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Sandwolke 7

©  Elke Ripka-Exler


Ich hab sie heute wieder gerochen.
Ich hab sie heute wieder gehört.
Ich hab sie aber noch nie gesehen.
So geht das jeden Tag. Immer ihren lolitahaften Geruch und dann ihre Stimme. . . . . . Wieso ist da nur diese komische Mauer? Ich möchte sie doch wenigstens einmal sehen und beschnüffeln. Jedesmal, wenn ich neben dem Tor stehen bleibe, werde ich von dort weggerissen und mir wird zugeschrien: "Du hast hier nichts zu suchen. Das ist das Reich der Reichen". Wer sind denn die "Reichen"?
Ach ja, darf ich mich vorstellen? Meine Eltern nannten mich nach meiner Geburt "Ramses" und es heißt, ich wäre das schönste Kamel, das in den letzten zwanzig Jahren in unserem Rudel geboren wurde. Die Menschen sind verdammt wütend auf mich, weil ich mich dagegen wehre ein Weibchen zu schwängern, aber ich bin doch in meine "Lolita" verliebt. Zur Strafe darf ich nun jeden Tag irgendwelche verrückten Touristen, samt Tauchequipment und -flaschen, durch die Wüste und Berge der Halbinsel Sinai tragen. Wenn wir dann in der kleinen Bucht am roten Meer angekommen sind und uns hinlegen dürfen, hab ich immer noch "ihren" Geruch in der Nase. Dann träume ich davon, mit meiner Lolita auf einer Wolke zu schweben, meinen Kopf an ihren zu reiben und viele Kinder mit ihr zu zeugen. Aber das wird wohl nur ein Traum bleiben.
Wie gross sie wohl sein mag und welche Farbe ihr Fell hat?
Autsch, verdammt, hört auf damit. Ich hab zwar heute keine schwere Fracht auf meinem Rücken, aber dafür zwei quirlige, freche und mich mit irgendwelchen stechenden Gegenständen, Rotzlöffel. Müssen die so rumhampeln? Und laut sind die auch noch. Gleich kommen wir wieder an dem Tor vorbei und wenn die Zwei so weiter machen, kann ich mich nicht auf meine heimliche Liebe konzentrieren. Ihr blöden Zweibeiner, hört endlich auf mir am Fell zu ziehen und mich zu pieksen.
Was ist das??? Das Tor ist auf. Ich muss dahin. Oh mein Kamelgott, an dem ich nie geglaubt habe, da kommen Artgenossen von mir raus. Der Geruch. Den kenne ich zu gut. Da ist sie. Ist die aber hübsch. Ich muss zu ihr. Einmal kräftig schütteln und die Kinder fallen in den Wüstensand. Nun ist der Aufstand gross, aber ich renne. Ich reiß mich von Mamdouh los, der mich immer an der Leine führt. Er schreit. Das interessiert mich aber nicht. Meine vierbeinigen Leidensgenossen sind auch so aufgebracht, dass sie mir teilweise die Menschen vom Hals halten. Und da steh ich vor ihr. Lolita. Oh, hat die schöne Augen und wie sie mich ansieht. Da kommt ein Zweibeiner und will mich mit einem Stock vertreiben. Was mach ich nun? Wenn ich jetzt wegrenne, sehe ich sie nie wieder. Ich schnapp mir ihre Leine und zerre sie hinter mir her. Sie bockt. Sie will nicht. Kurz bleiben wir stehen und ich schaue ihr in die wunderschönen Augen. Ein kurzer Blick. . . und sie läuft freiwillig mit. Wie gut, dass ich mich in der Sahara auskenne. Es gibt einen kleinen Berg, den ich schon immer mal besichtigen wollte. Der Weg ist noch weit und wir rennen. Noch haben wir kein Wort gewechselt. Da ist der Berg und wir sind erschöpft. Sie legt sich hin und ich schlecke ihr den Schweiß vom Kopf. Die Sonne geht unter und somit wird uns heute keiner mehr suchen. Da seh ich eine kleine Einbuchtung. Die richtige Grösse für uns und wir schleppen uns dahin. Noch immer haben wir uns nichts gesagt. Okay, dann fang ich damit an: "Ich heiße Ramses. " Sie lächelt mich an und sagt immer noch nichts. Na gut, dann weiter. "Wo sollte dein Ausflug denn heute hingehen?" Sie lächelt wieder, aber sagt immer noch nichts. In dem Berg ist ein kleines Büschlein. Ich gehe hin, rupf ihn ab und wir teilen uns das Grünzeug. Wie sie beim kauen ihre Schnauze bewegt. Ich kann mich an ihr einfach nicht satt sehen. Und sie sagt noch immer nichts.
