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Erosion

©  Oliver Tabino


Das nur selbst wahrnehmbare Knirschen des feinen Sandes ist ihm unangenehm.
Er greift in seine schwarz-gelbe Freitag Umhängetasche auf die er hier schon so oft angesprochen wurde, und nimmt eine kleine Flasche Evian heraus. Ein kräftiger Schluck und er spürt wie die winzig kleinen Sandkörner in seinem Mundraum umherwirbeln. Oft fühlt er sich genauso. Den übermächtigen Elementen hilflos ausgeliefert. Wie die Sandkörner versucht er sich zu wehren, gegen das Wegspülen, den Untergang und das Gefühl, ausgespuckt zu werden. Keine Chance, er spuckt das leicht sandige Wasser aus und es vermischt sich mit den Resten des Meersalzes, das auf seinen Lippen haftet. Durch die kräftige Sonne und den stetig wehenden Wind trocknet es schnell auf den Lippen. Nun bahnt es sich wie ein plötzlich entstehender Wasserfall in der Wüste seinen Weg im Sandstrand. Der Sand ist wieder vereint und eine kleine Mulde zeugt von der Energie des Evianstrahls. Schon ist das Wasser versiegt und er steht blinzelnd und nachdenklich vor der kleinen Mulde.
Sonnengebräunte, durchtrainierte und mit wenig Stoff bekleidete Frauenkörper am Cliffton 4, aber er starrt in eine kleine, etwa fünf Zentimeter tiefe Mulde im Sand, die ein Wasserstrahl aus seinem eigenem Mund erschuf. In Gedanken errechnet er die Tiefe und den Durchmesser einer Mulde, die 10 Liter Wasser aus einer Höhe von 5 Metern verursachen oder 100 Liter oder 1000 oder das Wasser in der Bucht vor Clifton. Große Wunden würde das eigentlich weiche und formbare, durch die Finger fließende Wasser in die Haut der Erde reißen. Die andere, furchtbare Seite des lebensspendenden Wasser. Die Mutter allen Lebens. Das Leben entstand im Meer, es kam aus dem Meer, aber oft schließt sich der Kreis und das Leben wird vom Meer genommen. Vielleicht muss es so sein und das Leben bewegt sich immer wieder in einem stetigen Kreislauf, denkt er sich. Geben, nehmen, bekommen und verlieren. Kann man das Meer bändigen? Kann man es sich untertan machen oder ist man immer wieder zum Scheitern verdammt, weil einem die Naturgewalt seine Grenzen aufzeigt? Als kleines Kind stand er überrascht und ungläubig vor den nicht mehr vorhandenen Resten seiner Sandburg. Ein in Kindesaugen riesiges Bauwerk aus Sandtürmen, Sandmauern, Sanddächern, Sandfenstern, Sandwegen und Sandwassergräben. Stunde um Stunde hatte er mit der leicht genervten Hilfe seines Vaters daran gebaut. Immer wieder wurde er von seiner Mutter mit kühlen Säften und Sonnencreme versorgt. Nein, was sollte ihm die Sonne den antun. Er hatte Wichtigeres zu tun. Das Werk war erst am Abend vollendet und erst jetzt, am nächsten Morgen verstand er die warnenden Worte seines Vaters, die er nicht hören mochte. Doch er hatte, wie sich herausstellen sollte, Recht. Suchend und immer noch ungläubig stand er da. Hatten sie einen anderen Platz für das tägliche Strandvergnügen ausgesucht? Nein, die Wahrheit war einfach aber grausam für einen Siebenjährigen. Die sorgsam errichtete Sandburg wurde durch die nächtlichen Wellen in Nichts aufgelöst. In kurzer Zeit von einem Strudel in die unendliche Tiefe des Meeres gezogen. In jedem Ende ist ein Neubeginn.
Und wieder begann er sein Werk. Mit dem Enthusiasmus eines Kindes versuchte er, das Meer zu besiegen.
Eine krächzende Stimme mit einer kaum zu verstehende Aneinanderreihung von englischen Worten holt ihn zurück an Cliffton 4. Cold Drinks and Icecream kann er schließlich dechiffrieren und er lächelt dem kleinen, sonnengegerbten Verkäufer freundlich, aber den Kopf schüttelnd entgegen.
