Warum nicht" Die sind doch sooo süüüüsss!"
Nun lachten beide, während sie in eine Seitengasse voller behelfsmässiger Läden abbogen. Hier herrschte tatsächlich ein rechter Betrieb. Fabrik war vielleicht übertrieben, aber es ging dennoch, wie auf einem Markt zu. Etwa dreissig Schwarze sprachen auf eine Handvoll weißer Opfer ein. Soeben liefen sie an einer älteren Dame vorbei, welche Hand in Hand mit einem Eingeborenen stand und diesen küsste. Mahlo wollte sie soeben an dem Pärchen vorbeiziehen.
"Scheinbar ist das nicht nur ein gerü" Julia hielt mitten im Satz inne und fuhr merklich leiser fort "Das ist ja die Alte aus dem Reisebüro. Das glaube ich ja nicht. Die kommt wirklich her, um hier die Männer zu angeln."
Peter, welcher gerade ein paar Kunstwerke auf der anderen Seite betrachtete, drehte sich zu der Alten um. Es durchzuckte Pete, wie vom Geist getroffen.
Ihm blieb beinahe die Luft weg. Jedoch nur beinahe, denn mit keuchender Stimme brachte er doch ein Wort hervor:
"Mom"




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Eingereicht am 04. Juli 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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Erzähl mir was von Afrika. Band 1. Dr. Ronald Henss Verlag   ISBN 3-9809336-2-8  ca. 150 Seiten   8,90 Euro.




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