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Giraffentanz

©  Heinke Aschemann


In der Steppe herrschte große Aufregung. Alle Tiere bereiteten sich auf den großen, alljährlichen Mittsommernachtsball vor. Der Elephant badete ausgiebig und schruppte sich all den trockenen Lehm von den Füßen. Der Löwe ließ sich vom Affen die Läuse aus der Mähne suchen und das Krokodil putzte sich an einem alten Baumstamm die Zähne.
Bei der Wasserstelle probten Die Grillen und alle Frösche vom Teich die Ballmusik für den Abend. Nur ein Frosch fehlte. Er saß weitab in der Rinde eines Baumes. Nicht weit von ihm entfernt stand die Giraffe. Auch sie hatte sich bei den Bäumen versteckt und beobachtete die anderen Tiere bei ihren Vorbereitungen. Es war jedes Jahr das Gleiche. Je näher der Ball kam, desto größer wurde ihre Angst, dass alle Tiere sie auslachen würden, sobald sie tanzte. Sie hatte ja viel zu lange Beine und einen viel zu langen Hals! Auch würde niemand mit ihr tanzen wollen! Wenn der Leopard tanzte sah das toll aus, aber bei ihr…? Die Giraffe seufzte.
Der Frosch in seiner Rindennische seufzte auch. Er würde so gerne einmal die Welt von oben sehen! Er bewunderte die Giraffe seit Tagen. Ihre langen Beine und ihren noch längeren Hals. Sie war die Einzige in der Steppe die richtig weit schauen konnte.
In diesem Moment beugte sich die Giraffe nach unten, um sich am Bein zu kratzen. Ihr Kopf glitt ganz dicht an des Frosches Rindenplatz vorbei. Der Frosch überlegte nicht. Er sprang in einem hohen Bogen auf die Giraffe und landete in ihrem Ohr.
Die Giraffe erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde vor Schreck. Dann sprang sie mit allen Vieren zugleich in die Höhe, warf den Kopf nach oben und rannte hüpfend, ausschlagend, den Kopf hin und herschlenkernd über die Steppe in Richtung Teich. Die Giraffe sah nichts mehr. In blinder Panik das Ding aus ihrem Ohr zu bekommen vollführte sie die unmöglichsten Bewegungen. Mal streckte sie den Kopf zwischen die Vorderbeine, dann riss sie ihn wieder in die Höhe, schlenkerte ihn hin und her, trippelte auf der Stelle und rannte ein paar Meter.
Der Frosch hielt sich fest so gut er konnte. Es war das tollste, das er je erlebt hatte. Mal sah er die Baumwipfel, dann rauschten sie wieder an ihm vorbei und er sah den Bauch der Giraffe. Dann konnte er für ein paar Sekunden ein Dorf erkennen und schon sah er wieder den Teich. Der Wind sauste ihm um die Ohren.
Die Giraffe sprang mit einem großen Satz in den Teich, drehte sich wild um sich selbst und hüpfte auf und ab.
Der Elephant hielt mit dem Duschen inne und schaute auf die Giraffe. Ihm blieb vor Staunen der Mund offen. Er hatte ja gar nicht gewusst, dass die Giraffe so gut tanzen kann! Begeistert schubste der Elephant das Krokodil an. Auch dem Krokodil blieb das Maul offen. Es stupste den Löwen an. Der wiederum schubste den Affen, welcher das Gnu anstieß, welches den Leoparden rempelte. So schauten nach kurzer Zeit alle Tiere begeistert der Giraffe zu.
Die Giraffe war mittlerweile wieder über die Steppe gerannt und trippelte auf der Stelle. Dabei schlug sie kräftig mit dem Kopf von rechts nach links. Da kann der Frosch sich nicht mehr länger halten, rutscht am Hals hinunter und fällt vor der Giraffe auf den Boden. Erleichtert, dass das Ding endlich aus ihrem Ohr verschwunden ist, gleitet die Giraffe elegant in den Spagat um zu sehen was denn nun in ihrem Ohr gewesen war.
Vor ihr sitzt der Frosch und strahlt sie an.
"Oh, Giraffe", quakt er entzückt, "das war ja wunderbar! Machen wir das noch mal?"
"Was noch mal!" fragt sie erschrocken. Wollte dieser freche Frosch etwa noch mal in ihr Ohr springen?
Aber der Frosch strahlte immer noch und quakte: "dass ich auf dir sitze und in die Ferne schaue! Es war so schön!"
Doch bevor die Giraffe dem Frosch antworten kann brechen die anderen Tiere in tosenden Beifall aus. Sie klatschen und schreien, hüpfen und kommen angerannt der Giraffe zu gratulieren. Der Elephant klopfte ihr mit dem Rüssel auf die Schulter. "Wir haben ja gar nicht gewusst, dass du so gut tanzen kannst!" trompetet er und alle anderen nicken.
"Ich und tanzen?" erstaunt sich die Giraffe. Ja nicken alle Tiere "so was haben wir noch nie gesehen!"
"Giraffe", sprach der Löwe bedächtig, "kommst du heute Abend auf den Ball?" "Oh ja, bitte!" rufen alle im Chor.
Da wurde die Giraffe über und über rot vor Freude und verspricht zu kommen.
Es wurde der schönste Ball den die Tiere je erlebt hatten. Die Frösche und Grillen spielten ohne Unterlass und alle tanzten bis zum Morgengrauen. Die Giraffe war glücklich! Niemand lachte über sie, ihren langen Hals und ihre langen Beine und alle wollten mit ihr tanzen! Doch wo war der Frosch geblieben? Denn ohne ihn und seine komische Idee in ihr Ohr zu springen hätte sie sich wohl nie getraut auf den Ball zu gehen und sie hätte auch nie gewusst, dass sie tanzen kann.
So suchte die Giraffe den Frosch und fand ihn schließlich bei den großen Bäumen. Der Frosch saß in der Rinde und träumte von dem bisschen Ferne, das er gesehen hatte.
"He, Frosch"; sagte da eine Stimme. Der Frosch öffnete Die Augen und schaute direkt auf die Giraffe. "Möchtest du auf meinem Kopf sitzen und mit mir heute durch die Steppe ziehen"? fragte sie ihn mit einem Lächeln. Da nickte Frosch ganz sprachlos und sprang mit einem gut gezielten Hops der Giraffe genau zwischen die Hörnchen.
Von diesem Tag an konnte man oft die Giraffe durch die Steppe tanzen sehen mit einem Frosch, der auf ihrem Kopf hüpfte.




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Eingereicht am 03. Juli 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.
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