Weiße Zähne blitzen und der stetige Atlantikwind trägt die Worte den herrlichen Sandstrand entlang. Mit zwei schweren Kühltaschen an den Händen stapft der Strandverkäufer durch den feinen Sand, nach rechts und links blickend, immer auf der Suche nach einem potentiellen Kunden oder einem knackigen Hintern. Vor vier Jahren war er das erste Mal hier und schon damals amüsierten ihn die einerseits umtriebigen, aber andererseits sich nicht zu viel Stress machenden Südafrikaner. Man kann und muss aus allem ein wenig Geld machen scheint die Devise, aber bitte nicht zu viel Hektik. Vier Jahre ? er rechnet nochmals zurück, aber kommt erneut auf vier Jahre. Im Dezember 1996 war es, er ist sich ganz sicher. Der erste Urlaub mit seiner großen Liebe. Der Beginn einer langen Reise. Sein Blick schweift dem scheinbar unendlichen Horizont entgegen. Unendlich erschien ihm damals die Zeit, die sie miteinander verbringen wollten.
Regeln hatten sie sich selbst auferlegt und nach ihnen gelebt. Die Freiheitsgrade hatten sie sich gegenseitig gegönnt und jeder lebte sein Leben. Unsterblich waren sie ineinander verliebt. Sein Leben wollte er für sie geben. Alles hätte er für sie gemacht, aber irgendwann traten schleichende Entwicklungen ein, die sie zu Beginn nicht wahrhaben wollten.
Langsam aber sicher erodierte ihre Beziehung. Wie sagt man, denkt er: Der stete Tropfen höhlt den Stein.
Mächtige Steine hatte er nach ihr geworfen. Er wollte sie treffen und verletzen. Vielleicht sogar töten, das nahm er offensichtlich in Kauf. Vor Wut, Enttäuschung und verletztem Stolz brodelte es in ihm. Die ältesten Motive für einen Mord an seiner Geliebten. Bestimmt stand er, seine Hände in die Hüften gestemmt, auf dem flachen Tafelberg und betrachtete zornig, ob er seine Geliebte mit den Steinen verletzt hatte. Er muss ein Koloss von ungefähr 60 Metern gewesen sein, wenn er etwas faustgroße Steine nach ihr warf. Er hatte ihr bestimmt am Lionshead seine Liebe geschworen und nun hatte er sie wieder hierher gelockt, um sich zu rächen. Geschickt wie sie war, wich sie den Felsbrocken aus, die für sie wie Tennisbälle aus Stein gewirkt haben müssen. Eine göttliche Meerjungfrau in ihrem Element und ein unbeholfen wütender Koloss, der mit Steinen nach ihr warf. Es musste so gewesen sein. Er verletzte sie nicht, nein, die Zeichen seiner unendlichen Liebe und des Hasses, der nur aus dieser Liebe entstehen konnte, drohen mittlerweile vom Meer und der Bebauung durch die Capetonians und die vielen europäischen Geldgeber vernichtet zu werden. Tragisch, denkt er und lächelt. Diese und ähnliche Geschichten spielen sich oft vor seinem inneren Auge ab, besonders wenn ihn seine Umgebung dazu inspiriert.
Er denkt nach und betrachtet die im Wasser liegenden Felsbrocken. Wie lange braucht das Wasser, um einen Fels dieser Größe so klein werden zu lassen wie ein Sandkorn? Eine Ewigkeit. Schon wieder dieses Wort.
Wie eine Ewigkeit kam es ihm vor, wenn er sie nicht sehen konnte. Ein Tag schon reichte, um ihn nervös zu machen. Er erinnert sich genau, wie stark er sich zu ihr hingezogen fühlte. Er hatte so etwas noch nie erlebt. Die Gefühle waren so überwältigend, dass sie wie riesige Brecher in sein Leben drangen und vor keinen noch so hohen Schutzwällen oder Deichen halt machten. Es hatte keinen Wert sich dagegen zu wehren, das erkannte er bereits nach kurzer Zeit. Die Naturgewalt rollte unaufhörlich auf ihn zu und zwang ihn zu seinem Glück. Angst hatte er am Anfang, sich in ihr zu verlieren, wie ein kleiner Fisch im riesigen Ozean. Irgendwann ließ er los und die Liebe wurde sein Element. Er atmete sie ein, er schwamm in ihr, sie gab ihm Nahrung, letztendlich war sie der Ursprung seines Lebens. Wie hatte er vor der Begegnung mit ihr nur leben können?
