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Das Lied der Dabira

©  Alana


Sie steht auf wie immer. Die Hütte aus Lehm, in der sie lebt, ist außerhalb des Dorfes, aber noch im Dornenrund.
Müde legt sie Dung auf das fast ausgehende Feuer. Alles schweigt noch, nur die Löwen sind zu hören, ihr Gebrüll macht ihr aber keine Angst. Sie kennt sie alle und bewegt sich so, dass sie die Witterung von ihr nie aufnehmen.
Soweit ist sie aber noch nicht. Das Feuer darf nicht ausgehen.
Über die Glut hängt sie den Kessel mit Wasser, sieht noch mal auf das Fell auf dem sie immer schläft, streckt sich ein letztes mal und nimmt den Beutel aus Ziegenleder um und geht auf die Öffnung der Hütte zu.
Kühle Luft umfängt sie.
Ihr Blick geht wie immer erst in den Himmel. Dieses wundersame samtig schwarze Firmament mit funkelnden Sternen.
Und da sieht sie den Stern, den sie den ihren nennt. Sie weiß, zu ihm wird sie bald gehen, denn ihre Zeit auf diesem Planeten ist gezählt.
Im Gegensatz zu sonst, dreht sie sich um und blickt in ihre Hütte, die ihr solange schon Schutz gab.
Die Wachen nehmen die Schamanin wahr und schweigen, als sie versunken an ihnen vorbeigeht, leise weiter vor sich hin murmelnd.
"shabira, dara akala, da mona, adroda xelora"
Wieder und wieder murmelt sie das vor sich hin.
Ihre Füße gewohnt, über diesen sandigen Boden zu gehen, sooft ging sie schon diesen Weg.
Heute führte er sie jedoch etwas abseits des Üblichen. In der noch tiefdunklen Nacht sieht sie doch die Kräuter, die sie braucht. Das Bücken, es fällt schwer durch die Last der Jahre.
Der Beutel mit Ziegenleder, sehr schnell sie ihn gefüllt hat und weitergeht. Viel weiter entfernt sie sich von ihrem Dorf. Die Füße sie tragen sie dahin, was ihre Bestimmung nun ist.
Die Tiere erwachen, immer wieder ist das Brüllen der Löwen zu hören. Zirpen vernimmt ihr Ohr.
Weiter es geht, als sie an den Rand kommt, wo die Wüste anfängt. Dort steht eine Akazie. "shabira, dara akala, da mona, adroda xelora". Sie werden zu einer Melodie in ihr und sie summt inzwischen leise.
Nicht mehr viel Zeit.
Da drüben schon das leichte heller werden zu sehen.
Nicht mehr viel Zeit.
Unendlich müde setzt sie sich an die Akazie und nimmt die gesammelten Kräuter aus dem Ziegenlederbeutel und streut sie um sich.
Ihr Blick ausgerichtet auf die kommende Sonne, den Stern wissend an seinem Platz.
Diese Melodie, der Wind übernimmt sie, der nun aufsteigt und ihr wiegen im Rhythmus ist das des Blattes im Wind.
Ihre Augen geschlossen, der Atem im Summen immer schwächer wird. Die Kräuter sie vermischen sich mit dem Geruch der Wüste und bilden eine Einheit und ein leiser Seufzer von ihr, tut kund, dass sie die Welten gewechselt hat.
Der Wind die Melodie weiter summend.
Ihr Körper zusammensackt, im Sand und den Kräutern liegt und die nun aufgegangene Sonne ein letztes mal sachte über sie streicht.
Da hebt der Wind an, wirbelt den Sand auf und trägt die Kräuter hinweg.
Die Wachen im Dorf warten diesmal vergeblich auf sie.
Das Brüllen der Löwen schweigt im Lied der Dabira.




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Eingereicht am 04. Juni 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.
Erzähl mir was von Afrika. Band 1. Dr. Ronald Henss Verlag   ISBN 3-9809336-2-8  ca. 150 Seiten   8,90 Euro.




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