Wo bin ich? Es ist noch dunkel und ich wache auf. Ach ja. . . , nun fällt es mir wieder ein:Lolita, der Ausriss und der kleine Berg. Lolita? Wo ist sie? Ich drehe mich um. Sie liegt neben mir und schaut mich an. Verschüchtert macht sie ihr süßes Schnütchen auf und flüstert mir zu: "Ich heiße. . . ""Nein, nein", sage ich zu ihr, "du bist meine Lolita. Schon immer gewesen und bleibst es auch so. Einen anderen Namen akzeptiere ich nicht. ""Danke, der Name ist wirklich sehr schön. Noch schöner, als den mir die Zweibeiner gegeben haben. Du warst also immer derjenige, der über unsere Mauer gerufen hat?! Ich erkenne dich an deiner Stimme. "Oh, mein lieber Kamelgott, ich danke dir. Wie sie redet, so kultiviert. "Ja, ich war das und wollte dich immer mal sehen. Aber dass wir hier mal zusammen liegen, damit hatte ich nie gerechnet. Es war wie ein Wunder, als du gestern aus dem großen Tor raus kamst. Wo wolltest du denn hin?" Auf einmal wird ihr Blick ganz traurig. "Ich wollte nicht weg. Die Zweibeiner meinten, da ich nun fünf Jahre alt sei und darum erwachsen bin, sollte ich für Nachwuchs sorgen. Sie rissen mich einfach aus meiner Familie und dem Rudel weg, um mich zu verkaufen. Ich hab mich hier doch immer wohl gefühlt. "Eine dicke Träne rinnt aus ihrem Auge raus und ich leck sie ihr ab. "Ich kann dich gut verstehen, mir erging es fast genauso. "Dann schlafen wir wieder ein.
"Hallo Ramses. "Oh, war das ein schöner Traum! Ich träumte von meiner Lolita. "Hallo Ramses, aufstehen." Es war gar kein Traum, es ist die Wirklichkeit. Sie macht mich wach. "Du hast einen ganz schön schweren Kopf, er lag auf meinem Bauch. Und geschnarcht hattest du auch noch. " "Das tut mir leid und zur Entschädigung suche ich dir den schönsten Strauch zum Frühstück, den der kleine Berg hat. " Ich stehe auf, recke mich, schau sie liebevoll an und will gehen. "Nein warte, ich komme mit, denn ich möchte nicht alleine sein. "Auch sie steht auf, zupft sich ihr Fell zurecht und dann gehen wir los.
Wir albern rum, wie kleine Kamelkinder. Die Sahara ist zum Sandbaden wunderbar geeignet. Zwischendurch finden wir was Grünes zum knabbern. Es ist der schönste Tag in meinem Leben.
Auf einmal bleibt meine Lolita stehen, schaut mich ziemlich lange an und raunt mir dann in´s Ohr:" Ich hab mich in dich verliebt. "Ich bin baff. Was soll ich sagen? Ich geh zu ihr hin, reibe meinen Kopf an ihren und antworte:" Ich mich in dich auch, schon vor langer Zeit. " Mein Traum ist in Erfüllung gegangen, ich schwebe auf meiner Wolke. Wir albern weiter rum, aber diesmal romantischer. Wir geben uns Streicheleinheiten und schmusen miteinander.
