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Die unerwartete Reise

©  Doris Ramler


Manchmal kommt was unerwartet. Klar, du denkst natürlich daran zu gewinnen. Wer tut das nicht, wenn er bei einem Gewinnspiel mitmacht? Ich natürlich auch. So machte ich damals, es ist schon ein paar Jahre her, bei einen Gewinnspiel mit. Dieses war von "Frisch gekocht ist halb gewonnen". Das ist ein Gewinnspiel vom ORF und Billa, einer große Lebensmittelkette bei uns.
Die Art, wie ich vom Gewinn erfuhr, war auch nicht alltäglich: Ich besuchte gerade einen Freund bei der Arbeit, als meine Mutter anrief und es mir sagte. "Liebe Kind, stell dir vor: Du hast beim Gewinnspiel gewonnen. Eine Reise nach Tunesien!"
Nun fingen die Vorbereitungen an. Anrufen, abklären, jemand suchen, der mitfährt. Letzteres war schwerer als ich es mir vorstellte. Gar nicht zu glauben, dass es selbst bei Gratismitfahrgelegenheit noch so schwer ist, jemanden zu finden, der mitfährt, aber es ist so. Endlich hatte ich jemanden gefunden, eine Freundin von mir. Sie war begeistert und alles schien in Ordnung zu sein. Bis sie anrief, weil sie doch einen Freund gefunden hatte und der sie zu einer eigenen Reise eingeladen hatte. Trotz meiner Gutmütigkeit grollte ich ihr im Innersten doch etwas. Es war ja nicht einfach, jemanden zu finden und die Zeit war auch schon knapp. Aber was blieb mir übrig, ich konnte ja schlecht sagen, dass das nicht ginge. Aber alleine wollte ich auch nicht fliegen. Dann fand sich doch noch eine Bekannte, eine Freundin meiner Mutter.
So rückte der Tag der Abreise immer näher und näher.
Endlich war es soweit, die Bekannte kam und auch ihr Freund fuhr mit. Wir verstauten alles und ab ging es Richtung Flughafen. Dort suchten wir einen Parkplatz, gingen dann zum Schalter, danach begannen die ganzen Vorbereitungen, es war richtig interessant. Schließlich war das mein erster Flug. Dann kamen die letzten Minuten, bevor wir ins Flugzeug stiegen. Nun war es soweit und wir starteten.
Es war faszinierend, wie alles kleiner wurde und dann nur noch Wolken zu sehen waren. Zum Glück hatte ich einen Fensterplatz bekommen und konnte nun alles genau beobachten. Am meisten beeindruckten mich die Wolken. Es ist schon eine Wucht, über den Wolken zu sein. Es herrlich sah aus: Wie ein graues, eher weißes, großes Federbett. Dann kam das Meer. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden kam Tunis näher und näher und wir landeten.
Ist schon aufregend, seinen Koffer auf einem großen Rollband zu finden. Zum Glück hatte ich nur ein großes Gepäckstück. Und das hatte ich mit einem großen Kleber gekennzeichnet, denn sicher ist sicher, wie ich mir dachte.
Danach galt es, jemanden von unserem Reisebüro zu finden und dann den Bus.
Das ist eben auch nicht so alltäglich, eine Reise ist schon ein Abenteuer und die unsere begann erst so richtig.
Mit dem Bus ging's Richtung Hotel. Es gab aber noch einige Zwischenstops, da ja im Bus noch Leute von anderen Hotels dabei waren und wir unser Hotel außerhalb Tunis hatten.
Nun, dann war es endlich soweit: Wir waren da! Freundlicher Empfang und Einweisung in unsere Zimmer, ein Gespräch mit einer Beraterin vom Reisebüro und was halt so noch anfällt beim Ankommen.
Wie alles ganz genau ablief, weiß ich nicht mehr, aber was mir von den schönen Tagen in Afrika in Erinnerung blieb, die acht Tage, die leider viel zu schnell vorbeigingen, die hab ich im Großen und Ganzen noch ziemlich genau im Gedächtnis.
Als erstes sah ich mir die Umgebung an. Die Anlage des Hotels war herrlich: Die Blumen, die Pflanzen, dieses Exotische beeindruckte mich sehr.
In der Anlage sah ich auch mal eine Gottesanbeterin, so ein zierliches Geschöpf. Kaum zu glauben, dass so eine so grausam sein kann. Aber das heuschreckenartige Geschöpf war trotz allem schön anzuschaun.
Was ich dann als nächstes bestaunte, war natürlich das Meer. Ich war zuvor schon sehr lange nicht mehr am Meer gewesen und deshalb musste ich sofort mal einen Erkundigungsausflug zum Meer machen. Das Rauschen des Wassers, der Sand, die Wellen, als dies brachte mich natürlich dazu, nach Muscheln zu suchen. Leider waren es eher kleinere. Aber andere Meerestiere gab's auch noch.