Hat man eine solche Gewalt nicht einmal in seinem Leben erleben dürfen, weiß man nicht was Leben bedeutet, denkt er sich und starrt trotz neuer Sonnenbrille mit zusammengekniffenen Augen in die untergehende Sonne. Wie kräftig die Sonne ist. Obwohl sie durch den stetigen Wind nie unangenehm aufdringlich wird, spürt man ihre Energie und die Macht, Körper zu verbrennen, Pflanzen zu versengen und das Wasser verdampfen zu lassen.
Diese Macht verspürte er auch bei ihr. Er hatte oft das Gefühl, ihr ausgeliefert zu sein. Es war ein Wechselbad der Gefühle, nein, eher ein unaufhörlicher Wechsel in verschiedene Aggregatzustände. Von Wasser zu Dampf und wieder zurück. Manchmal war er der Verzweiflung nahe, aber immer wusste er, dass er an etwas Außergewöhnlichem teilhaben konnte.
Außergewöhnlich und einzigartig wie nur die Liebe bis in ihre letzte Konsequenz sein kann und gelebt werden muss, wenn man sie zulässt.
Er schüttelt sein Handtuch im Wind aus und packt es in seine Umhängetasche.
Seine grünen Flip Flops in der rechten Hand, verabschiedet er sich mit einem kurzen Blick von Clifton 4. Er weiß, dass sie sich heute Nacht wieder sehen werden. Die leere Evianflasche verschwindet im Mülleimer und als er am Fuße der Treppen ankommt, zieht er seine Flip Flops an. Flip Flop, Flip Flop, Flip Flop - er muss jedes mal lächeln, wenn die Plastiksandalen, die er als Kind so hasste, bei jedem Schritt gegen seine Fußsohlen und den Asphalt schlagen und das typische Geräusch erzeugen. Der lange Aufstieg nimmt ihm etwas den Atem und als er an der Uferstraße ankommt, blickt er sich suchend um. Die weißen 80er Jahre Golfs gibt es wie Sand am Meer und nach einigen Sekunden der Orientierungslosigkeit erinnert er sich wieder.
Die Erinnerung holt ihn häufig ein in diesen Tagen, denn er verbindet so viele Orte, Plätze und Stellen mit ihr. Selbst Kleinigkeiten wie der breit lächelnde Trommler im Mama Africa, der manisch seine schlecht auf einem Klappstuhl befestigte Baßtrommel schlägt, löst einen Moment der tiefen Vertrautheit und unbeschreibbaren Glücks aus. Oder ein einfacher Savannah!
Er darf gar nicht daran denken. Es ist doch nur ein Getränk, ein leichter, erfrischender Cider in einer durchsichtigen Flasche. Mit ihr zusammen hat er ihn das erste Mal genossen, wie so viele Dinge, die er mit ihr zum ersten Mal in seinem Leben erleben konnte. Von diesen Gedanken erfrischt, beschließt er, nicht in die kleine Pension zu fahren, sondern nach Camps Bay, um einen Savannah zu trinken. Kaum hat er seinen Schlüssel in der Tür, kommt einer der "Parkwächter" herbei, um den Lohn für die Bewachung des Autos und der Hilfe beim Ein- und Ausparken zu fordern. Er gibt ihm zwei Rand, bedankt sich, steigt ein und fährt die Uferstraße in Richtung Camps Bay. Er muss noch sehr auf den Verkehr achten. Die ersten zwei Tage sind immer etwas gewöhnungsbedürftig, aber einen Unfall hatte er weder in Auckland, London noch Glasgow. Das Autoradio hat mal wieder Aussetzer, aber es stört ihn nicht, da er sich schon nach wenigen Minuten auf die Parkplatzsuche konzentrieren muss.
Einiges los, denkt er sich. Die Vorfreude auf den Jahreswechsel ist den Meisten anzumerken. Irgendwie scheint die Stimmung noch lockerer und entspannter zu sein als sonst. Lächelnde Menschen wo immer man hinblickt.