Aber nun sind wir erschöpft und trotteln langsam zu unserer Schlafstätte hin. Wir wissen beide nicht, wie wir uns nun verhalten sollen und stehen erst mal bedröppelt da. "Weißt du was, Lolita? Wir erleben hier an diesem kleinen Berg die schönste Zeit in unserem Leben. Lass uns jedes Jahr, zu dieser Zeit, mit unseren Kindern hier Urlaub machen. "Sie schaut mich mit weit aufgerissenen Augen an. "Kinder? Du denkst jetzt schon an Kinder? Aber wir kennen uns doch noch nicht so lange. " "Das macht doch nichts, denn ich liebe dich und möchte eine kleine Lolita, die so hübsch ist, wie du und einen kleinen Ramses, der meinen Dickkopf hat. " Ach, wie sie mich verschüchtert anlächelt. Und dann hab ich noch eine Idee. "Was hältst du davon, wenn wir unseren kleinen Berg den Namen >Sandwolke 7< geben?" "Wie kommst du auf diesen Namen?" "Nun ja, ich schwebe mit dir auf einer Wolke, mitten im Sand und wir haben sieben Runden um den Berg gedreht. ""Ramses, du bist ein wahrer Poet und wirst wahrscheinlich der beste Kamelvater der Welt sein. " Die Sonne geht unter und wir legen uns in unser Schlafloch.
Wir kuscheln, schmusen und reiben uns gegenseitig die Köpfe aneinander. Bin ich froh, bei den Zweibeinern nicht nachgegeben zu haben und dass ich trotz Strafarbeit meine Sturheit durchgesetzt habe und mich keinem anderen Weibchen hingegeben habe. Es ist die schönste Nacht meines Lebens.
Ich werde wach und diesmal liegt ihr Kopf auf meinem Bauch. Ach wie süss sie aussieht, wenn sie noch schläft. Ich küsse ihr zwischen die Augen und ihre Wimpern zucken. Ich küsse sie solange, bis sie wach wird und denke mir dabei:"So wird es der Prinz mit Dornröschen auch gemacht haben. "Wir räkeln und wir strecken uns, raunen uns Liebeswörter in die Ohren, bis wir endlich auf unseren acht Füssen stehen. "An welcher Ecke von unserer >Sandwolke 7< möchte die gnädige Dame denn frühstücken?" "Ach, wenn der gnädige Herr mich so fragt. . . . . . . !Eigentlich ist es mir egal, Hauptsache ich kann mit meinem Mann Ramses zusammen die Büsche vertilgen. " "Mein Mann", sie sagte "Mein Mann. " Dann sind wir ja bald eine richtige Familie, so wie ich mir das immer gewünscht habe. Nochmal vielen Dank, lieber Kamelgott.
Noch ziemlich wackelig von unserer ersten Liebesnacht, machen wir uns zum Frühstücksbüffet auf.
Halt stopp, was sind das für Geräusche? Die werden immer lauter und kommen mir bekannt vor. "Lolita lauf. Renn weg. Die wollen uns holen. " Aber dafür ist es schon zu spät. Mamdouh zerrt mich mit noch vielen Zweibeinern, an der Leine von meiner Frau weg. Ich wehre mich, versuche sogar zu beißen und um mich zutreten, aber es nützt nichts. Zuviele Zwei- und Vierbeiner stehen um uns herum. Lolita ergeht es auch nicht anders. Sie schreit vor Angst und ich kann ihr noch nicht einmal helfen. Was bin ich nur für ein schlechter Ehemann. Sie reißen uns auseinander, jeder in eine andere Richtung. "Lolita, Lolita vergiss mich nicht und denke dadran, jedes Jahr zur gleichen Zeit >Sandwolke 7<. " "Ja ich werde kommen. " Das ist das letzte, was ich von ihr gehört habe. Es geht alles so rasend schnell. Wo bringen sie meine Lolita hin? Ich denke nur an sie und merke noch nicht einmal die Schläge, die mir die Zweibeiner verpassen. Immer und immer wieder versuche ich es, mich von denen los zureißen, aber die haben mich mit zu vielen Stricken zugeseilt.
Nach endlosen, schimpfenden und schlagenden Stunden durch die Wüste, stehe ich nun vor meinem alten Zuhause. Wenn ich denke. die lassen mich zu meinem Rudel, dann habe ich mich geirrt. Die Zweibeiner zerren mich in eine total verkommene Behausung, ohne Fenster.
Und da bin ich nun, alleine, ohne meine Lolita und weine vor mich hin. Ob es ihr genauso geht? Denkt sie an mich? Hat man sie zu einem anderen Männchen gebracht? War es die ganze Sache überhaupt wert gewesen? Ja. sie war es wert. In meinem ganzen achtjährigen Kamelleben hatte ich noch nie solch ein wunderbares, romantisches Erlebnis. Egal was jetzt noch auf mich zukommt, ich werde es nie vergessen und meiner Lolita immer treu bleiben.