Was mir aber am besten in Erinnerung geblieben ist, war ein besonders schöner Tagesausflug, den ich mit meinen Bekannten machte. Das Angebot dazu bekamen wir direkt am Strand und es war sehr schön.
Morgens an diesem Tag trafen wir uns mit den anderen, die auch am Tagesausflug teilnahmen. Es war schönes Wetter, wie die ganze Zeit über, übrigens. Da gab es Pferde, Kamele und Kutschen, eine kleinere und eine größere Kutsche, mit je zwei Pferden. Die Bekannten fuhren mit der kleineren, ich mit der größeren.
Ich fand das toll. Es gab auch Pausen, wo jeder sein Fortbewegungsmittel tauschen konnte. Da ich leider noch nie geritten bin, wagte ich mich weder auf ein Pferd noch auf ein Kamel. Schade, aber leider gehöre ich nicht zu den Mutigsten, das muss ich zugeben. Also ging's mit Pausen richtig in die Wüste rein, mit riesigen Kakteen, schön anzusehn. Ich hörte, dass die Früchte lecker schmecken sollen, nur sie waren zu der Zeit noch nicht reif, leider.
Dann kamen wir zu einem kleinen Gasthaus, ich glaube, es war die erste Station. Dort gab es Strauße, riesig große Vögel. Und ein Kamel, das Kaktusstücke aus dem Mund nahm: Das nannte sich Kamelkuss. Dazu bekamen wir alle je ein Stück Kaktus, natürlich ohne Stacheln, die wurden entfernt, sonst hätte man sie ja nicht in den Mund nehmen können. Dann nahm man besagtes in den Mund und stellte sich vor das Kamel, das einem das Stück Kaktus wieder aus dem Mund nahm, indem es das Stück am anderen Ende packte.
In diesem Moment wurden Fotos gemacht, die man nachher kaufen konnte, als Andenken. Danach nahm das Tier einem den Kaktus praktisch ab und zerkaute ihn gemütlich.
Dann gingen wir ins Gasthaus, wo wir eine Kleinigkeit tranken und aßen. Dort standen statt Blumen feine Straußenfedern in einer Vase. Ich kam auf eine originelle Idee: Obwohl ich nicht die Sprache konnte, wollte ich diese Vase erwerben. Also ging ich kurzentschlossen hin und zeigte auf das, was ich wollte. Zwar dauerte es ein klein wenig, aber klappte dann doch noch. Ich erwarb die Vase und habe sie heute noch in meinem Zimmer.
Lustig ging es dann weiter, immer den Kakteen entlang. Ich fuhr immer mit den selben netten Menschen und wir redeten etwas miteinander. Meine Bekannten fuhren mit der anderen Kutsche. Es gab immer wieder Zwischenstopps, einmal sogar eine Reifenpanne, die aber bald behoben wurde.
Wir kamen zu einer Töpferei und sahen viele schöne, nette, kleinere und größere Dinge, alle aus Ton hergestellt. Danach erblickten wir noch einen alten Brunnen und Beduinenfrauen brachten selbstgemachtes Fladenbrot zum Kosten.
Dann ging's wieder Richtung Hotel, aber das dauerte noch und war sehr schön, wieder den Kakteen entlang mit Zwischenhalts. Das war eines der schönsten Erlebnisse dieses tollen Urlaubs.
Tolle Morgenspaziergänge machte ich auch, wenn es noch nicht so warm war.
Ein paar mal badete ich im Meer. Am Strand erwarb ich zudem einen Teppich, einen einfach gemachten, ganz günstig. Einen kleinen Teppich halt, ganz weiß und weich. Und einmal kaufte ich zwei Palmen.
Einen kleinen Flirt mal und auch kleine Ausflüge machte ich mit meinen Bekannten.
Einmal waren wir abends auch bei einer Teppichvorführung. Wir bekamen etwas zum Trinken und hörten einiges über Teppiche. Etwas später fuhren wir mit einen Kleinhändler, der im Hotel ein Geschäft hatte, auch zu einer Fabrik.
War sehr interessant, das Ganze mal richtig zu sehn.
Am Hafen waren wir auch mal, gingen der Einkaufsstraße und dem Hafen entlang, kehrten in ein Cafe ein und sahen uns einen kleinen Zoo an, war sehr nett. Ja, auch das ist Afrika, das moderne Afrika.
Ich möchte diese Tage in Tunesien nie mehr missen, es war so schön, dieses Stück Afrika zu entdecken. Schön, dass es noch so nette Überraschungen gibt, wie diese gewonnenen Tage in Afrika.




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Eingereicht am 15. Juni 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.
Erzähl mir was von Afrika. Band 1. Dr. Ronald Henss Verlag   ISBN 3-9809336-2-8  ca. 150 Seiten   8,90 Euro.




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