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Malesch, Mädchen

©  Susanne Weinhart


Geisterschiffe auf dem Nil. Nach dem Terroranschlag der Islamisten in Kairo vom Dritten kreuzten nur noch fast leere, blitzende Motorschiffe auf der braunen Suppe, die langärmeligen, safaribeigen Personen an Deck sahen vom Ufer aus wie Leprakranke, die man nicht mehr an Land lassen wollte. Ein wandelnder Zauberberg, Davos mit Schwimmflügeln. Die Reisebüros in Deutschland hatten endlich reagiert. "Die riechen förmlich nach Malariaimpfung", meinte mein Vater. Weicheier, hieß das. Auch beim Essen im La Palme d'Or waren wir fast eine Viertelstunde das Knetspielzeug von zwei Polizisten, die allein durch ihr Rasierwasser einen Raum schachmatt halten konnten. Der eine Polizist jonglierte mit meinen Tampons aus dem Camelbak, der andere richtete seine Wumme auf einen jung wirkenden Polen, der eben ein ägyptisches Baby abgelichtet hatte. Handschellen rasteten ein, er wurde über den Tisch geschmissen, dass der bunte Porzellankrug mit dem Besteck auf dem Boden zerbarst. Dann behutsam, wie ein Entlaufener aus einem Altersheim, wurde er abgeführt, was ihm passierte, konnte ich mir vage und gleichzeitig in Zeitlupe vorstellen. Ich fühlte nichts mehr, steckte festgekorkt in einem Flaschenhals der Erschöpfung. Mein Vater sah ihnen nach wie zwei uniformierten Rockstars nach ihrer dritten Zugabe. Dieser Blick war eine einzige Ode an die Obrigkeit. Zwanzig Berliner Mauern waren zwischen uns. Die Tampons lagen auf den blauen Fliesen wie Angelköder zwischen den Splittern des Kameraobjektivs, der Gabeln und Messer, der Baguettebrösel, ich räumte meinen Rucksack wieder ein und fand den Reisepass glücklicherweise in einem feuchten roten Pulli. Meine Wasserflasche war ausgelaufen. Mein Vater aß sein zweites Mussaka mit militärischer Demut. Der Krankenhausverband beulte ihm die Hose aus. Vor zwei Stunden waren wir mit dem maroden Geländewagen im islamischen Kairo angekommen. Mein Vater war als erstes humpelnd hinter einem türkis fächelnden Vorhang eines Barbiers am Bab el Nasr (Tor des Sieges) verschwunden, nachdem er mir einen Packen weißer, mit Blutstropfen ornamentierter Tücher in die Hände gestoßen hatte. Wenn man sie auf dem sandigen Boden ausbreiten wollte, würde man sehen, dass es zerrissene Bettlaken waren, alte, schmucklose, mitgiftfähige Bettlaken, zu gut gewebt, um sie schmerzlos zerreißen zu können. Wenig touristenlike stand ich mit tränenden Augen vor dem unscheinbaren Stadttor und verfluchte Kairo, Kontaktlinsen und kriegsnostalgische Väter. Ich versteckte meine langen Haare unter einem Baseballcap und wurde trotzdem erbarmungslos angemacht. Drei Fellachen, die den Vorgang beobachteten, amüsierten sich über mein "Fi muschkila?" (Gibt's ein Problem?). Wahrscheinlich sprach ich es falsch aus.
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Erzähl mir was von Afrika. Band 1. Dr. Ronald Henss Verlag   ISBN 3-9809336-2-8  ca. 150 Seiten   8,90 Euro.
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Eingereicht am 06. Juni 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.
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