Die Sonnenuntergangsjünger tummeln sich am Fenster der "Baraza", aber ihn zieht es für einen kurzen Drink in eines der Straßencafes und er hat Glück.
Schräg vor der "Sandbar" stößt er in eine eben frei gewordene Parklücke.
Die Tische sind alle besetzt und so setzt er sich auf eine kleine Mauer. Er beobachtet die gut gelaunte Menge. Er beschließt, seinen Savannah direkt an der Bar zu bestellen, da die wenigen Bedienungen einen leicht überforderten Eindruck machen. Der erste erfrischende Schluck gibt ihm ein Gefühl als ob er nie weg gewesen wäre. Was sie wohl gerade macht? Das erste Mal denkt er heute nicht in der Vergangenheit an sie, sondern in der Gegenwart. Er beschließt, dass dies ein sehr guter Beginn des Silvester-Abend ist. Falls die Zukunft sich ohne sie gestalten sollte, hat er noch genug Zeit, in der Vergangenheit zu schwelgen und allen, die es nicht hören wollen, zu erzählen, dass sie die Frau seines Lebens ist oder in diesem Fall besser gesagt war.
Er blickt wieder zum Horizont und die Sonne sieht mittlerweile aus wie ein Halbkreis, der langsam aber sicher vom Meer verschluckt wird. Die Strahlen haben an Kraft verloren, so als ob sie uns zeigen wollen, dass sie den ganzen Tag genug gearbeitet haben und nun eine Pause brauchen. Der Tag geht und die Nacht kommt. Immer und immer wieder. Die Liebe kommt und geht wie Ebbe und Flut. Warum bemerkt man eigentlich in Kapstadt Ebbe und Flut nicht, fragt er sich, wischt aber den Gedanken schnell beiseite als er meint, sie zu sehen. Sie ist es nicht. Er steht auf, bezahlt, geht zu seinem Auto und fährt in die Pension. In zwei Stunden beginnt die Silvester-Party an Clifton 4.
Nach einer Rasur, einer ausgiebigen Dusche, die die letzten Sandreste von seinem Körper spült, einer Portion Pasta und einem Glas südafrikanischen Weißwein treibt ihn die Ungeduld aus dem Haus. Die Tasche gut bestückt mit ein paar Savannah und einer weiteren Flasche Weißwein geht er in Richtung Long Road, pfeift, winkt und gestikuliert, um schließlich in ein Black Taxi einzusteigen. Ohrenbetäubender Lärm hindert ihn wie eine unsichtbare Wand am Einsteigen und die Vorfreude auf den Jahrtausendwechsel ist auch bei den Fahrgästen deutlich spürbar. Süßlicher Duft steigt ihm entgegen, aber er ist zuversichtlich, auch diese Fahrt zu überleben. Äußerlich wirkt er fröhlich und voller Vorfreude, aber innerlich fühlt er sich, als ob eine Flutwelle auf ihn zurollt, um ihn mit Haut und Haaren zu verschlingen.
Eigentlich will er verschlungen werden von ihr, hinab gezogen werden in die tiefsten Tiefen, um im gleichen Moment mit ihr auf der höchsten Welle zu reiten.
Oh ja, ein wilder Ritt ist diese Taxifahrt. Er deutet dem Taxifahrer an, dass er aussteigen will und als er wie vor ein paar Stunden vor den Treppen steht, die hinunter zu den Stränden führen, verlässt ihn für einen kurzen Augenblick der Mut. Sie später wiederzusehen, diesen Augenblick hat er sich so oft vorgestellt und erträumt, aber jetzt als nur noch ein paar Minuten und einige Treppenstufen vor der Erfüllung dieses Traumes liegen, packt ihn die Angst. Die gutgelaunten, lärmenden, partyhungrigen Massen strömen an ihm vorbei und schließlich lässt er sich einfach die Treppen hinunter spülen, erfasst von einer unheimlichen Kraft. Die Kraft, heute Nacht Gewissheit zu erlangen. Gewissheit, ob sie für einander geschaffen sind, ob sie zusammen träumen werden oder ob sie ihre Träume nur wie gute Freunde teilen.