Mamdouh versucht es immer und immer wieder, mich nach draußen zu zerren, aber ich wehre mich, indem ich nach ihm trete, ihn anknurre und ihm zeige, dass ich noch Zähne habe, die beim zuschnappen schmerzhaft sein könnten.
Nach wochenlanger Quälerei lässt er mich endlich in Ruhe und das schon seit einigen Tagen. Nun steht er mit noch so einem Zweibeiner vor meinem Verlies und die brummeln so was Ähnliches wie: "Der ist eh nur noch unnütz und höchstens als Fleischverwertung verwendbar. "Verflixt, das ging unter die Gürtellinie. Wenn die mich schlachten, dann hab ich nie die Möglichkeit, meine Traumfrau je wieder zu finden. Also was bedeutet das nun für mich? Ramses benimm dich.
Ich hab jetzt noch mal eine Nacht darüber geschlafen und ich weiß, wie ich mich nun verhalten muss, als auch schon Mamdouh vor mir steht. Obwohl ich ihn noch nie leiden konnte, schmieg ich meinen Kopf an ihm und schleim mich so bei ihm ein. Ich trete nicht, knurre nicht und schnapp auch nicht nach ihm. Er schaut mich fassungslos an, gibt mir mein Futter und geht raus. Den ganzen Tag sehe und höre ich nichts von ihm. Ist das ein gutes- oder schlechtes Zeichen?
Wieder ist eine Nacht vergangen und Mamdouh schneit bei mir rein, ohne einen anderen Zweibeiner im Schlepptau. Ich ziehe das gleiche Spiel wie gestern ab. Wieder schaut er mich total verwirrt an.
Heute, Tag drei, kommt Mamdouh schon ziemlich früh zu mir. Was bedeutet das? Ich bin mit allem gewaffnet. Ich lass mich nicht schlachten. Nein, er zwingt mich, in die Hocke zu gehen, legt mir den Sattel drauf und schwingt sich dann auf meinen Rücken. Wir machen erst einige Runden auf dem Hof, worauf ich mich erst einmal wieder an die Sonne gewöhnen muss, dann öffnet ein quietschfiedeler Zweibeiner das Tor und ich darf mich rennerisch so richtig austoben. "Okay, du Dickkopf, morgen beginnt dein Arbeitstag und wehe du benimmst dich nicht, dann machen wir Hackfleisch aus dir", bekomme ich von Mamdouh in einem harten Tonfall zu hören. "Und geht alles gut, kannst du dich ab morgen wieder in deinem Rudel heimisch fühlen. "In meinen tiefsten Gedanken, denke ich schon wieder an das Tor und ob Lolita dort ist, ich sie rieche oder höre und was ich ihr rüberrufen soll. Ich bin so aufgeregt, dass ich kaum einschlafen kann.
"Dickschädel, aufwachen." Hach, nun hab ich doch noch etwas geschlafen. Aber ich bin zu aufgewühlt, um überhaupt zu frühstücken. Wie gerne würde ich das jetzt mit meiner Ehefrau machen. Also, wieder auf den Fußboden, Sattel drauf, aber. . . . . . . . . . . da fehlt doch noch was. Bestimmt hat sich hier einiges geändert, in der letzten Zeit. Und dann kommen auch schon die erbärmlichen Zweibeiner angestürmt. Kein einziges Kamel hat irgendetwas von dem Tauchkrempel auf seinem Rücken. Die Zweibeiner klettern auf uns drauf, wir erheben uns und. . . . . . . . . . . . . . . . . . Lolita, ich komme.
Was soll das denn? Anstatt wie sonst, links aus dem Tor, werden wir rechts herum gezogen. Dann komme ich doch gar nicht an ihrer Behausung vorbei und kann nicht erkennen, ob sie wieder dort ist. Die Zweibeiner bestrafen mich, denn das was wir hier veranstalten ist eine kamelische Touristentour, die durch Dahab geht.
Und das geht nun schon seit Monaten so, jeden Tag zweimal. In drei Tagen ist unser >Sandwolke 7< Jahrestag. Ich muss zum Berg. Ob sie kommt? Oder hat sie mich etwa vergessen? Ich muss es herausfinden. Drei Nächte kann ich noch darüber schlafen und dann muss eine Entscheidung getroffen werden. Aber welche???