Es ist gegen 22.00 Uhr und der gesamte Strand wird allmählich zur großen Open Air Partylocation. Überall lodern Feuer, man hört das Öffnen von unzähligen Bierflaschen und aus dem Bootshaus schallen elektronische, basslastige Rhythmen. Vereinzelt tanzen Menschen barfuß am Strand. Er ist auf der Suche nach bekannten Gesichtern, bewegt sich aber dennoch etwas menschenscheu direkt am Wasser entlang. Einerseits fühlt er sich noch nicht bereit sie zu sehen, andererseits kann er es kaum erwarten, in ihren strahlenden Augen das sich spiegelnde Lagerfeuer zu bewundern. Das kalte Meerwasser berührt in regelmäßigen Abständen seine Knöchel und er rollt seine Hose bis zu seinen Knien hinauf. Am Rande eines Lagerfeuers glaubt er, ein paar ihrer Freunde zu sehen. Er bewegt seine rechte Hand in Richtung seines Mundes, eine Geste des Überlegens und der Unsicherheit. Die vom Meerwasser feuchten Finger benetzen leicht seine Lippen und er schmeckt wieder das Meersalz auf seinen Lippen. Erneut schließt sich ein Kreis und er verspürt Durst.
Wie ein Mensch, der mehrere Stunden durch die Wüste irrt, fühlt er sich.
Fast von Sinnen durch die extreme Belastung des Körpers wankt er seinem Ziel entgegen. Intuitiv weiß er den richtigen Weg. Mit letzter Kraft schleppt er sich über eine Düne und plötzlich erblickt er das rettende Nass. Nein, es ist keine Fata Morgana. Es ist Wasser, richtiges Wasser und er scheint gerettet. Mit diesem Anblick verändert sich sein Leben. Alles wird wieder gut. Die letzen Meter bis zum Rande des Wasser scheint er zu schweben. Er ist kurz davor, in das rettende Wasser einzutauchen aber unverhofft hält er inne. Bist du Meerwasser? In seinen Augen erkennt man die tiefen Abgründe des Zweifels. Rettung oder qualvoller Tod?
Er schreckt auf, als ihn jemand berührt. Er blickt wie in Trance in ihre Augen und verliert sich in ihr. Sie überspielt ihre Verlegenheit, nimmt sein Gesicht in ihre Hände, küsst ihn, um sogleich in die Mitte der Freunde zu tänzeln. Er wird fröhlich von allen begrüßt, einige erkennen ihn wieder und er fühlt sich schnell wohl. Zu Beginn fand er ihren Vorschlag, sich das erste Mal auf der Party zu sehen nicht gerade taktvoll. Das erste und entscheidende Treffen nach fast einem Jahr und dann unter so vielen Freunden. Wahrscheinlich hat sie sich mal wieder nichts dabei gedacht, mutmaßte er, aber als er heute ihre verstohlenen Blicke spürt, weiß er, dass der Treffpunkt wohlüberlegt ist. Er spürt, dass es für sie ein ganz besonderer Moment ist und er kann die Spannung in jeder Faser ihres anmutigen Körpers wahrnehmen. Er bietet ihr einen Savannah an. Sie schauen sich in die Augen und müssen beide grinsen. Die Flammen des Lagerfeuers spiegeln sich tatsächlich in ihren Augen, denkt er und freut sich über seine Entscheidung, nach Kapstadt gereist zu sein, trotz aller Ängste und Zweifel.
Es sind nur noch fünf Minuten bis zum magischen Augenblick der Jahrtausendwende. Man spürt die Spannung und Vorfreude. Eine unbeschreibliche Stimmung erfasst den gesamten Strand. Die ersten Raketen malen funkensprühende Bilder an den Nachthimmel. Immer mehr Korken knallen.
Sie reicht ihm ein Glas und ihre Hand und rettet ihn. Kein Salzwasser, nein, einen Kelch mit dem Elixier des Lebens übergibt sie ihm, indem sie zwei kleine Worte haucht: Hey Babe!




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Eingereicht am 22. Juni 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.
Erzähl mir was von Afrika. Band 1. Dr. Ronald Henss Verlag   ISBN 3-9809336-2-8  ca. 150 Seiten   8,90 Euro.




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