Der Tag ist gekommen. Es fängt alles so wie immer an. Wir werden geweckt, bekommen Grünzeug, aber die nervenden Zweibeiner sind noch nicht erschienen, da der Bus eine Panne hat. Was auch immer das zu bedeuten hat. Die nächsten Minuten verlaufen wie in einem Film, genauso wie vor einem Jahr. Nur, dass es diesmal mein Tor ist, was offen steht und keiner kümmert sich um uns Kamele. Ich schaue nach links, dann nach rechts, keiner von den Zweibeinern interessiert sich für uns und so schleich ich mich langsam, angeblich nach irgendwas Grünes suchend, zum geöffneten Tor hin. Und dann ist es soweit, ich renne und renne, was mein Körper herhält.
Endlich, zwar erschöpft und ausgepowert, dafür aber umso glücklicher stehe ich nun vor meinem Berg, unserem Berg. Noch ist sie nirgends zu sehen. Es ist ja noch ziemlich früh, der Tag noch relativ lang und sie wird schon erscheinen. Ganz bestimmt. Um meine Beine zu entspannen, werde ich mich erst einmal in unsere Schlafstätte legen und träume davon, was vor einem Jahr hier alles geschah.
Uuups. . . . . . , da bin ich doch glatt eingeschlafen. Ich steh auf, schau mich um, aber Lolita ist immer noch nicht hier. Wo bleibt sie nur? Ich gehe einmal um den Berg rum, sie ist immer noch nicht hier. Ich warte und warte und. . . . . . . . . !
Die Nacht ist rum und ich bin immer noch alleine. Was mach ich nun? Zu den Zweibeinern zurück??? Nee, die würden mich zu Hackfleisch verarbeiten. Hier bleiben geht auch nicht, wahrscheinlich würden die wieder zum Berg kommen, um mich zu suchen.
Oh nein, nicht schon wieder. Ich höre Kamelgetrampel. Da sind sie schon. Ich versuche mich zu verstecken. Aber was ist das? Da sind ja gar keine Zweibeiner dabei. Es ist eine wilde Kamelherde. Das wäre meine Rettung. Ich gehe vorsichtig auf den Leithengst zu, wir beschnüffeln uns und er nickt mit dem Kopf, was bedeutet, ich bin in seinem Rudel aufgenommen.
Wieder ist ein Jahr rum. Es war eine schöne, aber auch traurige Zeit. Ich bin froh, in diesem Rudel aufgenommen worden zu sein. Es gab bis jetzt nie starke Auseinandersetzungen. Klar, kleine Streitereien gibt es überall mal. Wir fanden immer was zu essen und zu trinken. Aber Lolita. . . . . . . . , ich denke ständig an sie. Meine neuen Freunde wissen über alles Bescheid und versuchen mich deshalb heute zu trösten. Sie machen mir sogar die Freude und bringen mich ein Stück zu meiner >Sandwolke 7<. Ein paar hundert Meter davor bleiben sie stehen und meinen:" So Ramses, das ist dein Berg. Da musst du nun alleine hingehen, um deine Traurigkeit zu bewältigen. Wir warten hier auf dich. " Sie haben ja Recht. Ich trottel ganz langsam, mit herunter hängendem Kopf, zu meinem Berg hin. Sie ist eh nicht da. Ich werde, wie letztes Jahr, einmal drum herum gehen und dann mein Rudel wieder aufsuchen.
Der Weg kommt mir unheimlich lang vor und ich denke wieder an die Zeit, was hier alles vor zwei Jahren geschah. Ich rieche sogar ihren Geruch. Der Duft wird immer intensiver. Aber das gibt es doch gar nicht, letztes Jahr hatte ich diesen Geruch doch auch nicht in meiner Nase gehabt.
Ich erhebe meinen Kopf. Ist das eine Fatamorgana? Nein, da steht sie und nicht alleine.
"Ramses, das sind deine Kinder. Zwillinge. Eine hübsche Lolita und ein dickköpfiger Ramses. Wie du es dir gewünscht hast. "




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Eingereicht am 03. Juli 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.
Erzähl mir was von Afrika. Band 1. Dr. Ronald Henss Verlag   ISBN 3-9809336-2-8  ca. 150 Seiten   8,90 Euro.




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